Redensart/RedewendungVon bestem/echtem/altem Schrot und Korn sein BedeutungEcht, unverfälscht, aufrichtig, rechtschaffen, vom alten Schlag, wahrhaftig, anständig sein - ein ganzer Kerl sein
HerkunftBei Schrot und Korn handelt es sich nicht um Munitionsbezeichnungen
aus der Jägersprache oder den Slogan eines Naturkostladens, sondern um
zwei Begriffe der Münzprägung, die zentrale Bedeutung hatten, als ein
Geldstück nur genau das wert war, was es an Edelmetall enthielt. Kurantgeld
lautet der Fachbegriff hierfür. Eine Ausnahme hiervon bildeten die sogenannten
Scheidemünzen, kleine Nonminale (die unteren Wertstufen wie heute z.B. 5 Cent), deren Materialwert unter dem Nominalwert lag. Schrot (bitte nur mit einem t, auch wenn es sich um Metall handelt) bezeichnet jedenfalls das Gesamtgewicht einer Münze (Fachbegriff: Rauhgewicht), also Edelmetall (Gold, Silber) und alle unedlen Beigaben (z.B. Kupfer). Korn meint ausschließlich die edlen Bestandteile (Fachbegriff: Feingewicht).
Daraus folgt, daß das Feingewicht stets unter dem Rauhgewicht liegt, da
"lupenreine" Gold- oder Silbermünzen faktisch nicht vorkommen. Ganz im
Gegenteil! Schon im späten römischen Kaiserreich war es in Zeiten knapper
Kassen (Kriege, Verschwendung usw.) ein beliebtes Mittel der Bereicherung,
den Edelmetallgehalt zu verringern, den Nominalwert einer Münze aber beizubehalten. So konnte man aus der gleichen Menge Gold oder Silber mehr Münzen prägen und war wieder flüssig. Eine weitere Blütezeit der Münzverschlechterung waren aufgrund des beginnenden 30jährigen Krieges die Jahre zwischen 1617 und 1622, die sogenannte Kipper- und Wipperzeit. Die Landesherren und durch die Lande ziehende Betrüger versuchten, Münzen von
echtem Schrot und Korn gegen schlechtere einzutauschen, damit sie
die guten Stücke einschmelzen und als Münzen mit geringerem
Edelmetallgehalt wieder unters Volk bringen konnten. In atemberaubendem
Tempo schwand der reelle Wert der Geldstücke, bis die allgemeine
Ablehnung der verfälschten Münzen so groß war, daß die Obrigkeit wieder vollwertige Münzen prägen ließ (lassen mußte). Die materiell wertlosen Kippermünzen wurden zwangsweise eingezogen und durch neue von altem Schrot und Korn ersetzt. Beim Umtausch betrug der Verlust für diejenigen, die umtauschen mußten - und das waren hauptsächlich die "kleinen" Leute
- fast 90%. Über Generationen angesparte kleine Vermögen gingen
mit einem Schlag verloren. Typischerweise waren wohlhabende Kaufleute,
Großbauern, die Fürsten etc. davon kaum betroffen. Die Goldmünzen, mit denen sie zu zahlen pflegten, waren von der Münzverschlechterung
verschont geblieben.
Ich hoffe, ich habe nicht gar zu sehr mit Fachbegriffen um mich geschmissen ... Beispiele"Die Kleinstadt, in der Patrick aufwächst, ist ein Eldorado für Erzieher von altem Schrot und Korn.
Hier werden Kinder noch verprügelt, streng bestraft und eingesperrt."
"Unter dem Blech ist der Hummer ein Geländewagen von altem Schrot und Korn."
"Und das sind eben Schauspieler von bestem Schrot und Korn, die es sich erlauben, uns ihr Denken und
ihre Phantasie zur Verfügung zu stellen."
"Wir sind Freunde, Kameraden, von echtem Korn und Schrot. Wir halten zusammen, in Gefahr und in der Not."
"Er ist Westfale durch und durch: gradlinig, kantig, bodenständig, zupackend, unverfälscht, ein Mann von echtem Schrot und Korn eben, wie es eine Redensart so treffend beschreibt." Abbildung(en)Auf der zeitgenössischen Darstellung zum Münzbetrug sehen sie links einen sogenannten Kipper, der durch Beschneiden oder Befeilen der Münzränder Edelmetall zu gewinnen versucht. Bei einer entsprechenden Menge an so bearbeiteten Münzen kamen durchaus erhebliche Werte zusammen. In der Mitte ist ein Wipper abgebildet, der durch geschickten Umgang mit der Waage herausfand, welche Münzen noch vom alten Schlag waren und diese dann gegen minderwertige eintauschte. Der Herr rechts prägt aus dem ergaunerten und eingeschmolzenen Metall neue Münzen mit viel höherem Kupferanteil.
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