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Idiotenapostroph

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Redensart / Redewendung

Jemanden zum Sündenbock machen / der Sündenbock sein

Bedeutung

Jemandem unabhängig von seiner tatsächlichen Schuld für einen Mißerfolg oder eine Niederlage verantwortlich machen, z.B. in Sport oder Politik / verantwortlich gemacht werden, ohne wirklich schuld zu sein

Herkunft

Wie eine ganze Reihe anderer Redensarten läßt sich auch diese auf die Bibel zurückführen, auch wenn frühe Bibelausgaben nicht direkt das Wort Sündenbock benutzen. Trotzdem bezieht sich die Wendung auf ein altes Ritual des Volkes Israel, bei dem einmal jährlich durch priesterliche Fürsorge die Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock übertragen wurden. Dieser wurde dann, beladen mit den Sünden des nun greinigten Volkes, in die Wüste geführt und zurückgelassen und dürfte dort in der Regel umgekommen sein.

In diesem Zusammenhang siehe auch Jemanden in die Wüste schicken.

Der Begriff Sündenbock verfestigte sich im Mittelalter, in dem auch Tiere für Straftaten vor Gericht gestellt werden konnten und auch wurden. Es sind zahlreiche Fälle überliefert. So wurden bspw. des öfteren Schweine wegen Kindestötung angeklagt und zum Tod am Galgen verurteilt. Außerdem sind Prozesse gegen Wölfe, Mäuse, Heuschrecken und eben auch Ziegenböcke belegt. Mit Ausnahme der Tatsache, daß es sich bei den Angeklagten Tiere handelte, wurden die Prozesse "ganz normal" nach damaligem Rechtsverständnis geführt, inclusive der Plädoyers der Anklage und der Verteidigung. Das Pech dieser Sündenböcke lag darin, für menschliche Fehler verantwortlich gemacht zu werden. Fraß ein Borstenvieh - bekanntlich Allesfresser - ein Kleinstkind an und tötete es, wurde nicht wie in der heutigen Zeit gefragt, wieso die Eltern ihr Kind nicht besser beaufsichtigt hatten oder der Besitzer sein Schwein, sondern dem Schwein wurde der Prozess gemacht. Derartige Tierprozesse gab es vereinzelt auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch.

Daß und warum Ziegenböcke auch sonst einiges zu erleiden hatten und haben, können Sie in diesem Artikel nachlesen.

Beispiele

"Mir reicht langsam, daß ich hier jedes Mal der Sündenbock bin."
"Der Sündenbock des Tages ist klein, grauhaarig und trägt eine große Brille mit hellem Hornrand."
"Der Sündenbock, das bin ich; die Zielscheibe für jedermanns üble Laune!"
"Das Kind: Ob man es als Heilsbringer idealisiert oder zum Sündenbock stempelt, man drängt es beide Male in eine Rolle, die ihm nicht zukommt."
"Es sei nur da, um Sündenbock zu sein, und das sei ihm erleidet, und jetzt sollte es noch den Melker erhalten." (aus "Uli der Pächter" von Jeremias Gotthelf")

Ein geeignetes Revier für Sündenböcke ist die anhaltende Massenarbeitslosigkeit, für die oft unter Ausblendung aller anderen Ursachen bestimmte Gruppen verantwortlich gemacht werden. Je nach politischem Standpunkt sind es die Ausländer, die den Einheimischen mit Billiglöhnen die Jobs wegnehmen, die Unternehmer, die nur an ihren eigenen Profit denken, die Globalisierung, die den Wettbewerb verschärft, die unfähigen Politiker, die nur ihr eigenes Schäfchen ins Trockene bringen wollen, ... Ihr Kandidat dabei?

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