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Ein Auge werfen auf zahlreiche Wendungen mit dem Sehorgan

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) ein Auge zudrücken; beide Augen zudrücken
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) wie Schuppen von den Augen fallen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch3) Tomaten auf den Augen haben
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch4) Augen wie ein Luchs haben
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch5) (große) Augen machen; die Augen aufreißen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch6) jemandem schöne Augen machen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch7) die Augen offen halten
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch8) kaum die Augen aufhalten können
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch9) mit offenen Augen schlafen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch10) die Augen schließen/zumachen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch11) etwas ins Auge fassen; etwas im Auge haben
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch12) ein Auge auf jemanden/etwas werfen/richten
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch13) ein Auge riskieren
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch14) jemanden/etwas mit den Augen verschlingen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch15) jemanden/etwas nicht aus den Augen lassen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch16) jemanden/etwas aus den Augen verlieren
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch17) jemandem etwas aufs Auge drücken
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösisch<Englisch18) wie die Faust aufs Auge passen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch19) mit einem blauen Auge davonkommen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch20) jemandem Sand in die Augen streuen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch21) jemandem ein Dorn im Auge sein
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch22) ein Auge für etwas haben
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch23) im Auge des Betrachters liegen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch24) etwas mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen

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Bedeutung

1) jemanden/etwas nachsichtig behandeln – Nachsicht üben – einen Fehler milde/wohlwollend beurteilen – über etwas hinwegsehen – auf eine Bestrafung verzichten
2) plötzlich eine Erkenntnis haben – auf einmal Zusammenhänge begreifen/durchschauen, die man bis dahin nicht verstanden hat – die Wahrheit erkennen
3) etwas Offensichtliches nicht sehen/bemerken
4) sehr gut sehen – alles bemerken
5) sich wundern – staunen – etwas nicht fassen/glauben können; sehr erstaunt sein
6) mit jemandem flirten – jemandem sein Interesse zu verstehen geben – verliebt schauen
7) genau aufpassen – sehr aufmerksam sein – Acht geben
8) sehr müde sein – sich kaum noch wach halten können
9) unaufmerksam sein – nicht aufpassen
10) sterben
11) etwas planen/anstreben/vorhaben – etwas in Betracht/Erwägung ziehen – über etwas nachdenken – sein Interesse/seine Aufmerksamkeit auf etwas richten – ein bestimmtes Ziel verfolgen
12) an jemandem/etwas Gefallen finden – sich für jemanden/etwas interessieren – jemanden/etwas beobachten/überprüfen
13) sich (heimlich) jemanden/etwas anschauen – vorsichtig auf etwas schauen, das man eigentlich nicht sehen darf/soll
14) jemanden/etwas begierig anschauen – an jemandem/etwas großen Gefallen finden
15) jemanden/etwas genau beobachten, jeder Bewegung mit den Augen folgen
16) den Kontakt zu jemandem/etwas verlieren – jemanden/etwas im Laufe der Zeit vergessen
17) jemandem etwas (Unangenehmes) aufzwingen/auferlegen/aufbürden/zuweisen
18) a) ursprünglich: überhaupt nicht/ganz und gar nicht passen
b) mittlerweile: sehr gut/ausgezeichnet/genau (zusammen)passen
19) eine gefährliche/unangenehme Situation ohne größere Schäden überstehen – eine große Gefahr mit nur kleinen Schäden/Verletzungen/Verlusten überstehen
20) jemanden täuschen/irreführen – jemandem etwas vorspielen/vormachen – jemandem falsche Tatsachen vorspiegeln
21) für jemanden unerträglich/sehr ärgerlich sein – jemanden stören/reizen
22) ein gutes Gespür/Verständnis für etwas haben – eine bestimmte Sache gut einschätzen/beurteilen können
23) vom persönlichen Geschmack abhängen
24) über etwas teils erfreut, teils traurig sein – etwas mit gemischten/zwiespältigen Gefühlen betrachten – sich bei einer Sache nicht sicher, ob man sie nun gut oder schlecht finden soll – bei einer Sache sowohl Vorteile als auch Nachteile sehen

Herkunft

Reiben Sie sich verwundert oder gar entsetzt die Augen, wie viele Redensarten unter dem Stichwort Auge aufgelistet sind? Dabei gibt es keinerlei Grund, große Augen zu machen und zu staunen. Unter den Möglichkeiten, mit denen wir Menschen die Umwelt nach klassischer Einteilung sinnlich wahrnehmen können (Schmecken, Riechen, Tasten, Hören, Sehen), genießt das Sehen zweifellos uneingeschränkten Vorrang. Unser Gehirn verarbeitet Informationen zu Bildern und ist auch bei der Informationsaufnahme sehr augenlastig. Nicht ohne Grund behauptet ein bekanntes Sprichwort, dass ein Bild mehr als 1000 Worte sagt.

Aber nicht nur den Leser fordert die Fülle des Stoffes heraus, sondern auch den Schreiberling. Der muss sich Gedanken machen über Auswahl und Anordnung. So werden im Text nur die Redewendungen aufgegriffen, die auch eine Geschichte zu erzählen wissen. Das sind bedauerlicherweise nicht sehr viele. Einige andere, die neben dem Auge auch ein anderes aussagefähiges Stichwort beinhalten, sind gewissermaßen ausgelagert. Diese Wendungen sind bereits oben in der Auflistung verlinkt. Eine Ausnahme bildet „wie Schuppen von den Augen fallen“. Doch dazu kommen wir später.

Zuerst wollen wir ein Auge zudrücken. In einem Sprichwörter-Lexikon des 19. Jahrhunderts heißt es zu dazu:

„Ueber die Entstehung dieser Redensart erzählt man: Einem einäugigen Steuerbeamten […] wurde verrathen, dass ein bedeutender Unterschleif [Unterschlagung – Anmerkung redensarten.net] beabsichtigt werde; er verdoppelte daher seinen Diensteifer. Die Waareneigenthümer liessen aber, um ihn zu täuschen, eine Ladung unbedeutender Sachen vorausgehen, die er wegnahm, dann die Hauptladung folgen, drückten ihm auf eine wirksame Weise die Hand mit
der Bitte, Ein Auge zuzudrücken, was er aus Höflichkeitsrücksichten thun zu müssen glaubte, sodass die Ware unbemerkt vorbeigelangte.“[1]

Das Standardwerk zum Thema Redensarten, der „Röhrich“, bleibt reichlich vage. Demnach sei in alten Rechtsatzungen manchmal der Richter angehalten (gewesen), zum Zeichen möglicher gnädiger Be- und Verurteilung einen einäugigen Büttel auf einem einäugigen Pferd auszusenden.[2]

Ein Auge zudrückenEin einäugiger Büttel? Ein einäugiges Pferd? Noch unglaublicher klingt die Mär vom einäugigen Steuerbeamten, der sein verbliebenes Auge auch noch zudrückt. Kann man diese Erklärungen Glauben schenken, sie für bare Münze nehmen? Man darf nicht nur ein Auge, sondern muss schon beide Augen zudrücken, will man solche Herleitungen vorbehaltlos als zutreffend annehmen. Zwar wurden in früheren Zeiten nachweislich einige sehr merkwürdig anmutende Rechtbräuche gepflegt (siehe bspw. jemandem aufs Dach steigen und jemanden zur Sau machen), aber Zweifel bleiben.

Bezeichnenderweise halten sich die Lieferanten solcher Geschichten mit Quellennachweisen sehr bedeckt. Zwar führt Jakob Grimm in seiner Sammlung von Rechtsaltertümern, auf die der Röhrich verweist, tatsächlich an einigen wenigen Stellen (allerdings nun gerade nicht auf der Seite, die der Röhrich bemüht) Einäugigkeit bei Boten und Bediensteten an. Aber wie soll aus diesen örtlich sehr begrenzten Gepflogenheiten eine Redensart geworden sein?[3] Zudem ist echte Einäugigkeit etwas anderes als ein lediglich zugedrücktes Auge. Da aber erstens eine verbürgte und zweifelsfreie Erklärung auch hier nicht geboten werden kann, und zweitens solchen Geschichten ein gewisser Unterhaltungswert innewohnt…

blaues AugeWenn irgendwo irgendwer ein oder gar zwei Augen zudrückt, gibt es wahrscheinlich auch jemanden, der mit einem blauen Auge davonkommt. Das Auge ist sehr empfindlich und liegt daher gut geschützt in den Augenhöhlen. Bei einem „Flurschaden“ ums Auge herum (blaues Auge bzw. Veilchen durch Blutergüsse), hat der Betroffene also das Glück gehabt, dass das Ganze auch ins Auge gehen können und dort einen viel größeren und vielleicht auch bleibenden Schaden angerichtet hätte.

Zahlreich sind die biblischen Wortmeldungen zum Thema Auge. Ins Auge springen/stechen/fallen, ein Auge auf etwas werfen, etwas ins Auge fassen und im Auge behalten, sich die Augen ausweinen, ein Dorn im Auge sein – all diese Redewendungen lassen sich auf Luthers Bibelübersetzung zurückführen. Bevor Ihnen aber schier endlose Bibelzitate die Tränen in die Augen treiben, soll beispielhaft die Redewendung wie Schuppen von den Augen fallen verfolgt werden.

In der Apostelgeschichte des Alten Testaments taucht auch ein gewisser Saulus auf. Als strenggläubiger Jude und eifriger Befolger religiöser und sonstiger Vorschriften/Gesetze tritt er u.a. als Verfolger der Christen in Erscheinung. Als äußeres Zeichen seiner inneren Verblendung wird er von Gott mit Blindheit geschlagen. Selbstverständlich erkennt Saulus seinen Irrtum, „und alsbald fiel es von seinen Augen wie Schuppen und er ward wieder sehend und stand auf, ließ sich taufen und nahm Speise zu sich und stärkte sich.“[4] Genauso eifrig, wie er ehedem Christen verfolgt hatte, bemühte er sich nun um die Verbreitung des Christentums. Ob das nun wirklich die große Erleuchtung war, sei Ihrem Urteil überlassen.

Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Sie wissen nun auch ungefähr, was es mit der Wandlung vom Saulus zum Paulus auf sich hat. Zu dieser Redewendung gäbe es zwar noch einiges anzumerken, aber dafür ist hier nicht der richtige Ort.

Die Redewendung mit offenen Augen schlafen kennen wir als Ausdruck für unaufmerksame Schlafmützen. Ursprünglich drückte diese Redensart aber genau das Gegenteil aus und meinte, dass jemand ganz besonders wachsam sei.[5] Dem lag die Beobachtung zugrunde, dass Hasen und Kaninchen im Schlaf die Augen nicht ganz schließen (können), weil ihre Augenlider dafür zu kurz sind. Da Hasen allgemein als sehr furchtsame Tiere gelten, schloss man aus dieser rein körperlichen Eigenart, dass die Langohren selbst im Schlaf noch ihre Umgebung beobachteten. Eine andere, in Vergessenheit geratene Redensart, die ebenfalls auf diesen Zusammenhang anspielt, lautet „den Hasenschlaf schlafen/halten“.

Die Wendung mit einem lachenden und einem weinenden Auge wird oft auf das Drama „Hamlet“ des William Shakespeare zurückgeführt. König Claudius, Bruder und Nachfolger des verstorbenen Königs Hamlet, ist durch den Mord an seinem Bruder nicht nur König geworden, sondern hat auch dessen Witwe zur Frau genommen. Natürlich kann er seine Freude nicht offen zeigen, sondern muss Trauer um den Bruder heucheln. In August Wilhelm von Schlegels klassisch genannter Übersetzung meint Claudius selbst:

„Wir haben also unsre weiland Schwester,
Jetzt unsre Königin, die hohe Wittwe
Und Erbin dieses kriegerischen Staats,
Mit unterdrückter Freude, so zu sagen,
Mit Einem heitern, Einem nassen Aug,
Mit Leichenjubel und mit Hochzeitklage,
In gleichen Schalen wägend Leid und Lust,
Zur Eh´genommen;“[6]

Shakespeares Meisterwerk hat noch mehr Sprichwörtliches zu bieten, wovon Sie sich überzeugen können, indem Sie den Artikel zur Redewendung Morgenluft wittern lesen.

[1] Wander, K. F. W.: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, F. A. Brockhaus, Leipzig 1867, Bd. 1, S. 181
[2] Vgl. Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 7. Auflage, Herder Verlag, Freiburg – Basel – Wien 1994, Bd. 1, S. 112
[3] So findet sich beispielsweise : „Ein thüringisches dorf hatte alljährlich dem 12 meilen entfernt wohnenden herrn drei dreihellers pfennige zu entrichten,
ein einäugiger reiter auf einäugigem pferd muste sie bringen…“ (Grimm, Jakob: Deutsche Rechtalterthümer, 4. Ausgabe, besorgt durch Andreas Heusler und
Rudolf Hübner, Dieterichsche Verlagsbuchhandlung Theodor Weicher, Leipzig 1899, Bd. 1, S. 533)
[4] AT, Apostelgeschichte, 9, 18 f.
[5] Der entsprechende Eintrag in einem alten Sprichwörter-Lexikon lautet: „Mit offenen Augen schlafen wie der Hase. Auf seiner Hut sein, stets wachsam sein.“ (Wander, K. F. W.: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, F. A. Brockhaus, Leipzig 1867, Bd. 1, S. 184)
[6] Schlegel, A. W. von: Shakespeare´s Hamlet, Verlag G. Reimer, Berlin 1844, S. 13 (Szene I, 2, 12)

Beispiele

1) „Kann der Polizist nicht ausnahmsweise ein Auge zudrücken?“
„Wenn sie beide Augen zudrücken, ist zu befürchten, dass die Fehler wiederholt werden.“
2)„Und da fiel es mir nicht nur wie Schuppen von den Augen, sondern auch aus dem Haar.“
3) „Allzu oft müssen sich die Schiris direkt oder durch die Blume fragen lassen, ob sie denn Tomaten auf den Augen oder gar ein Brett vor dem Kopf hätten.“
4) „Wer diese sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen finden will, muss viel Geduld und Augen wie ein Luchs haben.“
5) „Da wird meine Frau aber Augen machen!“
„Angesichts der hohen Rechnung riss sie die Augen auf.“
6) „Bisher habe ich ihr leider umsonst schöne Augen gemacht.“
7) „Verein und Fanforen wollen deshalb künftig gemeinsam die Augen offen halten, um den Rechtsextremen frühzeitig den Boden zu entziehen.“
8) „Ich zwang mich zu arbeiten, obwohl ich kaum noch die Augen aufhalten konnte.“
9) „Sagen sie mal, sie schlafen wohl mit offenen Augen?!“
10) Als jeder dachte, dass sie über den Berg sein, schloss sie doch noch die Augen.
11) „In unserer Notlage müssen wir neue Finanzierungsformen ins Auge fassen.“
12) „Es gibt einige Blogs, auf die ich regelmäßig ein Auge werfe.“
13) „Wir können uns das Haus zwar nicht leisten, aber wenigstens mal ein Auge riskieren.“
14) „Als sie bemerkte, wie ich sie förmlich mit den Augen verschlang, war mir das ausgesprochen peinlich.“
15) „Die Hundehalter sollten ihr Tier beim Spaziergang nicht aus den Augen lassen und Auslauf nur in Sichtweite zulassen.“
16) „Wir müssen sehen, dass wir nicht die Plätze vier und fünf aus den Augen verlieren.“
17) „Selbstverständlich drücken die Banken dafür ihren Kunden fette Gebühren aufs Auge.“
18) „Da passt der neuerliche Ausraster des Torwarts wie die Faust aufs Auge.“
19) „Trotz der heftigen und peinlichen Niederlage ist der Verein mit einem blauen Auge davongekommen.“
20) „Die Erfolge der letzten Saison haben dem einen oder anderen Sand in die Augen gestreut.“
21) „Wir müssen und wollen damit leben, dass wir bestimmten Kreisen ein Dorn im Auge sind.“
22) „Als guter Fotograph muss man ein Auge für Kleinigkeiten haben.“
23) „Wie will man über Dinge streiten, die im Auge des Betrachters liegen?“
24) „Das Ergebnis der Verhandlungen sehen beide Parteien mit einem lachendem und einem weinendem Auge.“

Ein Auge werfen auf zahlreiche Wendungen mit dem Sehorgan
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