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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Französisch Englisch jemanden zur Sau machen

Bedeutung

jemanden demütigen, niedermachen, runterputzen, beschimpfen, schinden, in scharfer Form zurechtweisen

Herkunft

Diese Redewendung ist keine Anspielung auf Homers Odyssee, in der die Zauberin Circe auf der Insel Aiaia einige Gefährten des Odysseus in Schweine verwandelt, sondern ein Rückgriff auf eine etwas skurril anmutende Form der Bestrafung in längst vergangenen Zeiten. Denn während das aktuelle deutsche Rechtssystem hauptsächlich mit Geld- und Haftstrafen operiert, waren unsere Urururururur...ahnen wesentlich einfallsreicher, wenn auch - nach heutigem Verständnis - deutlich grausamer. Ganz abgesehen davon, dass Folter ein zulässiges Mittel der Wahrheitsfindung war und es eine ziemlich lange Liste von Methoden zur Vollstreckung der Todesstrafe gab (Verbrennen auf dem Scheiterhaufen, Hängen, Rädern, Vierteilen ...), kostete ein Diebstahl schon mal eine Hand (Wiederholung ausgeschlossen!). Zumindest auf der körperlichen Ebene weniger drastisch und schaurig als die Todes- und Verstümmelungsstrafen waren die sogenannten Schand- und Ehrenstrafen, bei denen der Verurteilte dem Spott der Öffentlichkeit preisgegeben wurde. Dabei ließ sich die Art des Vergehens an der Strafe erkennen. Der notorische Trinker bspw. wurde mit einem Weinfass "bekleidet" durch die Stadt kutschiert. Schwatzsüchtigen Frauen - Vorsicht, meine Damen! - setzte man eine Schandmaske mit langen Ohren und ebensolcher Zunge auf. Wer sich sich selbst für damalige Verhältnisse unter aller Sau[1] benahm, wurde mit einer Schandmaske in Gestalt eines Schweinekopfs versehen und musste sich so zur Sau machen lassen. Worüber wir heute schmunzeln können, das war für den Betroffenen gewissermaßen die gesellschaftliche Rote Karte.

Zum Thema Ehrenstrafen siehe auch ein Schlitzohr sein.

[1] Die Redensart unter aller Sau hat allerdings einen anderen Ursprung und mit Schandmasken nichts zu schaffen.

Beispiele

"Erst willkommen heißen und dann zur Sau machen ..."
"Oder lassen Sie sich vom Hersteller eine Garantie mit Haftung geben, damit sie dann wenigstens jemanden zur Sau machen können."
"Ganz offensichtlich liebt es die Kontrolleurin, Schwarzfahrer richtig schön zur Sau zu machen, anstatt in einem Bürojob selbiges durch einen Vorgesetzten zu erleiden."
"Ist das eigentlich normal, wenn jemand die Kassiererin im Supermarkt zur Sau macht, und sich vorher und nachher lauthals über die Servicewüste Deutschland aufregt?"
"Warum spielt er dann, verliert, wird zur Sau gemacht und muss sich durch sämtliche Gazetten schleifen lassen?"
"Ich hoffe nur, der Trainer hat den nach dem Spiel nicht zu sehr zur Sau gemacht, der hatte auf dem Platz wirklich genug gelitten."

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Wissenswertes

Dank der freundlichen Genehmigung des Kriminalmuseums in Rothenburg ob der Tauber kann ich Ihnen zeigen, wie Sie sich eine Schandmaske vorzustellen haben. Das Stück stammt aus dem 17. Jahrhundert und dürfte ausschließlich von Frauen getragen worden sein.

Schandmaske für Frauen
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