Redensart / RedewendungJemanden ins Bockshorn jagen / sich nicht ins Bockshorn jagen lassen Bedeutung1) Jemanden in die Enge treiben / einschüchtern / in Bedrängnis bringen; jemanden in Verlegenheit bringen / verblüffen
2) sich nicht einschüchtern / entmutigen / verunsichern lassen; HerkunftDie Redensart jemanden ins Bockshorn jagen erklären zu wollen,
das bedeutet, in die Vollen zu greifen - in die Vollen greifen zu müssen.
Kaum eine andere heute noch so gebräuchliche Redewendung gibt sich hinsichtlich
ihrer Entstehung und ursprünglichen Bedeutung ähnlich rätselhaft. Entsprechend groß ist die Auswahl an Erklärungsversuchen. Sehr wahrscheinlich hatte
man bereits zur Zeit der frühesten literarischen Nachweise der Redewendung
(15./16. Jahrhundert) die ursprüngliche Bedeutung vergessen. Zumindest verliert
keiner der Literaten ein Wort darüber.
So vielgestaltig die Deutungsversuche daherkommen, so vielfältig waren
dereinst auch die sprachlichen Verwendungsmöglichkeiten des Bockshorns.
Während sich nur ins Bockshorn jagen erhalten hat, konnte man
früher die Leute auch ins Bockshorn stoßen, treiben, zwingen, blasen und
dergleichen mehr. Wie Sie sich sicherlich unschwer vorstellen können,
vertieft dieser Mangel an Eindeutigkeit die Sorgenfalten dessen, der die
Redensart erklären will, soll oder muß.
Zunächst einmal - wir fangen möglichst einfach an - kann man versuchen,
die Redensart bis auf den I-Punkt wörtlich zu nehmen. Die wenigsten von
uns ach so zivilisierten Großstädtern werden schon einmal die Gelegenheit
(oder besser: die Verlegenheit) gehabt haben, mit dem Horn bzw. den Hörnern
eines rauflustigen Bockes Bekanntschaft zu machen. Allenfalls aus
Fernsehsendungen a lá "Pleiten, Pech und Pannen" oder "Ups - die Pannenshow"
sind uns solche "Auseinandersetzungen" bekannt. Was der Bock dabei mit
seinem Opfer veranstaltet, kann man ohne Übertreibung mit "umnieten" oder
"über den Haufen rennen" umschreiben. Solcherart Gemeinheit dem Bock als allgemeinen
Wesenszug anzudichten, ihn gewissermaßen zum Sündenbock
zu machen, paßt aber gut zu der schlechten Meinung, die wir seit Jahrhunderten
von Böcken zu haben pflegen. Siehe hierzu den Artikel
über Redensarten rund um den Bock. Jedenfalls: Wieso und warum jemand vor oder schlimmstenfalls eben auch in die Hörner eines Bockes getrieben worden sein soll, bleibt offen.
Weiterhin hat man den Versuch gemacht, die Redewendung unter Zuhilfenahme
der Botanik zu erklären. So gibt es z.B. den zumindest regional so bezeichneten
(mir auf jeden Fall gänzlich unbekannten) Bockshornklee, dem man Heilkräfte
zuschrieb und ihn deswegen sogar anpflanzte. Die Früchte des Bockshornklees
erinnern nicht nur in ihrer Form an Bockshörner (mit einer Prise Phantasie zumindest), sondern die ganze Pflanze
soll stinken wie ein Bock. Dennoch darf daran
gezweifelt werden, daß die Redensart "jemanden ins Bockshorn jagen"
tatsächlich auf diese Pflanze zurückzuführen ist. So unerträglich kann
der Geruch gar nicht sein... (Sollte ich mich in diesem Punkte irren,
darf der Heilpflanzenkenner gern eine Duftprobe an die im Impressum
genannte Adresse schicken.) Zudem erscheint die Vorstellung, daß jemand
dadurch in eine unangenehme Lage gebracht wurde, daß er - aus welchen
Gründen auch immer - in ein zufällig vorhandenes Beet oder Feld mit dieser
übelriechenden Pflanze gejagt wurde, zu gekünstelt. Und um dadurch eine
Redensart zu begründen, müßte dies schon des öfteren vorgekommen sein.
Eine Schwalbe macht ja auch noch keinen Sommer. Nein, wirklich überzeugend
kann man diese Herleitung nicht nennen.
Der dritte Streich: Der Rückgriff auf alte Rechtsbräuche, die oft genug
mehr als nur kurios anmuten und uns so manche Redewendung beschert haben (bspw. jemandem aufs Dach steigen). So wurde in Bayern der Haberfeldtreiben (haber =
lateinisch caper = Ziegenbock, Bock) genannte Brauch gepflegt, einen Missetäter in
einem Bocksfell (später etwas gesitteter in einem Hemd) vor ein Rügegericht
zu führen und ihm dort die Leviten zu lesen.
In einem solchen Kostüm auftreten zu müssen, war mehr als eine vorübergehende
Peinlichkeit. (Zur Wirkung von Ehrenstrafen siehe auch jemanden
zur Sau machen.) Diese Version wird dadurch gestützt, daß einige alte
Quellen einen Zusammenhang zwischen der Redensart und einer Bestrafung
zumindest andeuten.
Einer geht noch, bei Gott! In Zeiten deutlich ausgeprägterer Religiosität, aber auch des viel lebendigeren Aberglaubens gab es kaum eine Verwünschung, einen Fluch, die/der nicht auf Gott oder Teufel Bezug genommen hätte. Ein ganz starkes Motiv war dabei der göttliche Zorn. Schon in der Bibel ereilen die Menschheit die größten Katastrophen, nachdem die Nachfahren Adams und Evas durch ungebührliches
Benehmen wieder einmal den Zorn Gottes erregt hatten. Jemandem den Zorn Gottes an den Hals zu wünschen - das war schon verdammt starker Tobak. Damit aber Gott seinen Zorn nicht auf den Flucher selbst richtete, der es immerhin
wagte, den Herrn gotteslästerlicherweise mit seinen Belanglosigkeiten zu behelligen, vermied man es, Gott direkt an- bzw. auszusprechen. Statt dessen griff man auf ähnlich klingende Begriffe zurück. Man denke bspw. an Potz Blitz anstatt Gottes Blitz. Seit dem 15. Jahrhundert verwendete man oft Box als Ersatz für Gott. Von Box Zorn
ist es nicht mehr weit zu Bockshorn. Bei dieser Verwandlung könnte auch eine Rolle gespielt habem, daß der Teufel Hörner trägt und das Bockshorn durch diese Anspielung noch einmal deutlich an Zugkraft gewinnt.
Meine Darlegungen können in keinster Weise Vollständigkeit für sich in
Anspruch nehmen. Unter allen greifbaren Erklärungen habe ich lediglich
die Rosinen herausgepickt. Schließlich möchte ich Sie nicht mit einem
überlangen Artikel ins Bockshorn jagen. Sonst geben Sie letzten
Endes noch Fersengeld... Beispiele"Während die Pessimisten schon die Gefahr einer Firmenpleite an die Wand malen, lassen sich die Optimisten nicht ins Bockshorn jagen."
"Der Neuzugang glänzt durch gute Technik und läßt sich trotz seiner schmächtigen Statur nur schwer vom Ball trennen und ins Bockshorn jagen."
"Mit seiner den Abbau von Arbeitsplätzen androhenden Rede jagte der Manager seine Untergebenen ins Bockshorn." Abbildung(en) |