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Redensart/Redewendung

Russisch Polnisch Italienisch Spanisch Französisch Englisch jemandem ein X für ein U vormachen

Bedeutung

jemanden betrügen/belügen/hereinlegen/täuschen - jemandem etwas vorgaukeln

Herkunft

Bis ins 17. Jahrhundert war die Verwendung der römischen Zahlzeichen weit verbreitet, obwohl die uns vertrauten arabischen Ziffern längst bekannt waren. Ein V war dabei das Zeichen für fünf, ein X stand für zehn. Dass man ein V durch Verlängerung der Linien zu einem X umgestalten kann, nutzten gierige Geschäftleute zu ihrem Vorteil. Insbesondere Wirtsleute, die die Zeche ihrer Gäste mit Kreide an eine Tafel schrieben, wurden oft dieses Betruges bezichtigt.

Sie fragen sich hoffentlich, wieso hier andauernd vom V die Rede ist, wo es doch ein X für ein U vormachen heißt. Das liegt daran, dass die lateinische Schrift nicht zwischen V und U unterschieden hat. Die beiden Buchstaben wurden zwar unterschiedlich gesprochen, aber gleich geschrieben. Der berühmte Kaiser Augustus wurde also AVGVSTVS "gemeißelt" (Kleinbuchstaben waren damals noch ungebräuchlich).

Wem die Erklärung etwas zu trocken war, dem habe ich zum Runterspülen des Staubes noch eine "zwischenmenschliche" Deutung zu bieten.

Warum das X ein U vormacht

Kommt ein X und sagt: ich bin ein U!
Kommt ein V und fragt: wer bist denn du?
Darauf das X ganz aufgebracht:
Ein U, was hast denn du gedacht?

Meint das V: du bist nicht rund,
Noch hast du einen tiefen Schlund.
Du hast ein breites Kreuz,
auch das hat seinen Reiz!

Doch bitt' ich dich,
belüg mich nicht.
Kein U
Bist du!

Da klagt das X:
Ein X hier du erblickst.
Ganz selten nur werd' ich gefragt,
Ob ich ein Wort mit bilden mag.

Da spricht das V: das tut mir leid,
In diesem Fall, beim U verleib!
Das X ganz glücklich, ist's damit zufrieden
und seitdem statt ein X ein U geblieben.

(Wiedergabe des Gedichtes mit freundlicher Genehmigung von Frau Maike Braun)

Beispiele

"Will uns da jemand ein X für ein U vormachen?"
"Wenn Sie sich in Sachen Kriegsdienstverweigerung und Zivildienst in Deutschland von selbsternannten Beratungsstellen oder Ratgebern kein X vor dem U vormachen lassen wollen, fragen Sie ruhig beim Bundesamt für den Zivildienst nach."
"Er wirkt so nett und freundlich, dass man ihm einfach glauben muss, selbst dann, wenn er einem ein X für ein U vormacht."
"X für ein U vormacht, wer auf Ränke ist bedacht, doch Redlichkeit nur bringen Dir des Nächsten Liebe für und für."

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Wissenswertes

Zum Verständnis der folgenden kleinen Aufgaben ist es nötig, die Ausführungen zu den römischen Zahlzeichen etwas zu vertiefen. Keine Sorge, Sie müssen hier nicht das Latinum ablegen.

Wir beginnen mit einer Auflistung der Zahlzeichen:

I = 1
V = 5
X = 10
L = 50
C = 100
D = 500
M = 1000

Nun müssen Sie nur noch wissen, dass mittelalterliche Gelehrte die sogenannte Substraktionsschreibweise durchgesetzt haben, nach der vier gleiche Zeichen durch eines und das nächstgrößere Zahlzeichen ersetzt werden. Während der Römer eine Neun als VIIII dargestellt hat, schrieb der "faule" Gelehrte IX (gewissermaßen "eins vor der Zehn"). Ebenso bei fünfzig, einhundert usw. 1949 sähe demnach so aus: MCMXLIX (M-1000-CM-900-XL-40-IX-9)

Diese Kenntnisse sollten ausreichen, um herauszufinden, welche Jahreszahlen auf den folgenden Bildern dargestellt sind. Viel Spaß und lassen Sie sich kein X für ein U vormachen!

Römische Jahreszahlen
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