jemandem einen Denkzettel verpassen/geben - Redensarten und Redewendungen
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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Franzsisch Englisch jemandem einen Denkzettel verpassen/geben

Bedeutung

1) jemanden strafen - jemanden deutlich warnen - mit jemandem abrechnen - sich rchen - Vergeltung ben - jemandem eine Lektion erteilen
2) jemanden krperlich sprbar an etwas erinnern - jemanden zur Erinnerung an etwas verprgeln

Herkunft

DenkzettelIm spten Mittelalter stellten Gerichte Vorladungen und Klagen wenigstens teilweise schon in Schriftform zu. Derartige Gerichtsschreiben wurden in einigen Regionen "Gedenkzettel" genannt. Oder, wie das Deutsche Wrterbuch der Gebrder Grimm meint, ein Denkzettel ist "an einigen orten in den gerichten ein zettel, auf welchem der angesetzte termin bekannt gemacht wird." Spter bezeichnete man auch auerhalb des Gerichtswesens schriftliche Mitteilungen bzw. Schriftstcke als Denkzettel. So whlte Luther diesen Begriff fr seine Bibelbersetzung, um bspw. einen alten jdischen Brauch, einen mit bestimmten Bibelsprchen beschriebenen Streifen Pergament zur Erinnerung mit sich zu fhren, in verstndlichem Deutsch wiedergeben zu knnen.[1] Mit einer wrtlichen bersetzung htte niemand etwas anfangen knnen. Derartige Probleme musste Luther oft bewltigen. Und gerade diese seine Bemhungen, altertmliche und schon den Menschen des 16. Jahrhunderts vllig unverstndliche Bezeichnungen durch zeitgeme und anschauliche zu ersetzen bzw. zu bersetzen, prgten viele Redensarten. Als Beispiele seien sein Scherflein beitragen und sein Licht nicht unter den Scheffel stellen genannt.

Die Denkzettel sollen auch Verwendung in den in katholischen Gegenden weit verbreiteten Jesuitenschulen gefunden haben. Schler, die nicht spurten, bekamen ihre Fehler auf einem Denkzettel aufgelistet, den sie stets bei sich zu tragen hatten. Allerdings blieb es oft nicht bei einer schriftlichen Ermahnung - zusammen mit dem Denkzettel gab es gleich noch eine Tracht Prgel oder eine hnlich einprgsame Strafe.

Anders ausgedrckt: Beim Denkzettel handelte es sich frher tatschlich um eine Merkhilfe (man knnte auch Merkblatt sagen) fr alle, die zu ihrem Gedchtnis nicht das vollste Vertrauen hatten oder auf deren Erinnerungsvermgen es andere lieber nicht ankommen lassen wollten. Und da Papier bekanntlich sehr geduldig ist, wurde der ursprnglich papierene Denkzettel im Laufe der Zeit immer handfester. Als Redewendung taucht jemandem einen Denkzettel verpassen/geben bereits im 18. Jahrhundert auf.

Noch ein Tipp fr alle umweltbewussten Gedchtnisknstler: Weniger Papier als Denkzettel verbrauchen Eselsbrcken.

[1] siehe NT, Matth., 23, 5; NT, 5. Mose, 6, 6 ff. oder auch AT, Mal., 3, 16

Beispiele

"Schon frher haben die Whler in Frankreich Volksabstimmungen dazu genutzt, nicht ber das eigentliche Thema abzustimmen, sondern der Regierung einen Denkzettel zu verpassen."
"Fr diese Beleidigung wollte er ihm einen Denkzettel verpassen."
"Der Knabe leugne zwar auf das hartnckigste, und man knne ihn deswegen nicht frmlich bestrafen, wolle ihm aber als einem Vagabunden einen Denkzettel geben..." (aus "Wilhelm Meisters Lehrjahre" von Goethe)
"Ich werde andere Mittel finden, ihr einen Denkzettel zu geben."
"Ich glaube, diesen Denkzettel wird sie ihr Leben lang nicht vergessen."

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