auf den Hund (ge)kommen (sein) - Redensarten und Redewendungen
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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Franzsisch Englisch auf den Hund kommen bzw. auf den Hund gekommen sein

Bedeutung

1) finanziell oder in anderer Hinsicht arm dran/abgebrannt/runtergewirtschaftet/heruntergekommen sein - verelenden, verarmen, verkommen, verwahrlosen
2) seine Vorliebe fr Hunde entdeckt haben - sich einen Hund angeschafft haben

Herkunft

CollieSeit Jahrtausenden ist der Hund unser treuer Begleiter. So nimmt es nicht Wunder, dass wir auch sprachlich auf den Hund gekommen sind und Bello in unglaublich vielen Zusammensetzungen und Redensarten auftaucht. Ob jemand hundsgemein oder hundemde ist, ein Hundeleben fhrt oder bei Hundewetter unterwegs ist oder gar vor die Hunde geht. Erstaunlich mutet eher an, dass der Hund dabei oft in so schlechtem Licht erscheint, obwohl er uns doch so gute Dienste leistet. Zum Verstndnis muss man sich vor Augen halten, dass es frher verhtschelte und um ihrer selbst willen geliebte Haustiere nicht gab, sondern im Normalfall der Nutzwert eines Tieres darber entschied, wie der Besitzer blicherweise mit ihm umsprang. Und der Hund konnte bewachen, hten, Wild aufstbern usw., wie er wollte, aus Pferd, Ochse und auch Esel konnte der Mensch doch mehr Arbeitskraft und Nutzen ziehen. Zudem lsst sich die Verachtung des Hundes auf mehrere Bibelstellen zurckfhren.

TerrierAus der Vielzahl sei vorerst die Redewendung "auf den Hund kommen" herausgegriffen, deren Herkunft nicht vollkommen sicher erklrt werden kann. Aber gerade deswegen lassen sich viele Mglichkeiten der Deutung anbringen, die alle mehr oder minder einleuchtend erscheinen. Ungewissheit beflgelt bekanntlich die menschliche Phantasie.

Die folgende Erklrung ist die am hufigsten anzutreffende (nicht zuletzt im Internet). Man knnte auch sagen, sie sei bekannt wie ein bunter Hund.

WindhundAls es noch keine Banken im heutigen Sinn gab, war es gang und gbe, sein Vermgen in massiven, mit vielfltigen, zum Teil sogar versteckten Schliemechanismen ausgestatteten Holztruhen aufzubewahren. Diese waren im Inneren, also auch auf dem Boden, mit figrlichen Darstellungen (z.B. eben Hunde) zum Schutz vor Unglck oder auch zur Mahnung verziert. War aber allen guten Wnschen und Vorsätzen zum Trotz das Vermgen aufgebraucht, wurde der Truhenboden wieder sichtbar und man war auf den Hund gekommen.

MastiffKlingt doch gut, oder? Was spricht gegen diese Herleitung? Ganz einfach die Gre einer Truhe. Was schtzen Sie, wie viele Geldstcke man besitzen muss, um fr deren Aufbewahrung ein so groes Behltnis zu bentigen? 10.000? 100.000? Noch mehr? Auf jeden Fall derart viele, dass wohl nur ganz herausragende Personen ber das erforderliche Bargeld verfgten. Jakob Fugger htte ganz bestimmt die eine oder andere Truhe mit Gold und Silber fllen knnen.

Deutsche DoggeBlickt man nicht ausschlielich aufs Geld, sondern lsst auch andere Wertgegenstnde gelten (bspw. das ererbte Silberbesteck, wichtige Urkunden u..), wird schon eher ein Schuh daraus. Dann war auch der vermgende Kaufmann oder Handwerksmeister in der Lage, eine Truhe zu fllen. Oder man ersetzt die Geldtruhe durch die ungleich kleinere Geldkassette oder Schatulle, auf deren Boden vor allem im sddeutschen Raum oft ein bissiger Hund als "Schutzgeist" abgebildet gewesen sein soll.

NeufundlnderErklren lsst sich die Redewendung weiterhin mit der Bedeutung des Hundes als Zugtier. Hndler, Hausierer, arme Bauern oder wer sonst etwas zu ziehen hatte, sich aber keine Pferde, keinen Ochsen oder wenigstens Maultiere (mehr) leisten konnte, spannte einen Hund vor. Ein weiterer sozialer/wirtschaftlicher Abstieg war nur noch mglich, wenn man sich selbst vor den Karren spannen musste.[1][2] Hundegespanne prgten so sehr das Alltagsbild, dass sie im 19. und auch noch im 20. Jahrhundert sogar Gegenstand polizeilicher Verordnungen waren, die vor allem sicherstellen sollten, dass die Tiere nicht zu sehr geschunden wurden.

Milchfrau mit Hundegespann

Eine Milchfrau mit Hundespann auf einer Postkarte aus dem Jahr 1915. Was der Polizist wohl zu beanstanden hat?

BernhardinerOder wie wre es hiermit: Im Bergbau hieen die Frderwagen Hund. Ein Bergmann, der sich etwas zu Schulden kommen lassen hatte, musste als Strafe den Hund ziehen - und verdiente weniger Geld. Auch hier steht die Redewendung wieder fr einen wirtschaftlichen und/oder sozialen Abstieg.[3] Allerdings wurden fr gewhnlich die Lehrlinge zum Ziehen der Wagen verdonnert und dann Hundejungen genannt. Zudem verwirft schon das Deutsche Bergwrterbuch aus dem Jahr 1871 diese Erklrung als wohl kaum zutreffend.

FoxterrierAls mittelalterliche Form der Strafe wird in alten Quellen genannt, dass der Missetter in aller ffentlichkeit einen Hund "spazieren" tragen musste, was seiner Ehre sehr abtrglich war. Dabei wurde diese Strafe insbesondere auf adlige Verurteilte angewendet. Die Quellen nennen Landfriedensbruch als ein Vergehen, das so geahndet werden konnte. Das Hundetragen war jedoch nicht selten nur der erste Teil der Bestrafung. Der zweite Teil hatte weiterreichende Folgen: Der Raufbold wurde hingerichtet. Die grte europische Enzyklopdie des 18. Jahrhunderts, der Zedler, erlutert diese etwas merkwrdig anmutende Strafe wie folgt:

"... warum die vornehmen Standes-Personen in alten Zeiten zur Straffe Hunde tragen mssen, nemlich dadurch anzuzeigen, da derjenige, so treu- und friedbrchig worden, rger als ein Hund gehandelt, denn dieser seinem Herrn getreuer, als ein solcher Friedensstrer, ..."[4]

FuchshundDas Deutsche Wrterbuch (33 Bnde), 1838 von den Gebrdern Grimm in Angriff genommen und erst reichlich 120 Jahre spter vollendet (natrlich nicht von Jacob und Wilhelm), nennt diese Herleitung die wahrscheinlichste. Allerdings schneiden hier die Hunde deutlich schlechter ab als im Zedler, da darauf angespielt wird, dass der Tter nicht mehr wert sei als ein Hund.

DobermannpinscherAm "abgedrehtesten" klingt zweifellos die Behauptung, auf den Hund gekommen sein sei auf vereinsamte Menschen zurckzufhren, denen ein Hund den fehlenden Lebenspartner ersetzte - und das in jeder Hinsicht ...

Alter Schwede! Jetzt bin ich in dem Bemhen, die Redewendung einigermaen umfassend zu ergrnden, vom Hundertsten ins Tausendste gekommen und habe fast das Gefhl, mich fr die Lnge des Artikels entschuldigen zu mssen. Aber haben Sie bis hierher aufmerksam und interessiert gelesen, habe ich ganz gewiss keine Perlen vor die Sue geworfen.

[1] In diese Richtung weisen auch alte Redensarten/Sprichwrter wie "Ab Equo ad Asinum" - vom Pferd auf den Esel (bspw. in: Seybold, Johann Georg: Viridarium Selectissimis Paroemiarum & Sententiarum Latino-Germanicorum flosculis amoenissimum, Nrnberg 1677, S. 1)
[2] Vgl. Schrader, Herman: Der Bilderschmuck der deutschen Sprache in Tausenden volkstmlicher Redensarten, 7. Auflage, Verlag Emil Felber, Berlin 1912, S.160
[3] Vgl. Schrader, Herman: Der Bilderschmuck der deutschen Sprache in Tausenden volkstmlicher Redensarten, 7. Auflage, Verlag Emil Felber, Berlin 1912, S. 159
[4] Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollstndiges Universallexicon aller Wissenschafften und Knste, Halle und Leipzig 1732 - 1754, Bd. 13, Spalte 1192 ff.

Beispiele

"Wen wundert's da, dass unsere Bildungspolitik auf den Hund gekommen ist?"
"Nicht etwa, dass ich vllig auf den Hund gekommen wre, obwohl das strmische und graue Herbstwetter mir reichlich zusetzt."
"Auf sehr verschiedene Weise kann der Mensch auf den Hund kommen; zum Beispiel durch das Finanzamt, durch Verschwendung, Trunksucht, Faulheit oder Fehlspekulation an der Brse."
"Schon lngst ist die Hauptstadt wegen ihrer Verschwendung auf den Hund gekommen und bettelt um Staatshilfe."
"Wie seid ihr auf den Hund gekommen?"

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Wissenswertes

Mittelalterliche Geldtruhe aus der alten, 1749 abgebrannten Barchfelder Kirche (Wartburgkreis). An der Vorderseite lassen sich vier Schliemglichkeiten erkennen. Auf der linken Seite befindet sich ein Tragegriff (rechts gibt es ein Gegenstck), um im Notfall - wie einem Brand eben - die Wertsachen schnell in Sicherheit bringen zu knnen.

Mittelalterliche Geldtruhe

Verwendung des Fotos mit freundlicher Genehmigung von Herrn Helge Fibich. Wer sich fr Geschichte und Ausflugsziele des Wartburgkreises interessiert, sollte sich dessen Website keinesfalls durch die Lappen gehen lassen.

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