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Redensart / Redewendung

Für den Alten Fritz(en) sein / etwas für den Alten Fritz(en) machen

Bedeutung

Nutzlos, vergeblich, umsonst, sinnlos sein; sich vergeblich, ohne Aussicht auf Erfolg mühen

Hintergrund

Friedrich Wilhelm I.

Bild: portrait.kaar.at

"Geiz ist geil" lautete sinngemäß wohl der Grundsatz des preußischen Kurfürsten und Königs Friedrich Wilhelm I. (1688 - 1740), im Volksmund Alter Fritz genannt.. Er brach mit dem luxuriösen höfischen Alltag, leitete zahlreiche Reformen ein und baute Preußen zu einem straff geführten Militärstaat um (u.a. Verdopplung des stehenden Heeres), was ihm den Spitznamen "Soldatenkönig" einbrachte, obwohl er zeitlebens Kriegen aus dem Weg zu gehen versuchte, um seine Ressourcen zu schonen. Er galt als sparsam bis geizig. So befahl er z.B. zur Förderung Berlins und der Wirtschaft reichen Bürgern kurzerhand, Häuser bauen zu lassen. Sparsamkeit, das Bemühen um Begrenzung der Ausgaben bei gleichzeitig gesteigerten Einnahmen (z.B. Schutzzölle zur Förderung der einheimischen Wirtschaft ---> Merkantilismus) und strenge Vermeidung von Schulden kannten neben der Armee allgemein nur eine Ausnahme: sein Garderegiment, die Langen Kerls. Besonders prachtvolle "Exemplare" durften ein Vermögen kosten und wurden in ganz Europa rekrutiert. (Hierzu siehe auch Jemanden den Laufpaß geben.)

Obwohl sich Friedrich Wilhelm in mancherlei Hinsicht für seine Untertanen einsetzte (u.a versuchte Abschaffung der Leibeigenschaft, Einführung des Allgemeinen Landrechts), lebten diese wahrlich nicht im Schlaraffenland und erwirtschafteten vieles bloß für den knauserigen Alten Fritzen, der stets Geld für seine Soldaten brauchte.

Gegen Friedrich Wilhelm I. als (indirekter) Urheber der Redensart spricht allerdings der banale Umstand, daß dieser Fritz gar nicht alt wurde. An einer Erbkrankheit leidend, starb er bereits mit 51 Jahren. Zudem ist sein Sohn, der preußische König Friedrich II. gemeinhin als Alter Fritz bekannt, nicht er, der Soldatenkönig.

Wenigstens steht er auf jeden Fall für eine andere Redensart Pate: Seinen Friedrich Wilhelm unter etwas setzen.

König Friedrich II.

Bild: portrait.kaar.at

Eine andere Variante verlegt den Ursprung zwar ins sächsische Leipzig. Trotzdem spielt auch hier ein preußischer Herrscher die Hauptrolle - in diesem Fall Friedrich II. (Friedrich der Große, 1712 - 1786), Sohn des oben genannten Friedrich Wilhelm I. und eigentlich auch allgemein als Alter Fritz bekannt. Von Anfang bis Ende des Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) um die Vorherrschaft in Mitteleuropa war Leipzig von preußischen Truppen besetzt. Mehr noch, die völlig überraschende Besetzung der Stadt ohne Kriegserklärung bildete sogar der Auftakt dieses Krieges, den Preußen zwar nicht gewann, in dem es aber immerhin seine zuvor von Österreich errungenen Gebiete (Schlesien) gegen eine Übermacht behaupten konnte. Getreu seinem berühmt gewordenen Ausspruch, daß das wirtschaftlich vermögende Sachsen einem alten Mehlsack gleiche, der immer wieder stäuben würde, wenn man nur ordentlich draufschlage, verlangte König Friedrich II. Jahr für Jahr horrende Summen von der Stadt, um seine Kriegskasse aufzufüllen. Unter den resignierten Bürgern Leipzigs soll daraufhin der Spruch aufgekommen sein, daß alles Erwirtschaftete doch nur für den Alten Fritzen sei.

Beispiele

"Mein Chef meinte nur, er würde das doch nicht für den Alten Fritzen machen."
"Die intensive Vorbereitung ist sicher nicht für den Alten Fritz."

Abbildung(en)

Kartoffelpflanze in Blüte

Bild: PixelQuelle

Zu den zahlreichen Geschichten, Legenden, Anekdoten rund um Friedrich den Großen gehört seine Vorliebe für die Kartoffel. Obwohl schon im 16. Jahrhundert aus Südamerika nach Europa mitgebracht, wurde die Kartoffel lange nicht als Nahrungsmittel genutzt. Viel mehr fristete die Pflanze ein Dasein als Topfpflanze interessierter Gelehrter und botanischer Exot wegen ihrer hübschen (?) Blüten. Die Kartoffel als Zierpflanze... Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts kam man in Europa dahinter, daß die unterirdisch wachsenden Knollen ein hervorragendes Nahrungsmittel abgeben. Kein aufwändiges Dreschen und Mahlen wie beim Getreide. In Preußen machte es sich Friedrich II. zur Aufgabe, für Verbreitung dieser als nützlich erkannten Pflanze zu sorgen. Er beließ es freilich nicht bei Verordnungen, sondern setzte angeblich auch auf subtilere Mittel. So soll er die Soldaten, die seine Testpflanzungen bei Berlin bewachten, angewiesen haben, ein, nein, besser beide Augen zuzudrücken, sollten Bauern aus der Umgebung auf die Idee kommen, sich heimlich ein paar Kartoffeln zu beschaffen, um ihre Neugier zu befriedigen und sich eine Meinung zu bilden.

Die Folgen der europaweiten Bemühungen um die Verbreitung der Knollen (Friedrich war ja nicht der erste und einzige mit diesem Ziel) sind bekannt. Die Kartoffel stellt mittlerweile eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel dar (trotz etwas nachlassender Bedeutung in den letzten Jahrzehnten). Und das nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Teilen der Welt, da die Europäer die Pflanze in allen Kolonien verbreiteten. So ist es eigentlich nicht verwunderlich, daß China mit seiner Riesenbevölkerung Kartoffelproduzent Nummer 1 ist, obwohl man bei Asien sicherlich eher oder gar ausschließlich an Reis denkt. Ca. ein Fünftel der jedes jahr weltweit produzierten über 300 Millionen Tonnen Kartoffeln wird in China geerntet. Und auch Indien produziert deutlich mehr Kartoffeln als Deutschand.

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