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Redensart/Redewendung

1) Jemandem auf den Schlips treten
2) Sich auf den Schlips getreten fühlen
3) Sich einen hinter den Schlips gießen

Bedeutung

1) Jemanden beleidigen/kränken/verärgern - jemandem zu nahe treten - sich taktlos verhalten
2) Beleidigt/gekränkt/verärgert sein - etwas persönlich nehmen
3) Alkohol trinken

Herkunft

Sich Tücher, Schleifen oder Bänder um den Hals zu binden, hat eine lange Tradition, nicht zuletzt beim Militär, wo solcher Zierrat nicht nur Eindruck schinden, sondern zugleich den empfindlichen und verwundbaren Hals etwas schützen sollte.

Die Redensart lautet zwar jemandem auf den Schlips treten. Wir wollen trotzdem mit der Krawatte beginnen, die freilich nichts anderes ist als ein Schlips. Einer Legende nach stammt die Bezeichnung Krawatte vom französischen "la croate" ab, weil ein kroatisches Reiterregiment 1663 bei einer Parade mit seinen heutigen Schlipsen schon recht ähnlichen Halstüchern die Aufmerksamkeit des französischen Königs Louis XIV. erregte, der daraus gleich eine Mode machte. Als Schlips bezeichnete man die Krawatte aber erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Allerdings sind Krawatten/Schlipse doch etwas zu kurz, um darauf treten zu können. Des Rätsels Lösung liegt darin, daß Slips/Slippe/Schlippe/Schlips[1] ursprünglich in einer allgemeineren Bedeutung für Zipfel und Enden von Kleidungsstücken stand, z.B. für die Enden von Mänteln, Röcken und ähnlichem. Waren die Kleider nur lang und man selbst ungeschickt oder gemein genug, konnte man dem Vordermann schon einmal auf den Schlips treten. Der so getretene "Vorläufer" wird in aller Regel über diesen Mangel an gutem Benehmen nicht sonderlich erbaut gewesen sein.

Bei der Redewendung sich einen hinter den Schlips gießen ist hingegen tatsächlich der Schlips im Sinne von Krawatte gemeint. Weit gebräuchlicher ist allerdings die ganz ähnliche Wendung sich einen hinter die Binde gießen/kippen.

[1] Zu den unterschiedlichen Formen des Wortes vgl. den Eintrag "Schlippe" in Grimms Wörterbuch (Bd. 15, Spalte 748)

Beispiele

1) "Er weiß selbst, daß er den Leuten manchmal auf den Schlips tritt."
"Wahrheiten sind im Wahlkampf nicht gefragt, denn irgendjemandem treten die Bewerber damit immer auf den Schlips."
"Es hat mich wirklich gefreut, daß ich dem Spinner auf den Schlips treten konnte."
2) "Schon bei der leisesten Kritik fühlt sie sich sofort auf den Schlips getreten."
"Wieso fühlen sich hier eigentlich alle auf den Schlips getreten?"
3) "Der Wachmann hatte sich anscheinend vor dem Dienst einen oder zwei hinter den Schlips gegossen und war dann eingeschlafen."
"Ich muß mir unbedingt mal wieder ordentlich einen hinter den Schlips gießen und den Frust runterspülen."

Zusätzliche Informationen

Kroatischer Reiter mit Ur-Schlips

Auf dem Bild sehen Sie einen der im obigen Text erwähnten kroatischen Reiter mit einer Art Krawatte.

Dieses Bild basiert auf dem Bild Origin NeckTie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Modzzak.

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