Startseite / Sagen & Fabeln / Jemanden mit Argusaugen beobachten

Jemanden mit Argusaugen beobachten

Redensart/Redewendung

jemanden/etwas mit Argusaugen beobachten/hüten/bewachenRussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch

Werbung


Bedeutung

jemanden misstrauisch/argwöhnisch/streng beobachten – etwas unaufhörlich und unermüdlich beobachten – wachsam sein – genau aufpassen – jemanden/etwas nicht aus den Augen lassen

Herkunft

Diese Redewendung führt uns in die Sagenwelt der alten Griechen. Der sehr alten Griechen, sind doch diese Sagen vor weit mehr als zweitausend Jahren entstanden.

Die Göttin Hera wachte stets eifersüchtig über ihren Mann Zeus, den mächtigsten aller Götter. Und sie hatte auch allen Grund dazu! Kaum ein Tag, an dem Zeus nicht irgendeiner Sterblichen oder Unsterblichen nachstellte. Er war dabei sehr erfinderisch und listenreich, was er auch sein musste, um seine misstrauische Gattin Hera ein ums andere Mal hinters Licht zu führen. Die war aber fast genauso schlau und mächtig wie er und kam ihrem untreuen Gatten oft genug auf die Schliche.

Auch auf die schöne Io hatte Zeus ein Auge geworfen. Doch bevor er recht zum Zuge kam, hatte Hera ihn durchschaut. Um die Geliebte vor dem Zorn der eifersüchtigen Gattin zu schützen, verwandelte er Io in eine Kuh – immerhin in eine auffallend schöne. Hera ließ sich aber nicht täuschen. Sie mimte ihrerseits die Unschuldige und Nichtswissende und erbat das schöne Tier als Geschenk, um die Nebenbuhlerin in die Finger zu bekommen. Diese Bitte konnte Zeus ihr nicht abschlagen, wollte er sich und vor allem die Geliebte nicht verraten. Er ahnte ja nicht, dass er längst durchschaut war. Hera führte die unglückliche Io von dannen und gab sie in die Obhut des Argos (lateinisch Argus), eines hundertäugigen Ungetüms. Selbst wenn das Biest schlief, blieben die meisten der Argusaugen offen und wachsam und beobachteten Io, die Kuh, unablässig. So schnell gab ein Zeus aber nicht klein bei. Er schickte den musikalisch sehr begabten Götterboten Hermes vor, der Argus mit seinem betörenden Flötenspiel einschläferte und dann – schon etwas hinterhältig – tötete.

Io war frei und floh, so schnell sie konnte. Aber um der Rachsucht einer Göttin zu entgehen, genügten auch vier Beine natürlich nicht. Erst als Zeus seiner Frau schwor, hinfort von Io abzulassen, ließ sich Hera erweichen, der unschuldigen Io ihre menschliche Gestalt zurückzugeben.[1]

Die besänftigte Hera setzte die Augen ihres getreuen Dieners Argus auf die Schwanzfedern des Pfaus. Der so von göttlicher Hand geschmückte und stolze Pfau ließ es auch nicht zu, dass sich andere Vögel mit seinen, also mit fremden Federn schmückten, wie die Krähe schmerzhaft erfahren musste. Doch das ist eine andere Geschichte…

[1] Zu den meisten Sagen gibt es verschiedene Überlieferungen und Erzählweisen. Wir folgten hier der klassisch genannten Darstellung Gustav Schwabs (1792 – 1850), dessen „Sagen des klassischen Altertums“ Sie auf Projekt Gutenberg nachschlagen können. Schwabs Erzählung beruht auf den „Metamorphosen“ des Ovid (43 v. Chr. – 17 n. Chr.). Auch die können Sie als Übersetzung im Projekt Gutenberg lesen.

Beispiele

„Seit Wochen wird Ballack mit Argusaugen beobachtet.“
„Brüssel wacht mit Argusaugen über die Einhaltung der griechischen Sparpläne.“
„Wie üblich werden die Denkmalschützer den Umbau mit Argusaugen verfolgen.“
„Sämtliche Angestellte des Tierparks hüten den so seltenen Nachwuchs mit Argusaugen.“
„Doch der Trainer weiß nur zu gut, dass gerade in Köln die Leistungen der Mannschaft – und somit auch seine – von allen Seiten mit Argusaugen beobachtet werden.“

Werbung

Jemanden mit Argusaugen beobachten
Diesen Artikel bewerten

Einen Kommentar schreiben

Ihre Email-Adresse wird natürlich nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind markiert. *

*

vier × 2 =

x

Das sollten Sie sich auch anschauen.

Wer war Krösus und wie reich war er eigentlich?

Reich wie Krösus sein - wer möchte das nicht? Allerdings war dieser sagenumwobene antike König zu gierig und führte seinen eigenen Untergang herbei.

Um des Kaisers Bart streiten

Um des Kaisers Bart lässt sich trefflich streiten. Zumindest über die Herkunft dieser Redewendung. redensarten.net streitet mit. Klicken - lesen - wissen!