Fersengeld geben - Redensarten und Redewendungen
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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Franzsisch Englisch Fersengeld geben

Bedeutung

fliehen/wegrennen/abhauen/davonlaufen/desertieren - sich verdrcken - sich davonmachen - das Weite suchen; gewissermaen die Beine in die Hand nehmen oder zusehen, da man Land gewinnt

Herkunft

Diese Redensart lsst sich nicht mit letzter Gewissheit herleiten, weil es mehrere Mglichkeiten hierfr gibt. Gemeinsam ist aber allen, dass sie etwas mit dem Zahlen von Geld fr das Ergreifen der Flucht - wrtlich oder im bertragenen Sinne - zu tun haben.

So gab es zum Beispiel im Sachsenspiegel (bedeutendste deutsche Gesetzessammlung des Mittelalters, entstanden in der ersten Hlfte des 13. Jahrhunderts) einen Passus, der besagte, dass Frauen der Wenden (ein Volksstamm mit slawischen Wurzeln) ihre Mnner verlassen durften, wenn sie ihnen einen entsprechenden finanziellen Ausgleich zahlten.

In im 14. Jahrhundert gebruchlichem Mittelniederdeutsch liest sich das in etwa so: "sie muten irme herren die versne penninge geven, dat sint dri schillinge, unde in summen steden mer, als na des landes wonheit"

Dabei bezog sich "versne penninge" nicht auf die Ferse, den hinteren Teil des Fues, sondern eher auf eine Frse, also eine Kuh, die noch kein Kalb bekommen hatte. Die scheidungswillige Frau hatte demnach mindestens den Gegenwert einer solchen Kuh als Entschdigung fr ihre "Flucht" zu zahlen.

Eine zweite Variante steht eher im Zusammenhang mit der heutigen Bedeutung des Fersengeldes (was freilich hinsichtlich seiner Herkunft nichts beweist). So war es bei einigen Stmmen (z.B. den Alemannen) blich, Feiglinge, die whrend einer Schlacht das Weite gesucht hatten, mit einem Strafgeld zu belegen. Hierbei knnte schon eher die Ferse als Teil des Fues gemeint sein, weil man einen Flchtenden im Normalfall nur noch von hinten sieht.

Beide berlieferungen sind fr sich historisch verbrgt. Unklar ist lediglich, aus welcher der Volksmund die bekannte Redensart abgeleitet hat.

Beispiele

"Viele lagen schon aus Hunger danieder und mussten gleichwohl alle Tage etliche Male Fersengeld geben und sich verstecken."
"Aus dieser Stellung kann sich die Katze sekundenschnell entscheiden, angreifen oder Fersengeld geben."
"Wenn sie jetzt Fersengeld geben, machen sie sich strafbar und mssen mit einer Geldstrafe in erheblicher Hhe oder gar mit einer Freiheitsstrafe rechnen.
"Trotzdem heit es im Ernstfall, sich nicht provozieren lassen und lieber Fersengeld geben."
"Vorflle wie diese passieren zwar, seit es Sport gibt, auf Kreisliga-Pltzen zum Beispiel hat schon so mancher Referee nach dem Schlusspfiff Fersengeld geben mssen, aber Gewalt ohne Ball auf dem Rasen in den hchsten Klassen hatte Seltenheitswert."

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Wissenswertes

Das Bild zeigt eine Seite einer Sachsenspiegel-Ausgabe aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.

Da im Mittelalter der grte Teil der Bevlkerung weder schreiben noch lesen konnte (selbst die Adligen nicht), wurden die Gesetze nicht nur schriftlich, sondern parallel in auch fr Leseunkundige verstndlichen Bildern wiedergegeben. Dabei handelte es sich nicht nur um "einfache" Illustrationen zum Text, sondern um eine durchdachte und eigenstndige Bildersprache. Gesten, Kleidung, Farben - alles hatte eine tiefere Bedeutung, die sich der zeitgenssische "Leser" allerdings ungleich leichter erschlieen konnte als der heutige Betrachter.

brigens sollte man sich von der Bezeichnung Sachsenspiegel nicht tuschen lassen! Sein Geltungs- und Einflussbereich beschrnkte sich nicht auf die Grenzen Sachsens, sondern erstreckte sich auch auf andere Frstentmer und sogar bis weit nach Osteuropa. Bspw. in Preuen besa er bis zur Einfhrung des Allgemeinen Landrechts im Jahr 1794 Gltigkeit.

Eine Seite des Sachsenspiegels
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