jemanden ins Bockshorn jagen - sich nicht ins Bockshorn jagen lassen - Redensarten und Redewendungen
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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Franzsisch Englisch jemanden ins Bockshorn jagen - sich nicht ins Bockshorn jagen lassen

Bedeutung

jemanden in die Enge treiben, einschchtern, in Bedrngnis bringen - jemanden in Verlegenheit bringen, verblffen; sich nicht einschchtern/entmutigen/verunsichern lassen

Herkunft

Die Redensart jemanden ins Bockshorn jagen erklren zu wollen, das bedeutet, in die Vollen zu greifen - in die Vollen greifen zu mssen. Kaum eine andere heute noch so gebruchliche Redewendung gibt sich hinsichtlich ihrer Entstehung und ursprnglichen Bedeutung hnlich rtselhaft. Entsprechend gro ist die Auswahl an Erklrungsversuchen. Sehr wahrscheinlich hatte man bereits zur Zeit der frhesten literarischen Nachweise der Redewendung (15./16. Jahrhundert) die ursprngliche Bedeutung vergessen. Zumindest verliert keiner der Literaten ein Wort darber.

So vielgestaltig die Deutungsversuche daherkommen, so vielfltig waren dereinst auch die sprachlichen Verwendungsmglichkeiten des Bockshorns. Whrend sich nur ins Bockshorn jagen erhalten hat, konnte man frher die Leute auch ins Bockshorn stoen, treiben, zwingen, blasen und dergleichen mehr. Wie Sie sich sicherlich unschwer vorstellen knnen, vertieft dieser Mangel an Eindeutigkeit die Sorgenfalten dessen, der die Redensart erklren will, soll oder muss.

SchafZunchst einmal - wir fangen mglichst einfach an - kann man versuchen, die Redensart bis auf den I-Punkt wrtlich zu nehmen. Die wenigsten von uns ach so zivilisierten Grostdtern werden schon einmal die Gelegenheit (oder besser: die Verlegenheit) gehabt haben, mit dem Horn bzw. den Hrnern eines rauflustigen Bockes Bekanntschaft zu machen. Allenfalls aus Fernsehsendungen a l "Pleiten, Pech und Pannen" oder "Ups - die Pannenshow" sind uns solche "Auseinandersetzungen" bekannt. Was der Bock dabei mit seinem Opfer veranstaltet, kann man ohne bertreibung mit "umnieten" oder "ber den Haufen rennen" umschreiben. Solcherart Gemeinheit dem Bock als allgemeinen Wesenszug anzudichten, ihn gewissermaen zum Sndenbock zu machen, passt aber gut zu der schlechten Meinung, die wir seit Jahrhunderten von Bcken zu haben pflegen. Siehe hierzu den Artikel ber Redensarten rund um den Bock. Jedenfalls: Wieso und warum jemand vor oder schlimmstenfalls eben auch in die Hrner eines Bockes getrieben worden sein soll, bleibt offen.

BockshornkleeWeiterhin hat man den Versuch gemacht, die Redewendung unter Zuhilfenahme der Botanik zu erklren. So gibt es z.B. den zumindest regional so bezeichneten (mir auf jeden Fall gnzlich unbekannten) Bockshornklee, dem man Heilkrfte zuschrieb und ihn deswegen sogar anpflanzte. Die Frchte des Bockshornklees erinnern mit etwas Vorstellungskraft nicht nur in ihrer Form an Bockshrner, sondern die ganze Pflanze soll stinken wie ein Bock. Dennoch darf daran gezweifelt werden, dass die Redensart "jemanden ins Bockshorn jagen" tatschlich auf diese Pflanze zurckzufhren ist. So unertrglich kann der Geruch gar nicht sein... (Sollte ich mich in diesem Punkte irren, darf der Heilpflanzenkenner gern eine Duftprobe an die im Impressum genannte Adresse schicken.) Zudem erscheint die Vorstellung, dass jemand dadurch in eine unangenehme Lage gebracht wurde, dass er - aus welchen Grnden auch immer - in ein zufllig vorhandenes Beet oder Feld mit dieser belriechenden Pflanze gejagt wurde, zu geknstelt. Und um dadurch eine Redensart zu begrnden, msste dies schon des fteren vorgekommen sein. Eine Schwalbe macht ja auch noch keinen Sommer. Nein, wirklich berzeugend kann man diese Herleitung nicht nennen.

ParagraphDer dritte Streich: Der Rckgriff auf alte Rechtsbruche, die oft genug mehr als nur kurios anmuten und uns so manche Redewendung beschert haben (bspw. jemandem aufs Dach steigen). So wurde in Bayern der Haberfeldtreiben (haber = lateinisch caper = Ziegenbock, Bock) genannte Brauch gepflegt, einen Missetter in einem Bocksfell (spter etwas gesitteter in einem Hemd) vor ein Rgegericht zu fhren und ihm dort die Leviten zu lesen. In einem solchen Kostm auftreten zu mssen, war mehr als eine vorbergehende Peinlichkeit. (Zur Wirkung von Ehrenstrafen siehe auch jemanden zur Sau machen.) Diese Version wird dadurch gesttzt, dass einige alte Quellen einen Zusammenhang zwischen der Redensart und einer Bestrafung zumindest andeuten.

KreuzEiner geht noch, bei Gott! In Zeiten deutlich ausgeprgterer Religiositt, aber auch des viel lebendigeren Aberglaubens gab es kaum eine Verwnschung, einen Fluch, die/der nicht auf Gott oder Teufel Bezug genommen htte. Ein ganz starkes Motiv war dabei der gttliche Zorn. Schon in der Bibel ereilen die Menschheit die grten Katastrophen, nachdem die Nachfahren Adams und Evas durch ungebhrliches Benehmen wieder einmal den Zorn Gottes erregt hatten. Jemandem den Zorn Gottes an den Hals zu wnschen - das war schon verdammt starker Tobak. Damit aber Gott seinen Zorn nicht auf den Flucher selbst richtete, der es immerhin wagte, den Herrn gotteslsterlicherweise mit seinen Belanglosigkeiten zu behelligen, vermied man es, Gott direkt an- bzw. auszusprechen. Statt dessen griff man auf hnlich klingende Begriffe zurck. Man denke bspw. an Potz Blitz anstatt Gottes Blitz. Seit dem 15. Jahrhundert verwendete man oft Box als Ersatz fr Gott. Von Box Zorn ist es nicht mehr weit zu Bockshorn. Bei dieser Verwandlung knnte auch eine Rolle gespielt haben, dass der Teufel Hrner trgt und das Bockshorn durch diese Anspielung noch einmal deutlich an Zugkraft gewinnt.

Meine Darlegungen knnen in keinster Weise Vollstndigkeit fr sich in Anspruch nehmen. Unter allen greifbaren Erklrungen habe ich lediglich die Rosinen herausgepickt. Schlielich mchte ich Sie nicht mit einem berlangen Artikel ins Bockshorn jagen. Sonst geben Sie letzten Endes noch Fersengeld ...

Beispiele

"Whrend die Pessimisten schon die Gefahr einer Firmenpleite an die Wand malen, wollen sich die Optimisten nicht ins Bockshorn jagen lassen."
"Der Neuzugang glnzt durch gute Technik und lsst sich trotz seiner schmchtigen Statur nur schwer vom Ball trennen und ins Bockshorn jagen."
"Mit seiner den Abbau von Arbeitspltzen androhenden Rede jagte der Manager seine Untergebenen ins Bockshorn."
"Vor allen Dingen wrde ich mich hier nicht ins Bockshorn jagen lassen und ganz einfach mein Ding machen!"
"Viele Opfer von Abmahn-Anwlten lassen sich nicht mehr ins Bockshorn jagen, sondern wehren sich erfolgreich."

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