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Redensart/Redewendung

Über die Wupper gehen

Bedeutung

1) sterben; bei Gegenständen: kaputtgehen, entzweigehen, den Geist aufgeben
2) pleite/zahlungsunfähig sein - Konkurs beantragen

Herkunft

Da hätten wir erstens Über die Wupper gehen als gewissermaßen lokale Ausgabe von über den Jordan gehen.

Als im 19. Jahrhundert die an der Wupper gelegenen Städte Elberfeld und Barmen (1929 vereinigt zu Wuppertal) an Größe, Bevölkerung und Bedeutung zunahmen, stießen die bis dato beschaulichen Stadtverwaltungen und Infrastrukturen an ihre Grenzen. Zur effektiveren Bekämpfung der mit den steigenden Bevölkerungszahlen Schritt haltenden Kriminalität wurde dem 1834 eingerichteten königlich-preußischen Landgericht Elberfeld ein Neubau spendiert (1852). Dieser Neubau befand sich auf einer Insel in der Wupper, die in der Folge als Gerichtsinsel bekannt wurde. Gegenüber dem Landgericht, aber jenseits der Wupper, wurde 1864 ein neues Gefängnis errichtet, das auch für Hinrichtungen ausgerüstet war (Fallbeil). Wer am Landgericht zur schlimmsten aller Strafen verurteilt wurde, ging über die Wupper zum Richtplatz, um dort sein gewaltsames Ende zu finden.

War ein Geschäftsmann bankrott und wollte am Gericht die entsprechenden Formalitäten erledigen, mußte auch er über die Wupper gehen. Wenigstens kam er mit dem Leben davon.

Wappen der Stadt Wuppertal
Wuppertal
Demselben Strickmuster folgt eine Erklärung, die einen auf der anderen Seite des Flusses befindlichen Friedhof für die Redensart verantwortlich macht. Dies ist aber bei weitem nicht so gut dokumentiert wie Lage und Entwicklung des Landgerichtes nebst zugehörigem Gefängnis. Zudem werden Elberfeld und Barmen, die ja bis ins 20. Jahrhundert eigenständige Städte waren, jeweils über mindestens einen eigenen Friedhof verfügt haben, so daß ein Gang über die Wupper zwecks Beerdigung nicht nötig gewesen sein dürfte.

Neben geographischen Gegebenheiten mag die schon aus der Antike bekannte Neigung, den Tod als Gang über einen Fluß zu versinnbildlichen, auch eine Rolle gespielt haben. Man denke an den Acheron bzw. die Styx aus der griechischen Mythologie, über die man ins Totenreich, den Hades, gelangte. Oder an den schon erwähnten Jordan.

Spannend klingt folgende Herleitung: Nachdem der nicht eben kriegsscheue preußische "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. 1713 gekrönt worden war, ließ er (und seine Nachfolger ebenfalls) in seinem Herrschaftsbereich eine große Zahl junger Männer als Soldaten zwangsverpflichten. So auch in der Grafschaft Mark. Wer sich dem entziehen wollte, flüchtete über den Grenzfluß Wupper ins benachbarte Herzogtum Berg, wo er vor der Zwangsrekrutierung sicher war. Die Flucht aus der Heimat war immer noch besser als unter der brutalen Fuchtel preußischer Offiziere zu stehen. Schon kleinste Vergehen wurden mit scharfen Strafen geahndet. Das berüchtigte Spießrutenlaufen konnte sogar zum Tod führen. Das preußische Anwerben von Soldaten und die Art und Weise, wie dies geschah, führten 1720 zum Märkischen Aufstand. Für die Beteiligten war der Gang über die Wupper oft die letzte Möglichkeit, sich zu retten.

Dem aufmerksamen Leser wird der Widerspruch aufgefallen sein: Für die "Kriegsdienstverweigerer" bedeutete der Gang über die Wupper zwar das Exil, aber nicht den Exitus. Und pleite gingen sie dadurch auch nicht zwangsweise, wenn sie auch Hab, Gut und Arbeit zurücklassen mußten. Diese Historie paßt also nicht zu den Bedeutungen, die wir mit der Redewendung Über die Wupper gehen verbinden.

Es kursieren noch weitere Theorien, die aber alle nicht oder zumindest weniger überzeugen als die genannten. Auch so haben Sie schon die Qual der Wahl. Suchen Sie sich eine Variante aus! Und sollten Sie zufällig aus Wuppertal und Umgebung stammen, teilen Sie mir doch mit, welche Interpretation Sie bevorzugen.

Beispiele

"Wenn man Glück hat, geht die Festplatte noch in der Garantiezeit über die Wupper."
"Sein Urteil: Banken lassen es darauf ankommen, daß einige Mittelständler über die Wupper gehen"
"Wegen des von den Ex- und Hopp-Ideologen veranstalteten Trommelfeuers gegen das Dosenpfand darf der umweltschonende Traditionswerkstoff Glas nicht über die Wupper gehen."
"Natürlich gingen gerade jetzt die Batterien der Kamera über die Wupper."

Abbildung(en)

Dank der freundlichen Genehmigung des Ministeriums für Bauen und Verkehr Nordrhein-Westfalen (Bild: Herr Rainer Klenner) kann ich Ihnen zeigen, wie man ohne unangenehme Nebenwirkungen oder Absichten über die Wupper kommt, sogar über ihr dahingleitet: mit der berühmten Wuppertaler Schwebebahn. 1901 eingeweiht und somit die älteste ihrer Art, ist sie auch das sicherste Verkehrsmittel der Welt. In über 100 Jahren Betrieb gab es nur einen einzigen Unfall mit Todesfolge (1999). Und das, obwohl die Schwebebahn keine bloße Touristenattraktion ist, sondern Wuppertals wichtigstes öffentliches Verkehrsmittel.

Ein kurioser Unfall ohne derart schwerwiegende Folgen, aber mit schwer wiegender Beteiligung ereignete sich 1950. Ein Zirkusdirektor kam auf die (Schnaps?)Idee, die Schwebebahn zu Werbezwecken mit seiner jungen Elefantendame "Tuffi" eine Runde drehen zu lassen. Obwohl schon mit Schiff, Flugzeug, Straßenbahn und Auto gereist, war Tuffi von dieser Art des Transports offensichtlich nicht begeistert - laut trompetend drückte sie während der Fahrt ein Fenster des Schwebewagens ein und verabschiedete sich in Richtung Wupper. Glücklicherweise überstand sie den Sturz weitestgehend unverletzt. Der Zirkusdirektor und der Leiter der Verkehrsabteilung kamen auch glimpflich davon - beide wurden wegen fahrlässiger Transportgefährdung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Wuppertaler Schwebebahn
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