jemandem das Wasser abgraben - Redensarten und Redewendungen
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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Franzsisch Englisch jemandem das Wasser abgraben

Bedeutung

jemandem etwas entziehen - jemandes Position schwchen, ihm schaden, sein Ansehen und seinen Ruf ruinieren, seine Existenzgrundlage zerstren

Herkunft

Bild: Burg mit WassergrabenMittelalterliche Burgen, deren Bau Jahrzehnte in Anspruch nehmen konnte, mit ihren Trmen, Zugbrcken oder massiven Toren, den Steinmauern und Burggrben und anderen Verteidigungsvorrichtungen waren vor der Verbreitung von Kanonen und Mrsern nur schwer zu knacken. Oft ging das nur durch langwierige und somit kostspielige Belagerungen. Im Normallfall war es erfolgversprechender und lohnender, das Hinterland zu plndern, Beute zu machen und dadurch gleichzeitig die wirtschaftliche Grundlage des Gegners zu verheeren. Musste oder sollte aber eine Burg aus strategischen oder sonstigen Grnden eingenommen werden, erforderte das meist viel Zeit und Geld fr Bezahlung der Soldaten, Verpflegung usw. Simples Aushungern war auf der technischen und physischen Ebene zwar der schonendste Weg, verschlang aber mehr Zeit als das Erstrmen. Auerdem stieg mit der Dauer die Seuchengefahr auf Seiten der Belagerer. Kein Wunder also, dass kluge Kpfe sich Gedanken ber allerlei wunderliche Belagerungsgerte machten - sogar der geniale Knstler und Universalgelehrte Leonardo da Vinci, was schon in einem gewissen Widerspruch zum feinen Lcheln seiner berhmten Mona Lisa steht. Mit damals Furcht einflenden Fernwaffen wie den Katapulten (Reichweite je nach Bauart deutlich ber 200 Meter) konnte man zwar aus sicherer Entfernung Steine in Richtung gegnerische Burg schleudern und beachtliche Schden anrichten, die teils meterdicken Mauern aber nicht wirklich flchendeckend durchbrechen. Effektiver, allerdings auch fr die Angreifer gefhrlicher, war der Sturmangriff mit Leitern, Belagerungstrmen, Rammen und hnlichem Gert, wenn das Gelnde und die eigene Truppenstrke dies zulieen. Dabei war der metertiefe Wassergraben natrlich hinderlich. Mittels eines kleinen Kanals konnte man das Wasser ableiten, der Burg also das Wasser abgraben, und so den vorgelagerten Schutzring auer Kraft setzen. Damit war noch gar nichts gewonnen, aber wenigstens ein erstes Hindernis aus dem Weg gerumt.

Alternativ wird diese Redensart aber auch so erklrt, dass ein Mller ruiniert war, wenn der Bach, der seine Wassermhle antrieb, umgeleitet wurde.

Beispiele

"Man muss der NPD in erster Linie politisch das Wasser abgraben, erst in zweiter Linie administrative Schritte einleiten."
"Sie graben dem Spreewald und damit dem Tourismus, von dem die Menschen leben, sprichwrtlich das Wasser ab."
"Mit Beginn des neuen Modelljahres steckt jetzt wieder ein Reihensechszylinder unter der Haube, der seinem Vorgnger in allen Belangen das Wasser abgrbt."
"Denn durch den Bau des Atatrk-Staudamms in Anatolien hatte die Trkei den Syrern buchstblich das Wasser abgegraben."
"Sie erhoffen sich davon eine Belebung der Innenstadt, der sie zuvor mit der Genehmigung von Einkaufscentern auf der "grnen Wiese" selbst das Wasser abgegraben hatten."

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Wissenswertes

Burg Eltz und Trutzburg

Dieses Bild basiert auf dem Bild Burg_Eltz aus der freien Enzyklopdie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz fr freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Holger Weinandt.

Es wre falsch anzunehmen, dass alle oder auch nur die Mehrzahl der Burgen Wassergrben besessen htte. Oft - wie bspw. im oberen Bild - lie das Gelnde derartiges gar nicht zu. Bei sogenannten Hhenburgen, die durch ihren hhergelegenen Standort die Umgebung beherrschten und die durch ihre Berglage ohnehin sehr gut geschtzt waren, konnte man auf einen Graben auch getrost verzichten. Auch bei Insel- und Wasserburgen, die - wie die Namen schon vermuten lassen - durch natrliche Gewsser geschtzt wurden, wre ein Wassergraben wortwrtlich berflssig gewesen. Aber auch bei Burgen auf dem - mehr oder weniger - flachen Land gab es zwar fast immer Grben, ohne dass diese stndig mit Wasser gefllt gewesen wren. Oft wurde der Graben nur im Angriffsfall geflutet. In Friedenszeiten htte das stehende Wasser das sowieso nicht gerade gesundheitsfrdernde Burgklima weiter belastet.

Das obere Bild zeigt keinen typischen Burggraben, wie Sie sicher schon bemerkt haben. Ich habe es eingebunden, weil es eine sehr interessante Belagerungstaktik veranschaulicht: die Trutzburg. Um die gut gesicherte Burg Eltz erobern zu knnen, bauten die Truppen des Trierer Erzbischofs und Kurfrsten Balduin von Luxemburg, der seinen Herrschaftsbereich auf Kosten kleinerer Frstentmer erweitern wollte, 1331 kurzerhand die Belagerungsburg Trutzeltz (die Ruine rechts auf dem Bild). Da sie hher lag als die eigentliche Burg, konnte letztere gut unter Beschuss genommen werden. Eingenommen wurde Eltz trotzdem nicht - man einigte sich auf diplomatischem Wege.

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