Redensart/RedewendungKeinen (roten oder lumpigen) Heller wert sein BedeutungVon äußerst geringem Wert sein
HerkunftUrsprünglich war ein Heller (früher: Haller oder auch Häller) eine Silbermünze,
die erstmals im ausgehenden 12. Jahrhundert unter Kaiser Friedrich I. in der Reichsmünzstätte Hall
(Schwäbisch Hall) geprägt wurde. Die Münze setzte sich recht schnell
im süd- und westdeutschen Raum durch und verdrängte die einheimischen
Pfennig-Prägungen, weil sie im Wert recht überschaubar und somit sehr
gut für den täglichen Gebrauch geeignet war. Die schwereren Silberpfennige
überstiegen oft den Wert der zu kaufenden Ware und waren deshalb für den
Kleinhandel nur bedingt geeignet. Der Erfolg und die Vebreitung des Hellers
ermutigten zur Nachahmung, wobei jedoch die Stücke weniger Silber beinhalteten
als das Original, um den eigenen Gewinn aus der Münzprägung zu vergrößern.
Im 17. Jahrhundert bestand die Münze nur noch aus Kupfer (dieses Metall
schimmert bekanntlich rötlich) und war im Wert so gesunken,
daß man damit nicht mehr wirklich viel anfangen, also kaufen konnte.
In Österreich liefen die Heller noch bis zur Einführung der Schillinge
und Groschen 1925 um. Aber auch in den süddeutschen Ländern hielten sie sich bis in die
zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Im Zusammenhang mit dem Heller gibt es noch weitere, inhaltlich ähnlich gelagerte Wendungen, die auf redensarten.net nicht extra erläutert werden, weil die Erklärung immer gleich lauten würde. Deshalb sollen sie wenigstens
an dieser Stelle kurz genannt werden:
+ bis auf den letzten Heller / auf Heller und Pfennig = vollständig, bis auf den letzten Rest
+ keinen (roten oder lumpigen) Heller mehr besitzen / in der Tasche haben = völlig verarmt, mittellos sein
+ auf etwas oder jemanden keinen (roten oder lumpgen) Heller setzen /
geben = einer Sache oder jemandem keine Chance geben, für etwas oder jemanden schwarzsehen. Beispiele"Bei diesem Anblick kommt der leise Verdacht auf, daß das ganze keinen Heller wert sein kann."
"Alles Lernen ist keinen Heller wert, wenn Mut und Freude dabei verloren gehen." (nach Pestalozzi, dem Vorkämpfer für Bildung und Pädagogik)
"Die späte Erkenntnis: Ein Opel, der nicht fährt, ist keinen Heller wert."
"Sein Oberrock ist keinen roten Heller wert, das möcht’ ich schwören,
und schäbig und schmutzig ist er obendrein!"
"Der Mann aber hatte nun sein bischen übriges Geld ausgegeben, und hatte keinen roten Heller mehr in der Tasche.
"Wo ich hintrat, hatten die Leute eine große Ehrerbietung vor mir, obgleich sie schon alle wußten, daß ich keinen Heller in der Tasche hatte." (aus "Aus dem Leben eines Taugenichts" von Josef Freiherr von Eichendorff) Abbildung(en)Vergrößerte Abbildung eines kupfernen Hellers des Heiligen Römischen
Reiches Deutscher Nation
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