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Redensart/Redewendung

1) Den Teufel an die Wand malen
2) Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben
3) In Teufels Küche kommen - jemanden/sich in Teufels Küche bringen
4) Sich zum Teufel scheren (können)
5) Etwas fürchten/meiden/scheuen wie der Teufel das Weihwasser
6) Jemanden zum Teufel wünschen
7) Den Teufel tun
8) Den Teufel im Leib haben
9) Auf Teufel komm raus

Bedeutung

1) Unheil auf sich zukommen sehen - das Schlimmste befürchten - vom Schlimmsten ausgehen
2) Ein Übel durch ein noch größeres ersetzen - eine schon unangenehme Lage noch weiter verschlimmern
3) In Schwierigkeiten kommen - Probleme bekommen - in Verlegenheit/Gefahr geraten; jemanden in eine sehr unangenehme Lage bringen - jemanden einer Gefahr aussetzen
4) Unhöfliche, dafür aber deutliche Aufforderung, zu gehen/verschwinden und jemanden in Ruhe zu lassen - unerwünscht sein
5) Vor jemandem/etwas große Angst haben - etwas ängstlich meiden
6) Jemanden weit fort wünschen - jemanden nicht leiden können
7) Sich weigern, etwas zu tun - etwas keinesfalls tun - etwas unter keinen Umständen machen - etwas ganz sicher bleibenlassen
8) Unbeherrscht/wild/besessen sein
9) Unbedingt - mit aller Macht - mit aller Kraft - um jeden Preis - wie besessen - wie verrückt

Herkunft

Seit fast zweitausend Jahren prägen die christliche Religion und deren Anhänger unsere Kultur und Geschichte im Guten wie im Schlechten. Und welche Gestalt ist - neben Gott, Jesus und Maria natürlich - die bekannteste der christlichen Vorstellungswelt? Der Teufel, der Affe Gottes, wie ihn Luther verschiedentlich nannte. Schier unendlich mutet die Liste teuflicher Redensarten und Sprichwörter an, an der auch unwissender Aberglaube kräftig mitgearbeitet hat. So wie Kinder bisweilen von Gruselgeschichten nicht genug bekommen können, auch wenn sie nachher Angst im Dunkeln haben und nicht einschlafen können, scheint es unsere Vorfahren ganz besonders gereizt zu haben, ihre (Sprach)Spielchen mit dem Teufel zu treiben.

Hier kann beim besten Willen nur ein kleiner Ausschnitt der vermeintlich bekanntesten Wendungen ausgebreitet werden. Und nun genug der Vorrede, wir wollen endlich auf Teufel komm raus den einzelnen Redensarten auf den Zahn fühlen.

Die Redewendung den Teufel an die Wand malen läßt sich gut und weit zurückverfolgen. Im sehr frommen Mittelalter war es üblich, die Segensformel C+M+B über Eingangstüren anzubringen. C+M+B wird zumeist als Abkürzung des lateinischen Segenspruches "Christus mansionem benedicat" angesehen.[1] Zu gut Deutsch: Christus segne dieses Haus. Damit wollte man das Haus und dessen Bewohner vor Unglück schützen und den Teufel und was auch immer man sonst noch an bösen Geistern fürchtete fernhalten. Zu diesem Brauch entstanden Sprichwörter wie "Man darf/soll den Teufel nicht über die Tür malen." Man hatte Angst, daß man genau das zu sehen bekommen würde, was man fürchtete, wenn man es beim richtigen Namen nannte oder anderswie das Unglück herausforderte. Martin Luther brachte solche Sprichwörter des öfteren an, die zu seiner Zeit aber schon enige Jahre auf dem Buckel hatte. Luther verwendete aber auch schon ab und an die Form "Man darf den Teufel nicht an die Wand malen." Im Laufe der Zeit setzte sich die Wand gegen die Tür durch. Zugleich entwickelte sich aus den Sprichwörtern die uns eher geläufige Redensart den Teufel an die Wand malen.[2]

Wie gefährlich und nutzlos es ist, den Teufel mit dem (auch: durch den) Beelzebub austreiben zu wollen, können Sie in der Bibel nachlesen.[3] Im Volksmund ist der Beelzebub (auch Belzebub oder Belsebub) schlicht und ergreifend eine von vielen anderen Bezeichnungen für Teufel. Die Bibel nimmt es da etwas genauer und und klärt darüber auf, daß in vorchristlicher Zeit ein Baal-Sebub in der Stadt Ekron (deren Reste werden im heutigen Israel ausgegraben) angebetet wurde.[4] Dabei ist Baal-Sebub (übersetzt aus dem Hebräischen: Herr der Fliegen) vermutlich eine Verschandelung des richtigen Namens dieser alten Gottheit, der da lautet: Baal-Sebul (erhabener Herr/Gott).

in Teufels KücheEine im Mittelalter ebenfalls weit verbreitete Vorstellung war die von des Teufels Küche. Da alle Hexen und Hexer mit dem Teufel im Bunde standen und einer Küche bedurften, in der sie ihre Süppchen und Säfte kochen und brauen konnten, mußte auch ihr Herr und Meister über eine Kochgelegenheit verfügen. Oft war Teufels Küche aber auch nur eine Umschreibung für die Hölle. Wer sich zuviele Sünden aufs Haupt lud, vielleicht sogar soviele, daß sie auf keine Kuhhaut paßten, mußte in Teufels Küche kommen und als Teufelsbraten enden.

Scher Dich zum Teufel! Die Absicht, jemanden endlich loswerden zu wollen, kann man sicher freundlicher ausdrücken. Scheren meint hier nicht die "Ganzkörperrasur" (die Schur) von Schafen. In der Redensart sich zum Teufel scheren lebt eine veraltete Bedeutung des Verbes scheren fort, die man mit "sich eilen, schnell weggehen" umschreiben kann.

Aber nicht nur die Menschen fürchte(te)n sich vor dem höllischen Schelm, auch das Dasein des Teufels verläuft nach den Vorstellungen der Gläubigen und Abergläubigen nicht ganz ohne Ängste, wovon z.B. die Redensart etwas fürchten wie der Teufel das Weihwasser kundet. Eigentlich - mit den Augen des Ungläubigen betrachtet - ist Weihwasser auch nichts anderes als ganz normales Wasser. Aber durch die Segnung eines Priesters erhält es in den Augen der Gläubigen einen sehr hohen symbolischen Wert und kann finstere Mächte abwehren. Da Leben - zumindest menschliches - ohne Wasser nicht sein kann, verwundert es nicht, daß dieses Element in verschiedenen Religionen eine wichtige Rolle spielt.

Hoffentlich hat bei diesem Artikel der Fehlerteufel nicht allzu oft zugeschlagen - der steckt bekanntlich im Detail.

[1] Auf eine Wiedergabe der verschiedenen, miteinander wetteifernden Lesarten des C+M+B können wir an dieser Stelle glücklicherweise verzichten. Es soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden, daß Christus mansionem benedicat die vorherrschende, aber nicht die einzige Deutung ist.
[2] Eine grobe Beschreibung der Unterschiede zwischen Sprichwörtern und Redensarten finden Sie in der Begriffskunde.
[3] Siehe Matthäus 12, 24 ff. oder Lukas 11, 14 ff. und auch Matthäus 9, 34 sowie Markus 3, 22 (jeweils Neues Testament)
[4] Vgl. AT, 2. Buch der Könige 1, 2 ff.

Beispiele

1) "Er ist ein zu schlauer Fuchs, um den Teufel an die Wand zu malen, bevor er ihn gesehen hat."
"Wir sagen das nicht, weil wir den Teufel an die Wand malen, sondern auf Tatsachen hinweisen wollen."
2) "Die bedauernswerten Wähler können letztlich nur den Teufel mit dem Beelzebub austreiben."
"Es sieht so aus, als wäre der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben worden."
3) "Aber ich getraue mich nicht, das anzusprechen, weil ich dadurch selbst in Teufels Küche kommen könnte."
"Der Bischof hat sich mit seinen mißverständlichen Aussagen selbst in Teufels Küche gebracht."
4) Wenn er gesagt hat, daß du dich zum Teufel scheren sollst, wieso kommst du dann dann ausgerechnet zu mir?"
"Ich habe dir schon letztes Mal gesagt, daß du dich zum Teufel scheren sollst!"
5) "Er ist eigentlich kein träger oder fauler Mensch, gehört aber zu der Sorte, die ehrliche Arbeit scheut wie der Teufel das Weihwasser."
"Viele Politiker fürchten Volksentscheide wie der Teufel das Weihwasser."
6) "Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich den zum Teufel gewünscht habe."
"Der Trainer ist sich bewußt, daß ihn die meisten Anhänger zum Teufel wünschen."
7) "Ich werde den Teufel tun, um euch zu helfen!"
"Angesichts dieser Ausgangslage wird der VfB den Teufel tun, auf Angriff zu spielen."
8) "Sie hat zwar ein Engelsgesicht, aber auch den Teufel im Leib."
"An guten Tagen spielt er, als hätte er den Teufel im Leib."
9) "Ein Problem ist die vorherrschende Neigung, auf Teufel komm raus und ohne Rücksicht auf die längerfristigen Folgen die Personalkosten zu senken."
"Hier darf und soll auf Teufel komm raus getanzt, gelacht, gesungen und natürlich auch getrunken werden."

Zusätzliche Informationen

Um die Bandbreite teuflicher Redensarten zu veranschaulichen, sind hier noch einige Wendungen aufgelistet, deren Aufzählung/Bearbeitung im obigen Artikel denselben gesprengt hätte. Vermutlich werden Ihnen einige gänzlich unbekannt vorkommen, da man sie als veraltet und ungebräuchlich bezeichnen kann bzw. muß. Andere wiederum haben keine übertragene Bedeutung, die so wesentlich vom Wortlaut abweicht, als daß man sie näher erklären müßte.

Zum Teufel noch mal! - Teufel noch eins!:Drückt Ärger oder Ungeduld aus.
In drei Teufels Namen: Ausdruck, wenn man verärgert ist und von einer Sache endlich nichts mehr hören will.
Pfui Teufel!: Wenn etwas so ekelhaft ist/schmeckt, daß wohl nicht einmal der Teufel sich daran vergreifen würde.
Weiß der Teufel!: Wenn man etwas nicht weiß.
Der Teufel ist los: große Aufregung, großes Durcheinander
Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn...: Etwas ist sehr unwahrscheinlich.
Bei etwas hat der Teufel seine Hand im Spiel: Wenn es bei etwas ständig Probleme gibt und man bei einer Sache einfach kein Glück hat.
Der Teufel soll jemanden holen: Man wünscht jemandem, den man nicht leiden kann, alles Schlechte.
Dem Teufel ein Ohr abschwatzen (können): überaus geschwätzig sein
Dem Teufel ein Licht oder eine Kerze anzünden/aufstecken: falsche/schlechte Ziele verfolgen - einen falschen Gott (z.B. Geld) dienen
Sich den Teufel um etwas scheren: sich um etwas keine Gedanken machen, sich nicht darum kümmern
Da soll mich der Teufel holen!: Ausdruck der Überraschung oder Bekräftigung
Hinter etwas her sein wie der Teufel hinter der armen Seele: auf etwas ganz versessen sein und etwas unbedingt und um jeden Preis haben/erreichen wollen
Ein armer Teufel sein: ein bedauernswerter, unglücklicher Mensch sein - arm, mittellos sein
Des Teufels sein: nicht bei Verstand sein - verrückt//unbeherrscht sein

Schlußendlich soll noch darauf hingewiesen werden, daß der Teufel in der Not auch Fliegen frißt und nach einer gewissen Zeitspanne der organischen Verarbeitung stets auf den größten Haufen schei**. Was Sie mit diesen Lebensweisheiten anfangen, bleibt Ihnen überlassen.

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