hausen wie die Vandalen - Redensarten und Redewendungen
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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Franzsisch Englisch hausen wie die Vandalen

Bedeutung

mutwillig Schaden anrichten - etwas blindwtig zerstren - etwas verwsten - sich vllig unzivilisiert benehmen

Herkunft

Die Vandalen trugen Sandalen... Keine Ahnung. Fest steht hingegen, dass die Vandalen ein germanisches Volk waren, whrend der Vlkerwanderung die Schwche des Westrmischen Reiches ausnutzten und im Jahr 455 unter Knig Geiserich Rom einnahmen und grndlich plnderten. Schon in den vorangegangenen Jahrzehnten hatten die Vandalen andere Landstriche des Reiches geplndert, verwstet oder gleich ganz erobert (z.B. die Provinz Africa und Teile Galliens).

Dabei waren die Vandalen allerdings teilweise gleichermaen Opfer wie Tter, waren sie (und andere Stmme wie die Alanen oder Sueben) doch von den von Osten her vordringenden Goten aus ihren angestammten Gebieten verdrngt worden, weil die Goten ihrerseits von den Hunnen verscheucht worden waren. Trotzdem bten natrlich auch Reichtum und Kultur des rmischen Imperiums einen gewissen Reiz aus. Schlielich waren die Vandalen nicht die ersten, die im Rmischen Reich ihr Glck suchten. Schon seit Jahrhunderten musste sich Rom der Angriffe der "Barbaren" erwehren.

zerstrte TelefonzelleDer Vorwurf aber, die Vandalen und ihre Verbndeten htten in Rom geplndert, gemordet, gebrandschatzt und zerstrt wie sonst niemand vorher und hinterher, ist zum Teil ungerechtfertigt. Sicherlich waren die Eroberer in ihrem Drang nach Beute nicht zimperlich, doch aus der Art dessen, was damals bei der Eroberung von Stdten blich war, schlugen sie nicht. Zwar wurden der rmische Staat und die Bewohner Roms um Unmengen an Gold, Silber und sonstigen Wertgegenstnden erleichtert, aber in Sachen Bausubstanz blieb die Stadt weitgehend unversehrt. Einige antike Quellen vermitteln sogar den Eindruck, dass die Vandalen noch verhltnismig gesittet vorgegangen sind.

Dass die Rmer selbst nicht immer so gndig mit ihren Feinden umgesprungen waren, mag das Stichwort Karthago in Erinnerung rufen. Hausen wie die Vandalen erscheint in diesem Zusammenhang fast noch als Untertreibung. Wie hat es Bertolt Brecht ausgedrckt?

"Nach dem ersten Krieg war Karthago noch mchtig,
nach dem zweiten noch bewohnbar,
nach dem dritten nicht mehr auffindbar."

Wer hat nun den Vandalen den zweifelhaften Ruf verpasst, blindwtige Zerstrer zu sein, zu zerstren um des Spaes am Kleinhauen willen? Es war der Bischof von Blois, Henri Baptiste Gregoire. In seinen schriftlichen Berichten an den Konvent von Paris prangerte er 1794 mit dem Begriff Vandalismus das blindwtige Zerstren und Morden der radikalen Jakobiner whrend der Franzsischen Revolution an (Stichworte: Terrorherrschaft, Robesspierre, Knigsmord). Diese in hoher Auflage gedruckten Berichte gaben dem schon einige Zeit mit schwankender Bedeutung verwendeten Begriff Vandalismus seine endgltige inhaltliche Gestalt.

Ob der Bischof bei seinem Gleichnis tatschlich die viel zitierte, weil spektakulre, aber doch wohl einigermaen "zivilisiert" ablaufende Eroberung Roms vor Augen hatte, ist allerdings nicht unumstritten. Als Franzose knnte er sich auch gut auf die ungleich drastischeren Eroberungszge der Vandalen in Gallien zu Beginn des fnften Jahrhunderts berufen haben (wollen).

Mit dem im Lauf des 19. Jahrhundert erstarkenden nationalen Selbstbewusstsein der Deutschen wurde der Begriff Vandalismus nebst abgeleiteter Redewendung hausen wie die Vandalen regelrecht zum sprachlichen Politikum. Ein Deutscher mit rechter (im doppelten Sinne) nationaler Gesinnung konnte es nicht widerspruchslos hinnehmen, dass ein germanisches Volk einen so schlechten Ruf angehngt bekommen hatte - noch dazu von einem Franzosen! So heit es bspw. in einem Artikel der "Deutschen Zeitung" vom 21. September 1920:

"Die Wandalen waren keine gewaltttigen, rohen Ruberbanden, sondern im Gegenteil ein vornehmes, ganz besonders sittenstrenges germanisches Volk. [...] Der Schimpf ist dem Wandalennamen erst angetan worden von franzsischer Gehssigkeit. [...] Denn leider mssen wir es gerade jetzt immer wieder erleben, da auch bewut vlkische Zeitungen [...] wieder und wieder den Ehrennamen der Wandalen durch die polnischen Roheiten oder die Schandtaten der schwarzen Franzosen beschmutzen."

Verdammt starker Tobak, der selbst als rein veranschaulichendes Zitat schon grenzwertig erscheint.

Ach ja, die Vandalen ... Vom Glck verfolgt waren sie nicht. Wo immer sie Siege errangen, sich niederlieen, staatshnliche Gebilde errichteten, war ihre Ruhe nur von kurzer Dauer - ob nun in "Italien", in "Spanien" oder in Afrika. Mitte des sechsten Jahrhunderts tauchen die Vandalen letztmalig als eigenstndiges Volk in den Quellen auf. Ihr letzter Knig Gelimer starb als Gefangener des ostrmischen Kaisers.

Beispiele

"In ihrem Lager im antiken Babylon, sdlich von Bagdad, haben die us-amerikanischen Soldaten offensichtlich gehaust wie die Vandalen."
"Vollends in finanzielle Schwierigkeiten geriet er, nachdem Einbrecher in seinem Laden wie die Vandalen gewtet hatten."
"Zum rger des Vermieters hatte die alleinerziehende Mutter gehaust wie eine Vandalin."
"Hausen wie die Vandalen, das ist doch alles, was die knnen!"
"Wie die Vandalen hausten vermutlich jugendliche Einbrecher ber die Osterfeiertage in einer Bremer Schule."

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Wissenswertes

Graffiti



Genau genommen zhlt auch das schnste Graffiti als Vandalismus, sofern es ohne Einwilligung des Eigentmers des jeweiligen Untergrundes gesprht wurde. In den meisten Fllen handelt es sich bedauerlicherweise ohnehin um das fantasielose Schmieren von Namenszgen ohne jeden knstlerischen oder geistigen Anspruch und Wert. So zumindest sieht es die breite ffentlichkeit.

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