Redensart / RedewendungVom Hundertsten ins Tausendste kommen BedeutungAbschweifen, sich beim Erzählen nicht kurz fassen können, unnötig mit Details um sich schmeißen; ursprünglich: Verwirrung stiften, durcheinander kommen Herkunft Wie Sie womöglich bereits ganz richtig vermutet haben, liegen die Ursprünge
dieser Redensart in der Mathematik. Zu der Zeit, in der man noch nicht
zum Taschenrechner greifen konnte und sich noch nicht einmal das Ziffernrechnen
nach Adam Ries durchgesetzt hatte, mußte man sich anderer Hilfsmittel
bedienen. Dies waren ab dem Mittelalter Rechenbretter oder gar ~tische
und Rechentücher, die - etwas schwer zu erklären - durch senkrechte
Linien in mindestens drei Felder eingeteilt waren, zwei oder mehr für
die Mengen, die addiert, subtrahiert, multipliziert oder dividiert werden
sollten, und rechts ein Feld für das Ergebnis. Darüber hinaus
symbolisierten waagerechte Linien die verschiedenen Dezimalwerte - also
Einer, Zehner, Hunderter, Tausender usw.. Der Freiraum zwischen den waagerechten
Linien war den Fünfern, Fünfzigern, Fünfhunderten usw.
vorbehalten. Als Rechenmittel benutzte man meist sogenannte Rechenpfennige.
Nürnberg war eine der Hochburgen für die Herstellung solcher "Münzen".
Verrutschte man beim Rechnen gewissermaßen in der Zeile und legte einen
Rechenpfennig beispielsweise auf die Tausender-Linie statt - wie eigentlich
beabsichtigt - auf die Hunderter-Linie, war das Ergebnis natürlich völlig
falsch. Um derartige Irrtümer zu vermeiden, wurde es im Laufe der
Zeit üblich, die Tausender-Linie speziell zu kennzeichnen, z.B. mit
einem Kreuz.
Wer sich näher mit dem Rechnen "auf der Linie" beschäftigen will oder
meiner Erklärung rein gar nichts entnehmen kann, dem sei diese
ausführliche Darlegung von Herrn Tino Hempel, seines Zeichens Gymnasiallehrer in Mecklenburg-Vorpommern, empfohlen. Ich würde auch vom Hundersten
ins Tausendste kommen, wollte ich an dieser Stelle das Rechnen mit Rechenbrettern in gebührender
Ausführlichkeit erklären. Beispiele"Der Satan mummelt und kawet die wort ym maul und wuerfft das hundert yns tausent, das muehe kost,
ehe man verneme was er meynet." (Martin Luther)
"Und es heißt ja auch, daß ich immer vom Hundertsten ins Tausendste komme und
manchmal sogar in die Million."
"So fällt es mir beispielsweise immer schwerer, beim Thema zu bleiben,
einen bestimmten Gedanken kurz und knapp zu formulieren, und wenn ich
eine Geschichte wie diese erzähle, dann muss ich höllisch aufpassen, dass
ich den Faden nicht verliere, sonst komme ich vom Hundertsten ins Tausendste
und weiß zum Schluss nicht mehr, womit ich überhaupt angefangen habe."
(aus "Die Geschichte von Herrn Sommer" von Patrick Süskind)
"Aber ich komme vom Hundertsten aufs Tausendste und vergesse die Geschichte."
(aus "Effi Briest" von Theodor Fontane) Abbildung(en)Mit einem Bild eines originalen Rechenbrettes kann ich leider nicht dienen,
weil sich davon nicht umwerfend viele erhalten haben. Aber vielleicht
möchten Sie sich mal an meinem grob gezimmerten Schema versuchen? Zumindest
die Addition erklärt sich von selbst. Sie müssen nur schauen, daß Sie
nicht vom Hundertsten ins Tausendste kommen...
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