Redensart / RedewendungJemandem ein X für ein U vormachen BedeutungJemanden betrügen, belügen, hereinlegen, täuschen, ihm etwas vorgaukeln HintergrundBis ins 17. Jahrhundert war die Verwendung der römischen Zahlzeichen
weit verbreitet, obwohl die arabischen Ziffern, die wir auch heute noch
nutzen, längst bekannt waren. Ein "V" war dabei das Symbol für "fünf".
Daß man ein "V" durch Verlängerung der Linien zu einem "X" umgestalten
kann, versuchten sich findige Geldverleiher und sonstige Gläubiger zunutze
zu machen und fälschten die entsprechenden Urkunden, Schuldscheine o.ä..
Und ob man vom Schuldner fünf Golddukaten einfordern konnte oder
zehn, das machte schon einen erheblichen Unterschied.
Sie fragen sich hoffentlich (weil dann aufmerksam gelesen), wieso hier
von "V" die Rede ist, wo es doch ein X für ein U vormachen
heißt. Das liegt daran, daß die lateinische Schrift nicht zwischen V und
U unterschieden hat. Die beiden Buchstaben wurden zwar unterschiedlich
gesprochen, aber gleich geschrieben. Der berühmte Kaiser Augustus wurde
also AVGVSTVS "gemeißelt" (Kleinbuchstaben waren damals noch ungebräuchlich).
Wem die Erklärung etwas zu trocken war, dem habe ich zum Runterspülen
des Staubes noch eine "zwischenmenschliche" Deutung zu bieten.
Warum das X ein U vormacht
Kommt ein X und sagt: ich bin ein U!
Kommt ein V und fragt: wer bist denn du?
Darauf das X ganz aufgebracht:
Ein U, was hast denn du gedacht?
Meint das V: du bist nicht rund,
Noch hast du einen tiefen Schlund.
Du hast ein breites Kreuz,
auch das hat seinen Reiz!
Doch bitt' ich dich,
belüg mich nicht.
Kein U
Bist du!
Da klagt das X:
Ein X hier du erblickst.
Ganz selten nur werd' ich gefragt,
Ob ich ein Wort mit bilden mag.
Da spricht das V: das tut mir leid,
In diesem Fall, beim U verleib!
Das X ganz glücklich, ist's damit zufrieden
und seitdem statt ein X ein U geblieben.
(Wiedergabe des Gedichtes mit freundlicher Genehmigung von Frau Maike Braun) Beispiele"Will uns da jemand ein X für ein U vormachen?"
"Wenn Sie sich in Sachen Kriegsdienstverweigerung und Zivildienst in Deutschland
von selbsternannten Beratungsstellen oder Ratgebern kein X vor dem U vormachen
lassen wollen, fragen Sie ruhig beim Bundesamt für den Zivildienst nach."
"Er wirkt so nett und freundlich, daß man ihm einfach glauben muss, selbst
dann, wenn er einem ein X für ein U vormacht."
"X für ein U vormacht, wer auf Ränke ist bedacht, doch Redlichkeit nur
bringen Dir des Nächsten Liebe für und für." Abbildung(en)Zum Verständnis der folgenden kleinen Aufgaben ist es nötig, die Ausführungen
zu den römischen Zahlzeichen etwas zu vertiefen. Keine Sorge, Sie müssen
hier nicht das Latinum ablegen.
Wir beginnen mit einer Auflistung der Zahlzeichen:
I = 1
V = 5
X = 10
L = 50
C = 100
D = 500
M = 1000
Nun müssen Sie nur noch wissen, daß mittelalterliche Gelehrte die sogenannte
Substraktionsschreibweise durchgesetzt haben, nach der vier gleiche Zeichen
durch eines und das nächstgrößere Zahlzeichen ersetzt werden. Während der
Römer eine "Neun" als "VIIII" dargestellt hat, schrieb der "faule" Gelehrte
"IX" (gewissermaßen "eins vor der Zehn"). Ebenso beim Zehner, Fünfziger
usw.. 1949 sähe demnach so aus: MCMXCIX (M-1000-CM-900-XC-40-IX-9)
Diese Kenntnisse sollten ausreichen, um herauszufinden, welche Jahreszahlen auf den folgenden Bildern dargestellt sind. Viel Spaß!
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