Redensart/Redewendung1) Sich aus dem Staub machen
2) (Mächtig/viel) Staub aufwirbeln Bedeutung1) Sich heimlich und eilig entfernen - nach Möglichkeit schnell und unbemerkt verschwinden - davonlaufen - die Flucht ergreifen - Reißaus nehmen;
sich vor etwas drücken - etwas Unangenehmem ausweichen
2) Aufsehen erregen - Aufregung verursachen - für Unruhe sorgen
HerkunftBei der Redensart sich aus dem Staub machen haben wir an altertümliches Schlachtgetümmel zu denken, in dem die miteinander ringenden Heerscharen durch ihre Bewegungen Staub aufwirbeln, so es nicht gerade regnet oder der Kampfplatz aus anderen Gründen nicht staubig ist. Diese Staubwolken mit ihren eingeschränkten Sichtverhältnissen versuchten Hasenfüße schon im Altertum zu nutzen, um der Gefahr zu entrinnen und die Schlacht Schlacht sein zu lassen. Dessen waren sich freilich auch die Heerführer bewußt und trafen entsprechende Gegenmaßnahmen:
"Wann nun die hauptaction einmalen recht angefangen ist, [...] stellen [sie] sich hinten an ihre armee und machen allda eine arrièregarde aus, deren einiger zweck ist die armee zum streit anzuhalten, und niemanden der ihrigen den reißaus nehmen zu lassen; so bald sie einen sehen der sich aus dem staub machen will, so sind sie hinter ihme her, treiben ihne
mit streichen in die schlacht oder machen ihn nieder."[1]
In einem ähnlichen, um die gleiche Zeit und am selben Ort - also Mitte des 18. Jahrhunderts in Basel, für alle, die auf die erste Fußnote null Bock hatten - erschienenem historisch-geographischen Lexikon wird die Redewendung hingegen eher im übertragenen Sinne gebraucht:
"Darüber kam es unter den bedienten zum handgemenge, und wardt so
viel blut vergossen, daß es zur kirchthür hinaus lieff. Der Kayser geboth
zwar friede, muste sich aber selbst aus dem staub machen."[2]
Wiewohl marschierende, reitende und natürlich auch ihrem Beruf nachkommende Soldaten offensichtlich genug Staub für eine Redensart aufwirbeln,
wird Staub aufwirbeln für gewöhnlich von Kutschen und Karren abgeleitet, die auf ihrer Fahrt über mehr schlechte als rechte Straßen die Luft mit fliegendem Dreck anreicher(te)n. Bei dieser Redewendung vermögen wir die wörtliche und somit ursprüngliche Bedeutung eher aus dem Wortlaut zu erschließen, wie mir scheint. Zur Verdeutlichung sei ein Gedicht aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auszugsweise angeführt:[3]
"Wo die lastbaren
Räder knarren,
der Furhmann flucht,
müssige Kutscher,
vorüberfliegend,
Staub aufwirbeln
in des Wanderers Antlitz;"
Als Redensart mit vom Wortsinn gelöster Bedeutung läßt sich die Wendung problemlos bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, mit etwas mehr Mühe wahrscheinlich noch weiter zurückverfolgen.
[1] Beck, J. C. und Buxtorff, A. J.: Supplement zu dem Baselischen allgemeinen historischen Lexico, Verlag Brandmüller, Basel 1742, S. 90
[2] Iselin, Jacob Christoff: Neu vermehrtes Historisch und Geographisches Allgemeines Lexicon, Verlag Brandmüller, Basel 1747, Bd. 2, S. 539
[3] Rueckert, Friedrich: Gesammelte Gedichte, Verlag Sauerländer, Frankfurt a. M. 1843, Bd. 2, S. 443 ff. (Der Fußwanderer)
Beispiele1) "Im Gegensatz zu den einfachen Beschäftigten konnten sich die
Führungskräfte mit einer satten Abfindung aus dem Staub machen."
"Nach dem Abpfiff machte sich der Unparteiische schleunigst aus dem
Staub."
"Als die Streifenwagen eintrafen, hatte sich der Dieb bereits aus
dem Staub gemacht."
2) "Wer hätte gedacht, daß diese alte Binsenweisheit noch einmal
soviel Staub aufwirbeln würde?!"
"Das Unternehmen will lieber Gras über die Sache wachsen lassen, statt
unnötig Staub aufzuwirbeln."
"Er wollte offenbar mächtig Staub aufwirbeln, um dahinter mit
seinen traurigen Kenntnissen verschwinden zu können." Zusätzliche Informationen
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