Redensart/RedewendungLunte riechen Bedeutung Eine Gefahr rechtzeitig erkennen - eine drohende Gefahr spüren - Verdacht schöpfen - etwas rechtzeitig entdecken - eine Falle frühzeitig als solche erkennen - etwas von Weitem entdecken
HerkunftMit Lunten wurden bis ins 17. Jahrhundert Geschütze und Handfeuerwaffen gezündet. Dazu wurde die glimmende Lunte an die mit Pulver versehene Pfanne bzw. das Zündloch gehalten und so die Explosion ausgelöst. Stark vereinfacht
ausgedrückt, handelt es sich bei einer Lunte um nichts anderes als um
einen Strick. Daher wurde das Teil auch Zündstrick genannt. Allerdings
taugte nicht jede beliebige Schnur zur Lunte; die sorgfältige Auswahl und
Bearbeitung des Materials (z.B. Hanf) und dessen Behandlung mit Chemikalien
(je nach Machart u.a. eine Lauge, Salpeter und Kuhmist) sollten sicherstellen,
daß die Zündschnur gleichmäßig und langsam abbrannte (eigentlich glimmt
sie nur), dem Wind trotzen konnte und nicht gar zu anfällig für Regen
war. Nicht zuletzt die eingesetzten Chemikalien verrieten bei günstig
wehendem Winde die brennende Lunte und somit den Schützen, so daß sich
noch in Sicherheit bringen konnte, wem ein übler Geruch in die Nase stieg.
Lunte riechen fiel um so leichter, als die Zündstricke nicht erst kurze Zeit vor einem geplanten Schuß angezündet wurden, sondern die ganze Zeit brannten, um bei Bedarf möglichst schnell einen Schuß abfeuern zu können.
Mit der Einführung des Steinschlosses (Zündung durch Funkenschlag mittels Feuerstein) wurden Lunten zumindest für Handfeuerwaffen weitgehend überflüssig.
Lunte riechen können Sie aber zu jedem Jahreswechsel, da die meisten Feuerwerkskörper aus Gründen der Sicherheit mit einer solchen versehen sind.
Erstaunlicherweise lassen sich zahlreiche Belege für eine falsche Verwendung der Redewendung finden.
"Jetzt hat er Lunte gerochen und den WM-Titel ins Visier genommen." (Aachener Zeitung vom 27.07.2005))
"Nach dem mageren 1:1-Unentschieden von Spitzenreiter Juventus Turin im Ligaspiel bei Chievo Verona am vergangenen Mittwoch hat Verfolger Inter Mailand wieder Lunte gerochen." (www.handelsblatt.com vom 21.01.2006)
"Bundesligist Hamburger SV hat nach dem geglückten Transfer von Ailton Lunte gerochen und peilt noch eine kurzfristige Neuverpflichtung für das Mittelfeld an." (www.handelsblatt.com vom 26.01.2006)
In diesen Beispielen steht Lunte riechen nicht mehr für Gefahr, sondern für Hoffnung schöpfen, Interesse zeigen, Gefallen finden o.ä. Ob es sich dabei um (schon bemerkenswert häufig auftretende) Einzelfälle handelt oder um einen Bedeutungswandel oder zumindest eine Erweiterung, bleibt abzuwarten. Lunte riechen wäre nicht die erste Redensart, deren Sinn im Laufe der Zeit erweitert/verändert oder gar ins Gegenteil gekehrt wird. Zumindest bisher beharren alle Standardwerke zum Thema Redewendungen (z.B. das Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten von Lutz Röhrich) auf der althergebrachten Bedeutung und würdigen abweichende Verwendungen keines Wortes.
Weniger gefährlich klingt die das Gleiche bedeutende Redensart "den Braten riechen". Und auch das aus der Jägersprache stammende "Wind von etwas bekommen/kriegen" weist eine ähnliche Bedeutung auf.
Lunte kann man nicht nur riechen, sondern auch (ans Pulverfaß) legen oder anzünden, womit ausgedrückt werden soll, daß jemand mit Worten oder Taten eine ohnehin schon angespannte Situation weiter verschärft, einen schwelenden Streit zum Ausbruch bringt, jemanden provoziert u.ä.
Beispiele"Er könnte sonst Lunte riechen und deine ganzen Überlegungen zunichte machen."
"Und wie willst Du ihn fragen, ohne daß er Lunte riecht?"
"Der Täter hatte wohl Lunte gerochen und das Weite gesucht, so die Bundespolizei in ihrem Bericht."
"Als die Festnahme nur noch eine Formsache zu sein schien, roch
der Einbrecher plötzlich Lunte und ergriff die Flucht."
"Genug, Sie sehn, liebster Campe, daß ich nicht Unrecht habe, wenn ich zuweilen Lunte rieche, und zwar sehr stinkige Lunte, da wo Ihnen Alles wie Rosenduft vorkommt." (Heinreich Heine an Julius Campe, aus: Heinrich Heine´s sämmtliche Werke, Hoffmann und Campe, Hamburg 1866, Bd. 21, S. 387) Zusätzliche Informationen |
Altes Sammelbild aus der 1920er Jahren |
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