Redensart/Redewendung1) Jemandem Dampf machen; bei/hinter etwas Dampf machen
2) Unter Dampf stehen
3) Dampf ablassen Bedeutung1) Jemanden bei etwas antreiben - jemandem zur Eile anhalten - jemanden drängen/anspornen - jemanden unter Druck setzen[1]; eine Sache beschleunigen
2) a) Für etwas bereit sein - voller Tatendrang sein - angespannt sein - etwas nicht abwarten können
b) Wütend/zornig/gereizt/genervt/gestreßt sein - von anderen bedrängt/gehetzt/unter Druck gesetzt werden/stehen; Zeitdruck haben
3) Seinen Ärger herauslassen - seine Wut an jemandem/etwas abreagieren - aussprechen, worüber man sich ärgert; sich entspannen - Streß abbauen - sich beruhigen
HerkunftWenn man so will, werden die Redensarten in der technisch bedingten Reihenfolge behandelt. Zuerst muß Dampf gemacht werden, bevor etwas unter Dampf stehen und selbigen wieder ablassen kann.
Noch wörtlich zu verstehen sind die Wendungen in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts. Damals meinte Dampf machen, daß Dampfschiffe
oder Dampflokomotiven fahrbereit oder - allgemeiner formuliert - Dampfmaschinen
und mit solchen betriebene technische Anlagen betriebsbereit gemacht werden.
Dampfmaschinen brauchen deutlich mehr Vorlaufzeit als bspw. Motoren, die
mit Benzin, Strom oder ähnlichem betrieben werden, da durch das Beheizen
des Dampfkessels das darin befindliche Wasser in Wasserdampf umgewandelt
und Druck aufgebaut werden muß. Und allein das notwendige Feuermachen
nimmt eine gewisse Zeit in Anspruch.
Dampf machen geht also notwendig dem unter Dampf stehen
voraus. Diese Mittelposition nimmt die Wendung nicht nur im technischen
Bereich ein, sondern auch im sprachlichen. So lehnt sich die erste Bedeutung
"bereit sein" eher an das vorangehende Dampf machen an, die zweite Bedeutung
"wütend sein" verweist hingegen eher auf Dampf ablassen.
Und selbstverständlich hängt auch Dampf ablassen mit
Dampfmaschinen zusammen. Wird mehr Dampf und somit Druck erzeugt, als
benötigt und in Arbeit umgewandelt wird, kann der Druck im System so hoch
steigen, daß einem auch der dickwandigste Kessel um die Ohren fliegt.
Um das zu vermeiden, gibt es zumeist ein Überdruckventil oder ähnliche
Vorrichtungen, über das/die überschüssiger Dampf abgelassen und der Druck
somit verringert werden kann. Während der industriellen Revolution waren
explodierende Dampfkessel eine häufige Unfallart - nicht selten mit verheerenden Folgen.
Wie würden Sie nach unserem kleinen Ausflug in die Technikgeschichte die Redensart "unter Strom stehen" deuten und herleiten?!
[1] Im deutschsprachigen Standardwerk zum Thema Redensarten, dem "Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten" von Lutz Röhrich,
werden "jemandem Angst machen" und "jemandem einschüchtern" als Bedeutung dieser Redensart geführt. Dagegen sprechen sowohl das Sprachempfinden des Verfassers dieses Artikels als auch die weit überwiegende Zahl der im Internet gefundenen Verwendungen der Redensart. (Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 7. Auflage, Herder Verlag, Freiburg - Basel - Wien 1994, Bd. 1, S. 302)
[2] Beispiel: "Da sich bis zu Mittag kein Lüftchen regte, so ließ der Capitain Dampf machen und nun erst kamen wir den blauen Bergen näher." (Kreyher, F.: Die preußische Expedition nach Ostasien, Hamburg 1863, S. 38) Beispiele1) "Ansonsten bemüht sich der Verein um Spieler, die den Stammspielern in Zukunft etwas mehr Dampf machen."
"In meinen Augen ist sie unfähig und unwillig, eine Schlaftablette, der man erst
einmal ordentlich Dampf machen muß."
2) a) "Doch gerade Menschen, die unter der Woche unter Dampf stehen, tun sich oft schwer damit, ihre freie Zeit zu gestalten."
a + b) "Vor allem der nicht ganz freiwillig zu Hannover 96 gewechselte Frank Fahrenhorst steht vor dem Spiel gegen seinen alten Verein mächtig unter Dampf."
b) "Der Angeklagte brachte zu seiner Rechtfertigung vor, er habe mächtig unter Dampf gestanden und nicht mehr klar denken können."
3) "Ein Kleinkind hatte mit seinem zwanzigminütigem Getobe und
Gequengel die Bahnfahrt zur Hölle gemacht, und ich mußte erst einmal Dampf
ablassen."
"Wer in der Mittagspause Dampf ablassen will, kann das zukünftig in der firmeneigenen Sporthalle." Zusätzliche informationen |