ein Schlitzohr sein - schlitzohrig sein - Redensarten und Redewendungen
Willkommen auf redensarten.net.
Übersicht     Sachgebiete     Neueinträge     Rätselbilder     Begriffskunde
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
Benutzerdefinierte Suche
 

Startseite
Aktuelles
Hinweise
Kontakt
Verlinken
Impressum Datenschutz

Schmuck
Werkstatt 11

Phraseologie
Idiotenapostroph




Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Franzsisch Englisch ein Schlitzohr sein - schlitzohrig sein

Bedeutung

durchtrieben/(hinter)listig/gerissen sein - ein Betrger sein

Herkunft

Ein Schlitzohr war ursprnglich jemand, den tatschlich ein Schlitz im Ohr "zierte". Zu diesem "Schmuck" war derjenige nicht ganz freiwillig gekommen, sondern er war mit ihm bestraft worden. Diese Form der - krperlich relativ harmlosen - Misshandlung war in vergangenen Zeiten die Strafe fr verschiedene Vergehen und sollte in Zukunft Mitmenschen davor warnen, dass sie es mit einem zu tun hatten, der seine Ehre verloren hatte und den sie lieber meiden sollten. Weil Ehre damals einen ungleich hheren Stellenwert hatte, war es dem Schlitzohr so gut wie unmglich, ins normale Leben zurckzufinden. So blieb ihm z.B. die Mitgliedschaft in einer Zunft (stdtische Berufsvereinigungen mit Zwangsmitgliedschaft) verwehrt, wodurch er keinen ehrbaren Beruf mehr ausben konnte. Stattdessen musste er versuchen, als Sldner, Landstreicher oder gar Verbrecher ber die Runden zu kommen. Eine zweite Chance gab es also nicht. Ganz im Gegenteil! Der einmal Gestrauchelte wurde so erst recht auf die schiefe Bahn gedrngt und musste - im heutigen Sinne - schlitzohrig sein.

Darber, welche Vergehen mit dem Schlitzen der Ohren geahndet wurden, sind sich die verschiedenen Quellen nicht ganz einig. Dementsprechend sind mehrere Erklrungen im Umlauf.

So sollen Betrgern oft die Ohren geschlitzt worden sein, bspw. Bckern, deren Brot und Brtchen unter der vorgeschriebenen Mindestgre lagen. Aber auch Spione sollen im Mittelalter auf diese Weise gekennzeichnet worden sein.

Mglich ist auch, dass ausgestoenen Zunftmitgliedern zum Zeichen ihrer Unehre der Ohrring, der ihre Mitgliedschaft symbolisierte, ausgerissen wurde.

Des Weiteren geht die Erklrung um, dass ertappte Lauscher mit dem Ohr an die Tr genagelt wurden, hinter der sie ihrer Neugier gefrnt hatten, und nur mit einem beherzten und sicher schmerzhaften Ruck wieder loskamen, der sie zu einem Schlitzohr machte. Allerdings drfte es auf der praktischen Ebene recht schwierig sein, ein Ohr an eine Tr zu nageln - es ist einfach immer der Kopf im Weg. Versuchen Sie es doch mal ...

In Mittelalter und Frher Neuzeit war die Ehre nicht nur ein kostbares Gut, sondern wurde als Teil des Krpers verstanden. Dementsprechend lag es nach damaligem (Rechts)Verstndnis auf der Hand, einen Schuldigen, den man an der Ehre strafen wollte, in Abhngigkeit von der Schwere der Schuld auch krperlich zu misshandeln. Das musste nicht in jedem Fall dazu fhren, dass der Bestrafte bleibende Schden davontrug, die ihn dauerhaft zum ehrlosen Auenseiter stempelten. Mit etwas Glck wurde man bei geringeren Vergehen "nur" dem Gesptt der Mitmenschen preisgegeben, konnte spter unter Umstnden rehabilitiert werden oder wenigstens anderswo ein neues Leben beginnen, was bei den damaligen starren gesellschaftlichen Strukturen beschwerlich genug war. Auf der anderen Seite konnte man aber auch Finger, Hand, Nase oder Ohren "verlieren". Unntig zu erwhnen, dass eine derart schwere Bestrafung unumkehrbar war. Wenn Sie so wollen, lag das Schlitzohr gewissermaen im Mittelfeld.

Zum Thema altertmliche Ehrenstrafen siehe auch jemanden zur Sau machen.

Beispiele

"Er war ein sympathisches Schlitzohr, ein cleverer Geschftsmann, ein unendlicher Charmeur."
"Der Film ist ein zeitloser Klassiker, in dem uns das Schlitzohr Hitchcock erklrt, dass wir, die Zuschauer, die eigentlichen Spanner sind und die Abgrnde seiner Helden in uns selbst tragen."
"Calmund ist in seiner Zunft einer von denjenigen, die mit dem Begriff Schlitzohr noch eher freundlich beschrieben sind."
"Wenn Sie sich im Haifischbecken der Marktwirtschaft bewegen und etwas erreichen wollen, mssen Sie allerdings schlitzohrig und skrupellos sein."
"Geschwtzig und schlitzohrig zeigt er, wie man es macht, wenn man nicht viel zu berichten hat, jedoch 45 Minuten fllen will."

Tipp: Jetzt Fan auf Facebook werden und nichts mehr verpassen! Neue Rätselbilder, Gewinnspiele, Umfragen und vieles mehr. Auch klickenswert: Werkstatt 11

Wissenswertes

Steinerner Schandpfahl

Bild: PixelQuelle

Eine der bekanntesten Ehrenstrafen war das sprichwrtlich gewordene an den Pranger stellen. Dabei wurde der Missetter (meist) auf dem Marktplatz mittels eines Halseisens und zugehriger Kette an einen hlzernen (in der gehobenen Ausfhrung massiv aus Stein) Pfahl (Schandpfahl) gefesselt und der ffentlichkeit zur Schau gestellt. Oft verwiesen aufgestellte Tafeln darauf, was der Unglckliche sich zuschulden kommen lassen hatte. Als ob die Schande und vor allem deren ble Folgen der Strafe nicht genug gewesen wren, musste sich der Angeprangerte auch noch heftigst verspotten und sogar mit allerlei Unrat bewerfen lassen. Wenigstens war vielerorts das Bewerfen mit festen Gegenstnden verboten.

Der Pranger hatte neben dem Schandpfahl mit Halseisen eine Reihe anderer Erscheinungsformen und konnte auch aus einem Kfig oder lediglich aus einem mit einer Kette an Rathaus oder Kirche befestigten Halseisen bestehen. Mglich war aber auch eine regelrechte Bhne. Auf die in jedem Fall entehrende Wirkung der Anprangerung hatte die Machart keinen Einfluss.

Da mit dem Pranger fast alle kleineren Delikte geahndet werden konnten, wurde er entsprechend hufig verordnet. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts verschwand er langsam aus der Rechtsprechung.

Redensarten mit s ÜbersichtSachgebiete