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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Französisch Englisch 1) das Pulver/Schießpulver nicht erfunden haben
Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Französisch Englisch 2) sein Pulver verschossen haben
Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Französisch Englisch 3) sein Pulver trocken halten
Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Französisch Englisch 4) kein Pulver riechen können
Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Französisch Englisch 5) keinen Schuss Pulver wert sein / taugen

Bedeutung

1) Nicht sonderlich klug/einfallsreich sein - dumm/beschränkt/einfältig sein
2) Voreilig seine Möglichkeiten ausgeschöpft haben - nichts mehr zusetzen können - am Ende seiner Kräfte sein - keine Rücklagen mehr haben - nichts mehr leisten können, wenn es darauf ankommt
3) Auf der Hut sein - gut gerüstet sein - seine Kräfte schonen - Reserven zurückhalten
4) Keinen Mut haben - feige sein
5) Nichts taugen - nichts wert sein

Herkunft

Nicht zu den Schlauesten zählen wir einen, von dem wir behaupten, er habe das (Schieß)Pulver nicht erfunden. Gut, wenn der es nicht war, wer dann?

Nun, diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es ist wohl so, dass innerhalb einer verhältnismäßig kurzen Zeit (13./14. Jahrhundert) mehrere gescheite Leut´ in verschiedenen Ecken Europas die Eigenschaften eines Gemisches aus Salpeter, Schwefel und Holzkohle entdeckt haben, ohne dass einer vom anderen wusste. So beschrieb u.a. der berühmte englische Mönch und Gelehrte Roger Bacon schon vor 1300 das Schießpulver. Allerdings sollen erst die Chinesen und dann auch die Araber schon Jahrhunderte vorher Schießpulver hergestellt und verwendet haben.[1] Doch auch hierüber streiten die Gelehrten.

Im deutschen Raum wird dieses Teufelszeug durch viele Legenden mit dem Mönch Berthold Schwartz in Verbindung gebracht.[2] Freilich hat der Mönch um 1350 das Schießpulver und insbesondere dessen Eignung als Treibmittel für Geschosse weniger durch zielgerichtetes Forschen erfunden, sondern eher zufällig beim Experimentieren gefunden haben, und zwar als beim Zerkleinern und Mischen der Bestandteile ein umherfliegender Funke dafür sorgte, dass ihm die Geräte um die Ohren flogen. Anderen Quellen zufolge stellte er die Mixtur auf den Ofen - mit dem gleichen Ergebnis.

Im Nebeneinander verschiedener Chroniken wird dieser Bertoldus Niger bald in Freiburg (Breisgau) oder Mainz, in Köln oder Goslar angesiedelt. Mönch blieb er immer, weil nur die Geistlichkeit über die nötige Bildung verfügte. Und weil große und reiche Städte sich die kostspieligen Geschütze mit als erste leisten konnten und wollten, wurde auch deren Erfindung in die dorthin verlegt.[3] Als zweifelsfrei verbürgte historische Person darf man den schwarzen Berthold jedenfalls nicht ansehen.

Noch weit unwahrscheinlicher ist, dass die ebenfalls gängige Bezeichnung Schwarzpulver auf den Namen des Mönches zurückgeht. Der Begriff Schwarzpulver lässt sich kaum vor 1870 nachweisen und diente wohl zur Abgrenzung von neueren und mindestens ebenso explosiven Pülverchen. Da das Pulver wegen der enthaltenen Holzkohle ziemlich dunkel ist, wird sein Aussehen namensstiftend gewirkt haben.

Bild: Pulverhorn

Pulverhorn aus dem 19. Jhd.

Verwendung des Bildes mit
freundlicher Genehmigung des
Friesen-Museums in Wyk auf Föhr.

Damit haben wir unser Pulver aber noch nicht verschossen. Im Mittelalter war das Schießen - ob nun mit Kanonen oder Handfeuerwaffen - eine ziemlich umständliche Sache. So gab es bspw. noch keine vielschüssigen Gewehre und handliche Patronen, sondern die alten Vorderlader mussten nach jedem Schuss mit einigem Aufwand geladen werden. Alles dazu Nötige - Pulver, Kugeln, Ladestock - musste der Schütze einzeln mit sich führen. Da sich aber nun kein Soldat ein ganzes Pulverfass auf den Rücken schnallen konnte, sondern lediglich über ein recht kleines Pulverhorn oder eine Pulverflasche verfügte, war der Vorrat an Pulver begrenzt. Und wer sein Pulver verschossen hatte, konnte sein Gewehr höchstens noch als Keule einsetzen. Zu dem gleichen Ergebnis hätte feuchtes Pulver geführt, weil sich feuchtes Pulver nicht entflammen lässt. Deshalb war jeder Schütze bemüht, sein Pulver trocken zu halten.

Dass Schwarzpulver nach dem Verbrennen einen ganz eigenen Geruch hat, bemerken Sie möglicherweise jedes Jahr zu Silvester, wenn ganze Dunstwolken, die Raketen und Böller hinterlassen haben, durch die Straßen ziehen. Und vermutlich fühlt sich der eine oder andere im Getümmel und bei der ganzen Knallerei etwas unwohl. Soldaten, die kein Pulver riechen können, geht es freilich noch schlimmer.

Der ganze besondere Duft des Pulvers führte auch dazu, dass wir Lunte riechen können. Und was passiert, wenn man mit seinem Pulver nicht sparsam genug umgeht, hat das berühmte Hornberger Schießen gezeigt.

Die Wirkung des Schießpulvers (und vergleichbarer Stoffe) beruht übrigens darauf, daß beim Entzünden urplötzlich Gase entstehen, die sich unaufhaltsam ausdehnen.

[1] Vgl. u.a. Rutzky, Andreas und von Grahl, Otto: Das Schiesspulver und seine Mängel, Wien 1863, S. 1 ff. Dort heißt es übrigens auch: "Ob er seine Erfindung allsogleich verwerthete, ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben, doch wird dies von vielen Seiten umsomehr bezweifelt, als es zu jener Zeit nicht rathsam war, mit derlei Erfindungen öffentlich aufzutreten, weil der Urheber dadurch nur allzuleicht der Zauberei angeklagt werden und in Ketten und Banden, ja selbst auf dem Scheiterhaufen sein Leben enden konnte."
[2] Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universallexicon aller Wissenschafften und Künste, Halle und Leipzig 1732 - 1754, Bd. 35, Spalte 1923
[3] Vgl. Weidenbach, A.J.: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius, Coblenz 1870, der II. Abtheilung 18. Band, S. 54 ff.

Beispiele

1) "Der Bauer hat das Pulver sicher nicht erfunden, sonst hätte einen solchen Vertrag niemals unterschrieben."
"Ihr seht mir gar nicht aus, als ob ihr das Pulver allein erfunden hättet."
2) "Mit diesen drei schnellen Toren hatten beide Mannschaften ihr Pulver verschossen."
"Regierungen und Notenbanken haben ihr Pulver schon verschossen, aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben."
3) "Er rät daher Anlegern, ihr Pulver trocken zu halten und nicht leichtfertig zu investieren."
"Anleger können sich nur in Geduld üben und ihr Pulver trocken halten, bis sich aus den eher zufälligen Marktbewegungen eine Tendenz ableiten lässt."
4) "Wenn es hart auf hart kommt, ist er eine feige Memme, die kein Pulver riechen kann."
"Doch wie soll ein Unternehmen gesunden, dessen Manager kein Pulver riechen können?!"
5) "Solche Eltern sind noch nicht einmal einen Schuss Pulver wert."
"Der darauf folgende Freistoß war keinen Schuss Pulver wert."
"Schnell stellt sich heraus, dass das Ding keinen Schuss Pulver taugt."

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