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Sternsingen

Sollten Sternsinger ihre frohe Botschaft auch Ihnen vortragen, werden sie das erst am 6.Januar oder wenigstens um diesen Tag herum. Also eigentlich nach der Weihnachtszeit im landläufigen Sinn. (Kirchlich endet sie seit einer Neuregelung im Jahr 1970 am ersten Sonntag nach dem 6. Januar. An diesem Sonntag wird die Taufe Jesu im Jordan begangen.) Daß die Sternsinger trotzdem Würdigung im Weihnachtskalender finden, liegt in der Tatsache begründet (vom lobenswerten sozialen Engagement einmal abgesehen), daß inhaltlich ein Zusammenhang zu den gestern vorgestellten Heiligen Drei Königen besteht, die - wie gestern erläutert - sehr wohl mit Weihnachten zu tun haben. Am 6. Januar, dem Dreikönigstag, der in vielen Ländern sogar gesetzlicher Feiertag ist (u.a. in Italien, Spanien, Finnland und Österreich), wird das Dreikönigsfest gefeiert. Die (katholische) Kirche gedenkt an diesem Tag der Erscheinung des Herrn Notenblatt mit Christbaumkugel (so auch die offizielle Bezeichnung für diesen Festtag), speziell der drei Wunder Anbetung des Jesuskindes durch die drei Weisen (Könige), seiner Taufe im Jordan (erst seit 1970 ein eigenständiger kirchlicher Festtag) und seiner ersten Wundertat anläßlich einer Hochzeit zu Kana, wo Jesus Wasser in Wein verwandelt haben soll. Im Volksbrauchtum wurde der Gedenktag freilich fast ausschließlich auf die Heiligen Drei Könige reduziert.

Schon im 16. Jahrhundert zogen als die Heiligen Drei Könige verkleidete katholische Männer und Knaben von Haus zu Haus und baten um milde Gaben wie Nüsse oder Kuchen oder auch Geld. Als Gegenleistung sangen sie ein christliches Liedlein oder sagten ein ebensolches Gedicht oder Gebet auf und malten mit geweihter Kreide C+M+B, eingerahmt von der jeweiligen Jahreszahl, an Tür oder Türbalken. C, M, B steht dabei für den traditionellen Segenswunsch "Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus). C, M, B sind aber auch die Anfangsbuchstaben der durch die Bibel nicht belegten, aber schon vor Jahrhunderten erfundenen Königsnamen Caspar, Melchior und Balthasar.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts geriet das Sternsingen zusehends in Vergessenheit. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es wiederbelebt. 1946 organisierte der Pfarrer von Globasnitz (Kärnten, Österreich) ein Sternsingen, um für Bedürftige zu sammeln. In Deutschland fand ein solches Singen erstmals 1959 wieder in nennenswertem Umfang statt. Dabei kamen immerhin stattliche 90.000 DM zusammen. Von Jahr zu Jahr wurden die Zahl der Beteiligten - im Gegensatz zu früher hauptsächlich Kinder und Jugendliche - und die Summe der gesammelten Spendergelder größer. 2007 dürfen geschätzte 500.000 Jungen und Mädchen aus über 12.000 Gemeinden darauf hoffen, 30 Mio Euro oder mehr für gemeinnützige Zwecke zu sammeln. Gemeinnützigkeit hin oder her: Natürlich freuen sich die Sternsinger immer noch über süße Gaben. Warum auch nicht?! Wie heißt es landläufig: Die gute Tat belohnt sich selbst.

Und was wird eigentlich gesungen oder vorgetragen? Da eine Vielzahl an Häusern "abgeklappert" werden muß, haben die Vorträge aus verständlichen Gründen keine epischen Ausmaße. Aber Klasse geht ja bekanntlich ohnehin vor Masse. Als Beispiel mögen folgende Verslein dienen:

Mit Stern, Umhang und Kron´,
verkünden wir Gottes Sohn.
Als Kind kam er in die Welt,
wovon unsere Kunde erzählt.
Sein Kommen in dunkler Nacht,
hat Licht in die Welt gebracht.
Allen ein helles und segensreiches Jahr,
wünschen Kaspar, Melchior und Balthasar.

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