ausgehen wie das Hornberger Schieen - Redensarten und Redewendungen
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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Franzsisch Englisch ausgehen wie das Hornberger Schieen

Bedeutung

klglich enden - zu keinem Erfolg fhren - nach/trotz aufwndiger Vorbereitung enttuschend enden - nach/trotz umfangreichen/r Vorbereitungen nicht das gewnschte Ergebnis bringen - trotz lautstarker Ankndigung ohne Ergebnis enden - sich in Nichts auflsen

Herkunft

Das kleine Stdtchen Hornberg im Schwarzwald hat es zu einiger Berhmtheit gebracht. Das Hornberger Schieen war zwar ein Fehlschlag, eine Peinlichkeit, deren Kunde sich weit im Lande verbreitete und ber die Hinz und Kunz - also Alle - lachten. Und doch wren viele, viele andere Kleinstdter froh, wre ihr Heimatort Schauplatz eines solches Ereignisses gewesen, aus dem sich im Ringen um Touristen gut Kapital schlagen lsst. So wohlwollend haben die Hornberger die Sache wohl nicht immer beurteilt. In einem alten Buch mit badischen Sagen heit es: "Die Hornberger machen sauere Gesichter, wenn man sie damit neckt."[1]

Um den genauen Verlauf des Hornberger Schieens ranken sich mehrere Sagen. Eine davon besagt, dass dereinst die Brger des Stdtchens beschlossen htten, ein groes Preisschieen zu veranstalten, wohl um die Bekanntheit des recht unbedeutenden Hornbergs zu heben. Mit viel Einsatz und Vorfreude traf man alle notwendigen Vorbereitungen, pries das bevorstehende groe Ereignis in weitem Umkreis vollmundig an. Am Festtag war auch alles bestens vorbereitet - nur an Schiepulver hatte keiner gedacht. Und so kam es gar nicht erst zum Hornberger Schieen, das spter solche Berhmtheit erlangte.[2]

Weil so dusselig eigentlich keiner sein kann und Preisschtzen doch eigene Waffen und eigenes Pulver zur Hand haben sollten, gibt es eine Geschichte, in der sich die Hornberger zwar auch etwas ungeschickt anstellen, aber dafr das Herz am rechten Fleck haben. Diese Erzhlung wird - nicht wirklich verwunderlich - auch von den rund 4.300 Hornbergern bevorzugt.[3]

Als sich anno domini 1564 der Herzog von Wrttemberg bei den Hornbergern ankndigte, war die Freude gro. Welch hoher Besuch! Welche Ehre! Selbstverstndlich konnten und wollten die Hornberger den Landesvater nicht empfangen wie einen Klinkenputzer und sannen auf Mittel und Wege, ihrer Freude und Ehrerbietung gebhrend Ausdruck zu verleihen. Salutschsse aus den alten Kanonen sollten es sein! Alsbald waren die alten Rohre geputzt und in Position gebracht und Pulver bereitgestellt. Am Tag der Tage hielt schon von frhester Stunde an ein Wachposten auf dem Schlossturm Ausschau nach dem Tross der Herzogs. Doch der lie auf sich warten. Also verste man sich die Wartezeit mit dem einen und anderen Becher voll schngeistiger Getrnke. Endlich tauchten am Horizont Kutschen und Reiter auf. Und so wurde geballert, was die Rohre und Pulvervorrte hergaben. Leider stellte sich heraus, dass der Herzog lediglich sein Gefolge vorausgeschickt hatte. Der Landesherr selbst traf etwas spter ein - doch da hatte sich alles Schiepulver bereits in Rauch, Lrm und Asche aufgelst. Die etwas verlegenen Hornberger ersetzten das fehlende Ballern durch um so lauteres Brllen.

Nach einer hnlichen berlieferung galt das Hornberger Schieen nicht dem Gefolge des Herzogs, sondern einem Viehhirten mit seiner Herde, die mchtig Staub aufgewirbelt hatte. Anscheinend war das Sehvermgen des durstigen Wachpostens zu dieser Stunde bereits etwas getrbt.

Andere Quellen machen keinen schon doppelt sehenden Wachposten fr die Schlappe verantwortlich, sondern die lange Zeit des Wartens vor den Toren der Stadt, die zum Verkosten des teuren, fr den Herzog angeschafften Weines und zum Probeschieen genutzt wurde, bis Wein- und Pulverfass leer, die vornehmen Brger aber voll waren und sich vorm Herzog bis auf die Knochen blamierten.[4]

Und noch eine Legende sei kurz erzhlt. Demnach gerieten 1519 die Hornberger und die Villinger aneinander. Um die tausend bewaffnete Brger aus Villingen zogen vor Hornberg auf, um die bergabe der Stadt zu erzwingen. Doch ein Teil der Angegriffenen wollte nicht ohne weiteres klein beigeben und nutzte die Kanonen im Schloss fr eine wilde und vllig planlose Rumballerei. Doch wo schossen sie hin? berall hin, nur nicht auf den Feind. Der brauchte nur in aller Ruhe abwarten, bis den Hornberger Recken Pulver und Kugeln ausgingen und sie entnervt aufgaben.

[1] Schnezler, August: Badisches Sagenbuch, Verlag Creuzbauer und Kasper, Karlsruhe 1846, Bd. 1, S.485
[2] So und hnlich bspw. in: Richter, Albert: Deutsche Redensarten, Verlag R. Richter, Leipzig 1893, S. 12
[3] Vgl. die Darstellung der Ereignisse auf der Website der Stadt Hornberg
[4] So u.a.: Brauer, Eduard: Badische Sagenbilder in Lied und Reim, Braunsche Hofbuchhandlung, Karlsruhe 1858, S. 42 f.

Beispiele

"Das Spektakel endete hnlich wie weiland das Hornberger Schieen."
"Doch der Streit um Patientenverfgungen droht auszugehen wie das Hornberger Schieen."
"Dass die Verhandlungen ausgingen wie das Hornberger Schieen, verblffte eigentlich niemanden."
"Daher wird auch dieser Vorsto des Vereins Deutsche Sprache wieder ausgehen wie das Hornberger Schieen."
"Es bedarf wohl keiner besonderen Erwhnung mehr, dass das Ergebnis das berhmte Hornberger Schieen in den Schatten stellte."

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Wissenswertes

Bild: Die Hornberger beim Schieen

Das Hornberger Schieen auf einer alten Postkarte (um 1900). Das Sprchlein in etwas ungewohnter altdeutscher Schrift lautet:

Jedwedes Kind auf der weiten Erd
vom Hornberger Schiessen schon hat gehrt:
Das Pulver ging aus zur schnsten Stund,
so dass man nicht mehr schiessen kunnt.

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