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Redensart/Redewendung

1) Auf die Barrikaden gehen/steigen
2) Jemanden auf die Barrikaden treiben

Bedeutung

1) Widerstand leisten - sich widersetzen - sich gegen etwas auflehnen - den Gehorsam verweigern; sich energisch für eine Sache einsetzen - für eine Sache kämpfen; sich über etwas heftig aufregen - seinen Unmut zum Ausdruck bringen;
2) Jemanden in den Widerstand treiben - jemanden dazu bringen, sich aufzulehnen

Herkunft

Bei den großen Volkserhebungen im 19. Jahrhundert (Juli-Revolution 1830 in Frankreich, März-Revolution 1848/49 in "Deutschland", Pariser Commune 1871) bestand eine wesentliche Verteidigungsstrategie der Aufständischen darin, Straßensperren zu errichten. Offene Auseinandersetzungen mit der viel besser ausgebildeten und vor allem besser bewaffneten Polizei oder gar dem Militär wären einem Selbstmord gleichgekommen. Grundlage vieler Straßenschanzen bildeten mit Erde oder ähnlichem gefüllte Fässer.[1] Und wie lautet ein französisches Wort für Faß bzw. Fässer? Barrique(s).[2] Verstärkt wurden die Barrikaden mit allem, was man auftreiben konnte. Als zusätzlicher Schutz gegen Gewehrfeuer verwendete man oft Matratzen.

Hinter den Barrikaden suchte man also Schutz. Wieso lautet die Redensart aber auf die Barrikaden gehen bzw. jemanden auf die Barrikaden treiben?

Ein solcher Schutzwall läßt sich nicht nur von den Feinden nur schwer erstürmen, sondern ist auch für die, die sich dahinter verschanzen, ein schwer zu überwindendes Hindernis. Um selbst angreifen zu können oder um bei einem Durchbruch des Feindes im Rücken nicht gänzlich in der Falle zu sitzen, wurde oft mit eine Art Rampe angelegt, mittels derer man schnell auf die Barrikaden gelangen konnte.

[1] "An der Tauben- und Friedrichstraßen-Ecke stand ebenfalls eine Barrikade von großer Schönheit und Festigkeit. Ein Wagen mit Oelfässern, der vorübergekommen war als man eben baute, hatte halten und seine Ladung als Material zur Barrikdade hergeben müssen. Hinter diesen Fässern versteckt lagen etwa acht tüchtige Schützen." (Streckfuß, Adolph: Das freie Preußen! Geschichte des Berliner Freiheits-Kampfes vom 18. März 1848 und seiner Folgen, 2. Auflage, Berlin 1848, Bd. 1, S. 28)
[2] Allerdings wird die Bezeichnung "barricades" für eine Sperre gegen Reiter und Fußvolk schon viel früher verwendet. Diese Barrikaden haben mit Fässern aber nichts zu schaffen. (Vgl. Zedler, Johann Heinrich: Grosses Universallexicon aller Wissenschafften und Künste, Halle und Leipzig 1733, Bd. 3, Spalte 519)

Beispiele

1) "Unsere Leute gehen auf die Barrikade, wenn sie das hören."
"In einem Land voll ängstlicher Ja-Sager geht so schnell niemand auf die Barrikaden."
"Diese Organisationen sind so ziel- und konzeptlos, daß nicht einmal deren Anführer genau sagen können, warum sie eigentlich auf die Barrikaden steigen."
2) "Dieser Vorschlag mußte Gewerkschafter und Sozialdemokraten auf die Barrikaden treiben."
"Das gleichförmige und jede echte Stimmung übertönende Tröten der Vuvuzelas treibt die Zuschauer in Scharen auf die Barrikaden."
"Die neuerliche Erhöhung der Eintrittspreise trieb selbst die treuesten Fans auf die Barrikaden."

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