Weihnachtsgans
Die für die Weihnachtszeit denkbaren kulinarischen Genüsse, auf die man sich einerseits freut,
deren Folgen in Sachen Gewicht man andererseits fürchtet, sind äußerst vielfältig und regional verschieden.
Man denke an Karpfen, Kartoffelsalat, Heringssalat, Schweinebraten, Gänsebraten... Diese Üppigkeit ist nicht verwunderlich, wenn man
bedenkt, daß das Weihnachtsmahl traditionell das Ende der Fastenzeit darstellt(e).
Was den Gänsebraten heraushebt, ist einerseits die Tatsache, daß die Fastenzeit katholischer Prägung
am 11. November mit der Martinsgans (benannt nach einem der vielen Heiligen) begann, eine Gans somit
Anfang und Ende des Darbens war. Und andererseits soll die charismatische englische Königin Elisabeth I.
Weihnachten 1588 gerade an einer Gans geknabbert haben, als ihr die endgültige Niederlage der einst
gefürchteten Flotte des spanischen Erzfeindes, die eigentlich die Invasion Englands vorbereiten sollte,
überbracht wurde. Das Ende der Armada leitete zugleich das Ende der spanischen Vorherrschaft in Europa ein,
während England seine nun unangefochtete Seemacht dazu benutzen konnte, sein die halbe Welt umspannendes
Empire zu errichten. Aus purer Freude heraus erwies Elisabeth der Gans die zweifelhafte, weil in
jedem Fall tödliche Ehre, das "offizielle" königliche Weihnachtsessen zu werden.
Mittlerweile allerdings hat, ganz nach amerikanischen Vorbild, der Truthahn die Gans abgelöst. Tja,
Undank ist der Welt Lohn...
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