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Gefährlich: Auf tönernen Füßen stehen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

keinen festen Stand haben – ein(e) schwache(s) Grundlage/Fundament haben – gefährdet sein – einen großen Schwachpunkt haben

Herkunft

Diese Redewendung geht auf die biblische Geschichte vom Koloss mit den tönernen Füßen zurück (Daniel 2, 1 ff).

Es war einmal, noch einiges vor unserer Zeit, ein König von Babylonien namens Nebukadnezar. Dieser hatte einen Traum, der ihn sehr beunruhigte. Daher rief er alle schlauen Leute seiner Hauptstadt Babel zusammen und befahl ihnen unter Androhung der Hinrichtung, seinen Traum zu deuten. Da er sich aber nicht mit irgendwelchem Hokuspokus über den Tisch ziehen lassen wollte, verriet er ihnen nicht, was er geträumt hatte. Vielleicht hatte er den Traum auch einfach nur vergessen, und wusste nur noch, dass es kein guter war. Jedenfalls sagte er den Wahrsagern, Sterndeutern und sonstigen Geistesgrößen, dass sie als Nachweis ihrer Befähigung seinen Traum nicht nur zu deuten, sondern ihm zunächst einmal zu erzählen hätten, was er denn eigentlich geträumt hatte. Die Befragten antworteten verständlicherweise, dass das Geforderte unmöglich zu leisten wäre und waren ob ihres nahen Todes recht verzweifelt.

Zum Glück war auch der fromme Daniel mit einigen Gefährten unter den Todeskandidaten. Um der Hinrichtung zu entgehen, baten sie Gott, ihnen zu verraten, was Nebukadnezar geträumt hatte. Und siehe, ihre Bitte ward erhört. So konnte Daniel dem König ein Licht aufstecken. Er erzählte ihm, dass er – der König – von einem Koloss geträumt habe. Dieser hatte einen Kopf aus Gold, Brust und Arme waren immerhin noch aus Silber, Bauch und Hüften aus Erz, seine Schenkel waren eiserne, seine Füße jedoch zum Teil nur aus Ton.

Aus heiterem Himmel löste sich ein Stein aus einem Berge, nahm auf seinem Weg talwärts ordentlich Fahrt auf und senste dem Koloss die empfindlichen Füße weg, so dass dieser zu Fall kam und in 1000 oder mehr Stücke barst. Der vandalistische Stein jedoch wurde zum einem die ganze Welt umspannenden Gebirge. Gemeint war damit, dass auch das stolzeste Reich (Kopf aus Gold) dem allmählichen Untergang (Füße nur noch aus Ton) geweiht sei, weil halt nur von dieser Welt. Allein das Reich Gottes, hier in Form des „Steines des Umsturzes“, werde sich ausbreiten und ewig dauern.

Dem König klappte die Kinnlade ab, er huldigte Daniel und dessen Gott und überhäufte ihn mit Ämtern, Würden und Reichtümern.

Beispiele

„Eigentlich hätte man schon vorher erkennen können oder gar müssen, dass dieses Vorhaben auf tönernen Füßen steht.“
„Oberstes Gebot ist, den auf tönernen Füßen stehenden Waffenstillstand nicht zu gefährden.“
„Das Argument, dass die Aussagen eines Angeklagten der Wahrheit entsprechen, nur weil er ein Geständnis abgelegt hat, steht jedenfalls auf tönernen Füßen.“
„Sie zeigen auf einen Schlag die Verletzlichkeit einer auf tönernen Füßen schwankenden Supermacht, die im eigenen Land Anspruch und Wirklichkeit nicht mehr in Übereinstimmung bringen kann.“
„Der bayerische Löwe hingegen mag noch lautstark brüllen; in Wahrheit aber ist er ein ramponiertes Denkmal auf tönernen Füßen.“

Wissenswertes

Der Koloss von Rhodos
Bekannter als der biblische ist wohl der Koloss von Rhodos, eines der sagenhaften Sieben Weltwunder. Noch dazu das mit der kürzesten Lebensdauer. Von den Inselbewohnern um 300 v. Chr. nach einem glücklichen Schlachtausgang zu Ehren des Sinnengottes Helios aus über 20 Tonnen Bronze errichtet und über 30 Meter hoch, brachte ein Erdbeben den Koloss schon nach etwas über 60 Jahren zu Fall. Die Überreste sollen noch Jahrhunderte von der ehemaligen Pracht gekündet haben.

Seit Jahrhunderten stellt man sich den Koloss breitbeinig als monumentale Hafeneinfahrt vor. Dabei sind weder Bildzeugnisse noch Angaben über den genauen Standort aus der Antike überliefert. Forscher bezweifeln mehrheitlich, dass der Bronzegigant in unmittelbarer Nähe des Hafens stand oder tatsächlich als Hafeneinfahrt gedient hat. Ein Argument lautet, dass im Umfeld des antiken Hafens trotz intensiver Suche keinerlei Überreste gefunden wurden.

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