jemandem aufs Dach steigen - Redensarten und Redewendungen
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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Franzsisch Englisch jemandem aufs Dach steigen

Bedeutung

jemanden ausschimpfen/schelten/tadeln/zurechtweisen - jemanden in die Schranken weisen, zur Ordnung rufen, Vorwrfe machen - sich bei jemandem energisch beschweren - jemandem grndlich die Meinung sagen

Herkunft

In vielen Fllen - und auch in diesem - mutet die mittelalterliche Rechtspraxis geradezu grotesk an. Ich verspreche Ihnen, geneigter Leser, Sie werden sich an Schildbrger und Ostfriesen erinnert fhlen. Anwesende natrlich ausgenommen!

Beginnen mchte ich trotzdem mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Kennen Sie dessen Artikel 13? Sparen Sie sich das Nachschlagen. In Satz 1 heit es: "Die Wohnung ist unverletzlich."

Die Unverletzlichkeit der Wohnung war bereits im Mittelalter bekannt bzw. anerkannt, obwohl man damals alles andere als zimperlich war. Man denke an Folter als legitimes Mittel der Wahrheitsfindung (als Erpressung oder Zwang zu einer bestimmten Aussage wurde das nicht gesehen) und die mitunter sehr "einfallsreichen" Todesstrafen. Erschien ein Angeklagter nicht vor Gericht und verkroch sich lieber in einem Haus, konnte er nicht einfach so "polizeilich vorgefhrt" werden. Das Dach ber dem Kopf (egal, ob sein eigenes oder ein fremdes) schtzte ihn vor dem Zugriff der Bttel. Nach mittelalterlicher und formal nicht zu widerlegender Logik konnte man dem abhelfen, indem man kurzerhand das Dach abdeckte. Ohne das schtzende Dach durften die Gerichtsdiener den sogenannten Friedlosen auch im Haus ergreifen.

Das Abdecken des Daches war auch als Ehrenstrafe bei unsittlichem Verhalten in der Ehe bekannt. Wer sich bspw. vor Zeugen von seiner Frau schlagen lie, also schon eine aufs Dach bekommen hatte, dem stieg man auch noch auf selbiges. In der thringischen Stadt Blankenburg muss es wohl einige Aufsehen erregende Flle gegeben haben. In der Rechtsordnung aus dem 16. Jahrhundert heisst es fr den Fall, "da ein Mann so weibisch, da er sich von seinem Weibe raufen, schlagen und schelten liee, und solches gebhrlicher Weise nicht eifert oder klagt, [...] mit Gefngni oder sonst willkhrlich gestraft, und ihme hierber das Dach auf seinem Hause abgehoben werden."[1]

Zudem soll es im Rheinland - wo sonst? - Vereinigungen junger Mnner gegeben haben, die zur Fasnacht unter allerlei Mummenschanz Leuten, die ihrer Meinung eine Strafe fr unsittliches Verhalten verdient hatten, aufs Dach stiegen.

Ich gestehe, um der Lesbarkeit willen habe ich den Sachverhalt etwas vereinfacht dargestellt. Mittelalterliche Rechtsprechung und Gesetze sind nicht wirklich verstndlicher als die der heutigen Zeit. Und wenn man dann noch die mannigfachen regionalen oder gar lokalen Unterschiede beachten wollte... Vermutlich mssten Sie Urlaub nehmen, um den Artikel lesen zu knnen. Nun, Sie werden mir ob der Vereinfachungen schon nicht aufs Dach steigen, oder?

Falls Sie auf den Geschmack gekommen sind und noch mehr ber merkwrdige mittelalterliche Rechtsbruche lesen wollen, lege ich Ihnen unter einer Decke stecken und Daumenschrauben anlegen ans Herz.

Zum Thema Dach noch dies: Auf der althergebrachten Gleichsetzung von Dach und (menschlichem) Kopf beruhen Redensarten wie jemandem eine aufs Dach geben und, wenn man derjenige ist, dem das widerfhrt, eine aufs Dach bekommen. Damit ist ein scharfer Tadel gemeint, den man erteilt oder erhlt. Die beiden Ausdrcke knnen aber auch als reichlich schnfrbende Umschreibung fr Handgreiflichkeiten verwendet werden, bei denen die Fuste auf die Augen passen. Und einen Dachschaden hat umgangssprachlich, wer angeblich nicht ganz bei Verstand ist.

1) Allgemeine deutsche Bibliothek, Berlin und Stettin 1777, Bd. 31, S. 131

Beispiele

"Da wrde mir meine Frau aufs Dach steigen."
"Wer den Parlamentariern aufs Dach steigen will, kommt ebenfalls auf seine Kosten: Das Gebude erhlt eine Dachterrasse mit Restaurant."
"Dass sich die Berliner gern gegenseitig aufs Dach steigen, wenn ihnen irgend etwas nicht passt, ist nichts besonderes."
"Schlielich wollen die Bands nicht, dass ihnen die Nachbarn aufs Dach steigen."
"Der stieg seiner Alten aufs Dach, dass der Haussegen nicht nur schief hing, sondern gleich ganz von der Wand gefallen ist."

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Wissenswertes

Ausschnitt des Himalaya

Wer so wtend ist, dass er am liebsten gleich der ganzen Welt aufs Dach steigen wrde, kann bei krperlicher Eignung auch dies. Als Dach der Welt gilt der Himalaya, ein sich ber Nepal, Tibet, Pakistan, China und Indien erstreckendes Gebirge. Im Himalaya befinden sich zehn der vierzehn Berge ber 8000m, die es auf der Erde gibt. Das von Astronauten der Internationalen Raumstation (ISS) geschossene Bild zeigt im roten Kreis den Mount Everest (mit 8848 Metern der hchste Berg der Welt) im Vordergrund und dahinter den Lhotse (8516 m), im grnen Kreis den Makalu (8485 m) und im blauen Kreis den Cho Oyu (8188 m).

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