die Arschkarte ziehen - Redensarten und Redewendungen
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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Franzsisch Englisch die Arschkarte ziehen / gezogen haben - die AK ziehen / gezogen haben

Bedeutung

benachteiligt sein; den Schaden haben; Pech (gehabt) haben

Die Arschkarte ziehen, das bedeutet, man mu eine Aufgabe erledigen oder sich mit Dingen beschftigen, auf die man absolut keine Lust hat und/oder die unangenehm sind. Und das meistens auch noch unter der Schadenfreude derer, die etwas mehr Glck hatten.

Herkunft

FussballDie am hufigsten anzutreffende Erklrung macht die Fuballbertragungen im Fernsehen fr die Arschkarte verantwortlich. Demnach war es zu Zeiten des Schwarz-Wei-Fernsehens fr den Fuballfan vor der "Kiste" schwierig zu unterscheiden, ob ein Spieler fr ein bses Foul oder ein anderes Vergehen vom Schiedsrichter nun die Gelbe oder die Rote Karte gezeigt bekam. Seitens des Deutschen Fuballbundes (DFB) kam man daher angeblich auf die Idee, die Schiris die hufiger bentigten Gelben Karten in der leichter zu erreichenden Brusttasche und die nicht gern gesehenen Roten Karten in der Arschtasche bzw. - vornehmer ausgedrckt - Gestasche aufbewahren zu lassen. Von da an konnten die Schiris dieser Deutung nach bei rotwrdigen Vergehen die Arschkarte ziehen.

FernseherAllerdings lsst diese Herleitung einige Ungereimtheiten erkennen. So wurde Farbfernsehen in Deutschland 1967 eingefhrt, die Rote Karte (und auch die Gelbe) hingegen kam erstmals bei der Weltmeisterschaft 1970 zum Einsatz. Zuvor wurden Verwarnungen und Platzverweise mndlich ausgesprochen. Das konnten nicht nur die Zuschauer nicht hren, auch so mancher betroffener Spieler litt pltzlich unter selektiver Taubheit. So blieb 1966 beim WM-Spiel Argentinien gegen England ein argentinischer Spieler nach einem Platzverweis noch rund neun Minuten auf dem Spielfeld, weil er nicht verstehen konnte oder wohl eher nicht verstehen wollte.

Rote KarteZwar waren Farbfernsehgerte 1970 noch lngst nicht Standard. Aber dass die Rote Karte spter als das Farbfernsehen eingefhrt wurde, bleibt doch ein Widerspruch. Ein weiterer berechtigter Kritikpunkt lautet, dass die helle Gelbe und die dunkle Rote Karte auch im Schwarz-Wei-Fernsehen in deutlich zu unterscheidenden Grautnen wiedergegeben wurden, der Zuschauer die Karten so oder so kaum verwechseln konnte. So gesehen, wre eine Anweisung an die Schiris, aus Rcksicht auf den Fan im Fernsehsessel die Karten in verschiedene Taschen zu stecken, berflssig gewesen.

FuballEine andere Deutung lautet, dass der Schiri lediglich nicht in die Verlegenheit kommen sollte, versehentlich die falsche Karte zu erwischen und fr Verwirrung und Aufregung zu sorgen, und die Karten deshalb in unterschiedlichen Taschen gelagert wurden und werden. Allerdings lie sich selbst bei der Fuball-EM 2008 noch beobachten, dass einige wenige Schiris beide Karten gemeinsam in ihrem Notizbchlein fhren.

SchiedsrichterpfeifeEin Problem, das beide Deutungen gleichermaen ins Abseits zu stellen scheint, besteht in der Tatsache, dass der Redewendung nach der Leidtragende die Arschkarte zieht, es im Fuball aber der Schiri ist, der solches vollbringt. Auf der logischen Ebene msste die Redensart, so sie denn mit Fuball in Verbindung stnde, dann eigentlich "die Arschkarte gezeigt bekommen" oder "die Arschkarte sehen" lauten.

FussballDoch mit etwas Ballgefhl bzw. Vorstellungsvermgen lsst sich dieser Widerspruch eventuell ausspielen wie eine Eckfahne, gibt es doch in der deutschen Sprache und Kultur seit jeher vielfltige Mglichkeiten, uerst unangenehme Dinge zu ziehen. Man kann den Krzeren ziehen, den Schwarzen Peter, eine Niete ... Und in gewissem Sinne gleichen Foul und Bestrafung ja auch einer Lotterie. "Ich habe zwar den Gegenspieler fast totgetreten, aber vielleicht komme ich ja mit einer gelben Karte davon? Oder werde ich etwa doch die Arschkarte ziehen?"

Logo des Deutschen FuballbundesWie es sich nun wirklich verhlt, wei erstaunlicherweise nicht einmal der DFB. Eine Anfrage erbrachte leider nur, dass "diese nicht neue Frage von Schiedsrichter-Seite noch nie abschlieend beantwortet werden konnte". Eine offizielle Anweisung scheint es also nicht zu geben und auch nie gegeben zu haben. Es ist offensichtlich den Schiris berlassen, wie sie die Aufbewahrung handhaben. Die Trennung hat sich wohl aus praktischen Grnden durchgesetzt, womit die zweite Deutung 1:0 in Fhrung geht.

AmpelkarteHat die Arschkarte etwa gar nichts mit Fuball, der philosophischsten aller Sportarten, zu schaffen? Ich bleibe am Ball - versprochen! Das freilich nicht als einziger. Sehr intensiv und anschaulich beschftigt sich auch Walter Koch mit dem Problemfall Arschkarte. Auch die Wiener Zeitung kam an der rtselhaften Arschkarte nicht vorbei. Und auch in der Wikipedia wird seit Jahren ber die Herkunft diskutiert.

FussballWenn wir ber die Zweifel an den Erklrungen zur Herkunft der Redewendung hinwegsehen wollen, haben in der Bundesliga bisher Stefan Effenberg und Torsten Kracht am hufigsten die Arschkarte gezogen. Beide flogen je siebenmal vom Platz.

Rote KarteEinen Rekord fr die Ewigkeit hat David Pratt vom englischen Siebtligisten Chippenham Town im Januar 2009 aufgestellt. Ein grobes Foul nach drei Sekunden Spielzeit gengte, um die AK zu ziehen.

Beispiele

"Du wirst unter Garantie wieder einmal voll die Arschkarte ziehen."
"Es sind keine Rebellen, sondern Leute, die die Arschkarte gezogen haben."
"Also habe ich auf gut Deutsch die Arschkarte gezogen?"
"Am Ende haben die ehrlichen Spieler ja doch die Arschkarte."
"Wer in sterreich auf dem Land aufwchst und ein bisschen anders aussieht, der hat ohnehin die Arschkarte gezogen."
"Sollte es im Radsport noch saubere Fahrer geben, haben die angesichts der zahlreichen gepushten Konkurrenz die Arschkarte gezogen."
"Wer dabei die Arschkarte zieht, ist ihm egal, da er es nicht sein wird."

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Wissenswertes

Rote KarteRote Karte

Sicherlich ist das linke Bild "schn bunt". Aber dass sich auf dem Schwarz-Wei-Bild die beiden Karten nicht deutlich unterscheiden lieen, kann niemand ernsthaft behaupten.

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