Willkommen auf redensarten.net.
Übersicht     Sachgebiete     Neueinträge     Rätselbilder     Begriffskunde
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
Benutzerdefinierte Suche
 

Startseite
Aktuelles
Hinweise
Kontakt
Verlinken
Impressum Datenschutz

Werkstatt 11
dawanda.de

Phraseologie
Idiotenapostroph




Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Französisch Englisch jemandem das Wasser abgraben

Bedeutung

jemandem etwas entziehen - jemandes Position schwächen, ihm schaden, sein Ansehen und seinen Ruf ruinieren, seine Existenzgrundlage zerstören

Herkunft

Bild: Burg mit WassergrabenMittelalterliche Burgen, deren Bau Jahrzehnte in Anspruch nehmen konnte, mit ihren Türmen, Zugbrücken oder massiven Toren, den Steinmauern und Burggräben und anderen Verteidigungsvorrichtungen waren vor der Verbreitung von Kanonen und Mörsern nur schwer zu knacken. Oft ging das nur durch langwierige und somit kostspielige Belagerungen. Im Normallfall war es erfolgversprechender und lohnender, das Hinterland zu plündern, Beute zu machen und dadurch gleichzeitig die wirtschaftliche Grundlage des Gegners zu verheeren. Musste oder sollte aber eine Burg aus strategischen oder sonstigen Gründen eingenommen werden, erforderte das meist viel Zeit und Geld für Bezahlung der Soldaten, Verpflegung usw. Simples Aushungern war auf der technischen und physischen Ebene zwar der schonendste Weg, verschlang aber mehr Zeit als das Erstürmen. Außerdem stieg mit der Dauer die Seuchengefahr auf Seiten der Belagerer. Kein Wunder also, dass kluge Köpfe sich Gedanken über allerlei wunderliche Belagerungsgeräte machten - sogar der geniale Künstler und Universalgelehrte Leonardo da Vinci, was schon in einem gewissen Widerspruch zum feinen Lächeln seiner berühmten Mona Lisa steht. Mit damals Furcht einflößenden Fernwaffen wie den Katapulten (Reichweite je nach Bauart deutlich über 200 Meter) konnte man zwar aus sicherer Entfernung Steine in Richtung gegnerische Burg schleudern und beachtliche Schäden anrichten, die teils meterdicken Mauern aber nicht wirklich flächendeckend durchbrechen. Effektiver, allerdings auch für die Angreifer gefährlicher, war der Sturmangriff mit Leitern, Belagerungstürmen, Rammen und ähnlichem Gerät, wenn das Gelände und die eigene Truppenstärke dies zuließen. Dabei war der metertiefe Wassergraben natürlich hinderlich. Mittels eines kleinen Kanals konnte man das Wasser ableiten, der Burg also das Wasser abgraben, und so den vorgelagerten Schutzring außer Kraft setzen. Damit war noch gar nichts gewonnen, aber wenigstens ein erstes Hindernis aus dem Weg geräumt.

Alternativ wird diese Redensart aber auch so erklärt, dass ein Müller ruiniert war, wenn der Bach, der seine Wassermühle antrieb, umgeleitet wurde.

Beispiele

"Man muss der NPD in erster Linie politisch das Wasser abgraben, erst in zweiter Linie administrative Schritte einleiten."
"Sie graben dem Spreewald und damit dem Tourismus, von dem die Menschen leben, sprichwörtlich das Wasser ab."
"Mit Beginn des neuen Modelljahres steckt jetzt wieder ein Reihensechszylinder unter der Haube, der seinem Vorgänger in allen Belangen das Wasser abgräbt."
"Denn durch den Bau des Atatürk-Staudamms in Anatolien hatte die Türkei den Syrern buchstäblich das Wasser abgegraben."
"Sie erhoffen sich davon eine Belebung der Innenstadt, der sie zuvor mit der Genehmigung von Einkaufscentern auf der "grünen Wiese" selbst das Wasser abgegraben hatten."

Tipp: Jetzt Fan auf Facebook werden und nichts mehr verpassen! Neue Rätselbilder, Gewinnspiele, Umfragen und vieles mehr. Auch klickenswert: Werkstatt 11

Wissenswertes

Burg Eltz und Trutzburg

Dieses Bild basiert auf dem Bild Burg_Eltz aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Holger Weinandt.

Es wäre falsch anzunehmen, dass alle oder auch nur die Mehrzahl der Burgen Wassergräben besessen hätte. Oft - wie bspw. im oberen Bild - ließ das Gelände derartiges gar nicht zu. Bei sogenannten Höhenburgen, die durch ihren höhergelegenen Standort die Umgebung beherrschten und die durch ihre Berglage ohnehin sehr gut geschützt waren, konnte man auf einen Graben auch getrost verzichten. Auch bei Insel- und Wasserburgen, die - wie die Namen schon vermuten lassen - durch natürliche Gewässer geschützt wurden, wäre ein Wassergraben wortwörtlich überflüssig gewesen. Aber auch bei Burgen auf dem - mehr oder weniger - flachen Land gab es zwar fast immer Gräben, ohne dass diese ständig mit Wasser gefüllt gewesen wären. Oft wurde der Graben nur im Angriffsfall geflutet. In Friedenszeiten hätte das stehende Wasser das sowieso nicht gerade gesundheitsfördernde Burgklima weiter belastet.

Das obere Bild zeigt keinen typischen Burggraben, wie Sie sicher schon bemerkt haben. Ich habe es eingebunden, weil es eine sehr interessante Belagerungstaktik veranschaulicht: die Trutzburg. Um die gut gesicherte Burg Eltz erobern zu können, bauten die Truppen des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Balduin von Luxemburg, der seinen Herrschaftsbereich auf Kosten kleinerer Fürstentümer erweitern wollte, 1331 kurzerhand die Belagerungsburg Trutzeltz (die Ruine rechts auf dem Bild). Da sie höher lag als die eigentliche Burg, konnte letztere gut unter Beschuss genommen werden. Eingenommen wurde Eltz trotzdem nicht - man einigte sich auf diplomatischem Wege.

Redensarten mit w ÜbersichtSachgebiete