vom Hundertsten ins Tausendste kommen - Redensarten und Redewendungen
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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Franzsisch Englisch vom Hundertsten ins Tausendste kommen

Bedeutung

abschweifen - sich beim Erzhlen nicht kurz fassen knnen - unntige Einzelheiten mitteilen; ursprnglich: Verwirrung stiften - durcheinanderkommen

Herkunft

Wie Sie womglich bereits ganz richtig vermutet haben, liegen die Ursprnge dieser Redensart in der Mathematik. Zu der Zeit, in der man noch nicht zum Taschenrechner greifen konnte und sich noch nicht einmal das Ziffernrechnen nach Adam Ries durchgesetzt hatte, musste man sich anderer Hilfsmittel bedienen. Dies waren ab dem Mittelalter Rechenbretter oder gar ~tische und Rechentcher, die - etwas schwer zu erklren - durch senkrechte Linien in mindestens drei Felder eingeteilt waren, zwei oder mehr fr die Mengen, die addiert, subtrahiert, multipliziert oder dividiert werden sollten, und rechts ein Feld fr das Ergebnis. Darber hinaus symbolisierten waagerechte Linien die verschiedenen Dezimalwerte - also Einer, Zehner, Hunderter, Tausender usw.. Der Freiraum zwischen den waagerechten Linien war den Fnfern, Fnfzigern, Fnfhunderten usw. vorbehalten. Als Rechenmittel benutzte man meist sogenannte Rechenpfennige. Nrnberg war eine der Hochburgen fr die Herstellung solcher "Mnzen". Verrutschte man beim Rechnen in der Zeile und legte einen Rechenpfennig beispielsweise auf die Tausender-Linie statt - wie eigentlich beabsichtigt - auf die Hunderter-Linie, war das Ergebnis natrlich vllig falsch. Um derartige Irrtmer zu vermeiden, wurde es im Laufe der Zeit blich, die Tausender-Linie speziell zu kennzeichnen, z.B. mit einem Kreuz.

Wer sich nher mit dem Rechnen "auf der Linie" beschftigen will oder meiner Erklrung rein gar nichts entnehmen kann, dem sei diese ausfhrliche Darlegung von Herrn Tino Hempel, seines Zeichens Gymnasiallehrer in Mecklenburg-Vorpommern, empfohlen. Ich wrde auch vom Hundertsten ins Tausendste kommen, wollte ich an dieser Stelle das Rechnen mit Rechenbrettern in gebhrender Ausfhrlichkeit erklren.

brigens gilt der oben erwhnte Adam Ries (1492 - 1559) zumindest im deutschen Sprachraum als Vater der modernen Rechenknste. Erstens schrieb er seine Werke, die bis ins 17. Jahrhundert hohes Ansehen genossen, nicht im Latein der Gelehrten, sondern in seiner Muttersprache. Zweitens trug er mageblich dazu bei, die rmischen Zahlzeichen (siehe jemandem eine X fr ein U vormachen) durch die arabischen Ziffern abzulsen, wie wir sie noch heute verwenden. Und drittens stellte er dem Rechnen mit Rechenbrettern, das auch er noch ausfhrlich beschrieb, das schriftliche Rechnen mit eben jenen arabischen Ziffern zur Seite.

Sie haben sicher schon einmal den Spruch "Macht nach Adam Ries(e)..." gehrt.

Beispiele

"Der Satan mummelt und kawet die wort ym maul und wuerfft das hundert yns tausent, das muehe kost, ehe man verneme was er meynet." (Martin Luther)
"Und es heit ja auch, dass ich immer vom Hundertsten ins Tausendste komme und manchmal sogar in die Million."
"So fllt es mir beispielsweise immer schwerer, beim Thema zu bleiben, einen bestimmten Gedanken kurz und knapp zu formulieren, und wenn ich eine Geschichte wie diese erzhle, dann muss ich hllisch aufpassen, dass ich den Faden nicht verliere, sonst komme ich vom Hundertsten ins Tausendste und wei zum Schluss nicht mehr, womit ich berhaupt angefangen habe." (aus "Die Geschichte von Herrn Sommer" von Patrick Sskind)
"Aber ich komme vom Hundertsten aufs Tausendste und vergesse die Geschichte." (aus "Effi Briest" von Theodor Fontane)

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Wissenswertes

Mit einem Bild eines originalen Rechenbrettes kann ich leider nicht dienen, weil sich davon nicht umwerfend viele erhalten haben. Aber vielleicht mchten Sie sich mal an meinem grob gezimmerten Schema versuchen? Zumindest die Addition erklrt sich von selbst. Sie mssen nur schauen, dass Sie nicht vom Hundertsten ins Tausendste kommen ... (Eigentlich wurden auf den allermeisten dieser Rechenhilfen rmische Zahlzeichen verwendet. Auf diese habe ich der Einfachheit halber verzichtet.)

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