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Jemandem auf den Zahn fühlen und 10 weitere bissige Redensarten

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) jemandem auf den Zahn fühlen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) nicht/kaum/nur für den hohlen Zahn reichen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch3) jemandem den Zahn ziehen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch4) mit den Zähnen knirschen – zähneknirschend
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch5) mit den Zähnen klappern
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch6) die Zähne zusammenbeißen – sich auf die Zähne beißen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch7) sich an etwas die Zähne ausbeißen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch8) die Zähne nicht auseinander bekommen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch9) die Zähne zeigen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch10) bis an die Zähne bewaffnet sein
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch11) nichts/wenig/etwas zwischen die Zähne bekommen

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Bedeutung

1) jemanden ausforschen/ausfragen – jemandes Gesinnung/Absichten/Meinung herausfinden wollen – jemanden auf seine Kenntnisse und Fähigkeiten hin überprüfen – jemanden auf die Probe stellen
2) knapp bemessen sein – sehr wenig sein – nicht ausreichen (vor allem bei Essen)
3) jemandem eine Hoffnung/Wunschvorstellung nehmen – jemanden entmutigen
4) seinen Widerwillen/Ärger/Unmut unterdrücken – etwas ungern/widerwillig tun
5) a) schreckliche Angst haben
b) fürchterlich frieren
6) a) Schmerzen/Unangenehmes tapfer ertragen – sich zusammenreißen/beherrschen/durchhalten
b) seine Wut, seinen Zorn unterdrücken
7) an etwas scheitern – eine Aufgabe nicht lösen können – keinen Erfolg haben – ein Ziel nicht erreichen (können) – trotz großer Anstrengungen eine Niederlage hinnehmen müssen
8) schweigen, wenig reden, nichts sagen – schüchtern sein
9) jemandem unerschrocken entgegentreten – Entschlossenheit demonstrieren – Widerstand leisten – sich zur Wehr setzen – sich etwas nicht gefallen lassen
10) schwer bewaffnet sein – viele Waffen mit sich führen
11) nichts/wenig/etwas zu essen bekommen

Herkunft

Beim folgenden Versuch, den Ursprung der Redewendung jemandem auf den Zahn fühlen zu ergründen, wird dem einen oder anderen etwas flau im Magen werden. Dazu braucht es nur das Stichwort Zahnarzt. Der heutigen Zahnmedizin stehen allerlei Geräte, Techniken und Mittelchen zur Verfügung, um den Patienten Schmerzen nach Möglichkeit zu ersparen. Früher gingen die Zahnärzte nicht so feinfühlig zu Werke. Wobei der Begriff Zahnärzte an sich schon eine Übertreibung ist, wenn man dabei an saubere Behandlungsräume und gut ausgebildete Fachkräfte denkt. Zahnheilkunde zählte bis ins 18. Jahrhundert nicht zu den medizinischen Künsten gelehrter Doktoren, sondern wurde „Handwerkern“ wie Badern, Barbieren oder gar dem örtlichen Hufschmied überlassen. Besonders in ländlichen Gegenden kümmerten sich umherwandernde „Doktoren“ um die gesundheitlichen Leiden
der Bevölkerung. Nicht selten bestanden die medizinischen Künste der Wundertäter vor allem darin, die eigenen Fähigkeiten, Mittel und Erfolge wie ein Marktschreier anzupreisen und so Kunden anzulocken. Wie sagt ein altes Sprichwort? Wer am besten schreien kann, der ist der beste Mann.

Aber die Leute kannten es nicht anders. Und wenn die Schmerzen stark genug waren… Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass auch der faulste Zahn äußerlich völlig unversehrt wirken kann. Dem Medicus – ob ehrlicher Mann oder Scharlatan – blieb nichts anderes übrig, als durch Befühlen und Klopfen herauszufinden, welcher Zahn die Schmerzen verursachte. Wann er den richtigen Zahn am Wickel hatte, konnte er problemlos an der Reaktion seines Kunden erkennen. Danach wurde der Zahn gezogen. Wie bitte? Örtliche Betäubung? Sie scherzen wohl… Denken Sie lieber an eine schöne, große Zange!

Doch damit war es der Qualen noch nicht genug! Die sogenannten Zahnbrecher boten ihre Künste vor allem auf Märkten an. Der Notleidende musste sich also auch noch von einer Menschenmenge beglotzen und bejohlen lassen. Der Zahnbrecher hingegen wollte Schmerzen und Angst seiner Opfer natürlich möglichst vertuschen, um nicht die Kundschaft zu vergraulen. Daher waren die Zahnbrecher oft auch geschickte Possenreißer und Schauspieler, die ihr Publikum zu unterhalten wussten. Für die entscheidenden Momenten konnte laute Musik zum Programm gehören, mit der Schmerzensschreie übertönt werden sollten.

EBild: Pferdegebissine andere Herleitung führt die Redensart auf den Pferdehandel zurück. Um auch für den klapprigsten Gaul noch einen ordentlichen Preis zu erzielen, hatte der Verkäufer einige Tricks auf Lager. So konnte er z.B. die Tage vor dem geplanten Verkauf statt der üblichen Schmalkost guten, teuren Hafer verfüttern, damit das Tier lebhafter und besser genährt wirkte. Doch der wissende Käufer untersuchte und befühlte die Zähne des Pferdes, deren Abnutzung und Beschaffenheit untrügliche Rückschlüsse auf Alter und Gesundheitszustand und somit den wirklichen Wert des Pferdes erlauben. Auf dieses Verfahren greift man noch heute zurück, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Und nun können Sie sich zweifellos auch erklären, warum man einem geschenkten Gaul nichts ins Maul schaut. Es wäre äußerst undankbar, ein Geschenk so misstrauisch zu untersuchen.

Mit den Zähnen knirschen und mit den Zähnen klappern sind biblischen Ursprungs. So findet sich das Zähneklappern mehrfach in der Lutherschen Übersetzung des Alten Testaments (z.B. AT, Matth. 8, 41-43):

Des Menschen Sohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappen. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Vermutlich hatten Sie wegen des ungewohnten Schriftbildes etwas Mühe beim Lesen. In einer sehr ähnlichen Schrift wurde 1452/54 die berühmte Gutenbergbibel gedruckt. Das allerdings noch in lateinischer Sprache. Bis zu Luthers Übersetzung mussten noch rund 80 Jahre ins Land gehen. Dem (sehr) aufmerksamen Leser wird trotzdem aufgefallen sein, dass in dieser Bibel die Zähne noch geklappt werden und nicht mit ihnen geklappert wird. Doch macht das inhaltlich keinen Unterschied.

Von der Bibel kommen wir auf den Hund. Der Vierbeiner knurrt und zeigt die Zähne, wenn er drohen und Kampfbereitschaft demonstrieren will. Als auf den Menschen bezogene Redensart ist die Zähne zeigen schon für das 16. Jahrhundert nachgewiesen.

Beispiele

1) „Im Vorfeld der Bundestagswahl wird er jeden Mittwoch einem Vertreter der großen Parteien auf den Zahn fühlen.“
2) „Laut Angabe des Herstellers reichen die Zutaten für 12 Personen – doch die bekommen dann höchstes etwas für den hohlen Zahn.“
3) „Ich wollte sie nicht verletzen, sondern ihr nur in aller Deutlichkeit den Zahn ziehen, dass ich die Sache schnell vergessen und ihr vergeben könnte.“
4) „Die Wettbewerber knirschen zwar mit den Zähnen, können aber nichts an ihrer Situation ändern.“
5) „Während die beiden Damen unkontrolliert mit den Zähnen klappern, kommt der kurzärmelige Kollege neben ihr mit den Temperaturen offensichtlich bestens zurecht.“
6) „In ein paar Wochen muss der Stubentiger erneut die Zähne zusammenbeißen, dann steht die nächste Impfung auf dem Programm.“
7) „Der Gegner soll das Spiel machen, sich an der dicht gestaffelten Abwehr seiner Mannschaft die Zähne ausbeißen und irgendwann ins offene Messer laufen.“
8) „Oma bekommt nicht einmal im Ansatz die Zähne auseinander, um sich bei einem anderen zu bedanken.“
9) „Das vermeintliche Kanonenfutter konnte wider Erwarten die Zähne zeigen und machte dem Favoriten das Leben schwer.“
10) „Noch immer ist das Land bis an die Zähne bewaffnet.“
11) „Der Kater sah aus, als hätte er schon lange nichts mehr zwischen die Zähne bekommen.“

Wissenswertes

Zahnarzt auf einem Bild von 1825

Zahnbrecher bei der Arbeit. Sieht doch nach Spaß aus, oder?

Allerdings geht es auf dieser französischen Lithografie von 1825 bereits recht gesittet zu.

Jemandem auf den Zahn fühlen und 10 weitere bissige Redensarten
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