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Das Kind mit dem Bade ausschütten und andere Bäder

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) etwas ausbaden müssen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) zu heiß gebadet haben – (als Kind) zu heiß gebadet worden sein
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch3) das Kind mit dem Bade ausschütten
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch4) mit/bei etwas baden gehen

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Bedeutung

1) für etwas einstehen/bezahlen/büßen/herhalten müssen – die Folgen von etwas tragen müssen –
für etwas die Verantwortung übernehmen müssen – für die Taten anderer büßen müssen
2) nicht ganz bei Verstand/Trost sein – verrückt sein
3) übereifrig sein – übereilt vorgehen – es übertreiben
4) mit etwas keinen Erfolg haben – ein Ziel nicht erreichen oder gar völlig verfehlen – (mehr oder weniger kläglich) scheitern – einen fast schon peinlichen Misserfolg landen

Herkunft

Schon die alten Griechen und erst recht die Römer hatten ein besonderes Verhältnis zum Baden. Anfangs standen neben der Hygiene die Körperertüchtigung und Abhärtung im Vordergrund und warmes Wasser galt dementsprechend als verweichlichend (außer bei Alten und Kranken). Doch im Laufe der Zeit entwickelte sich eine ausgeprägte Badekultur, die wohl zu den großen kulturellen Leistungen des Römischen Reiches gerechnet werden kann und die u.a. in technischen Meisterleistungen (Wasserbeschaffung über Aquädukte, Fußbodenheizung usw.) und prachtvollen Bauten (Badeanlagen, Thermen genannt) zum Ausdruck kam.

Ein vornehmer Römer konnte den halben Tag in den Badeanlagen (Thermen) verbringen, dabei seine Kontakte pflegen und seinen Geschäften nachgehen. Und natürlich auch seinen Körper verwöhnen (lassen). Auch der einfache Bürger sah es geradezu als Teil seiner Identität als Römer an, Zutritt zu Badeanlagen zu haben. Nicht nur kostenloses Getreide und Unterhaltung im Circus („Brot und Spiele“) hatten ihm nach der Zeitenwende die Kaiser zu ermöglichen, sondern auch Bademöglichkeiten. Die Kaiser trugen dem mit Thermen von unvorstellbarer Größe und ebensolcher Ausstattung Rechnung. Bspw. die berühmten Caracalla-Thermen, erbaut zu Beginn des dritten Jahrhunderts unter Kaiser Caracalla, nahmen einschließlich Gärten, Sporträumen usw. eine Fläche von über 100.000 Quadratmetern ein. Zum Vergleich: Eine herkömmliche moderne Schwimmhalle mit 25-Meter-Bahn dürfte kaum mehr als 2.000 Quadratmeter vereinnahmen. Weiterer Vorzug der Caracalla-Thermen: Der Eintritt war frei.

Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches gerieten die technischen und kulturellen Errungenschaften der römischen Bäder in Vergessenheit, so dass im frühen Mittelalter die Araber nach Kontakt mit den Kreuzrittern festhielten, dass es nichts Schmutzigeres gäbe als die Recken aus den christlichen Ländern. Man badete im Europa dieser Zeit wenn überhaupt, nur gelegentlich, obwohl Schwimmen eine der anerkannten ritterlichen Tugenden war. Und das unritterliche, einfache Volk erst …

Mittelalterliches Badehaus

Die Badekultur musste also erst durch den Kontakt mit den Mauren wiederbelebt werden, was für die Kirche allerdings Grund genug war, Baden erst recht als unchristlichen Luxus, als Teufelszeug geradezu, abzulehnen. Trotzdem setzte sich das Baden in öffentlichen Badehäusern allmählich wieder durch – nicht zuletzt wegen des Unterhaltungswertes und der „Geselligkeit“. Damit war es aber vorbei, als sich im 16. Jahrhundert Geschlechtskrankheiten wie die Syphilis ausbreiteten. Die Badehäuser gerieten in Verruf (nicht ganz zu Unrecht), die Meinung schlug gegen die Nützlichkeit des Badens um und die Badeanstalten wurden nicht zuletzt wegen der Ansteckungsgefahr nach und nach geschlossen. Erst im 19. Jahrhundert rückten die Vorzüge von Badeanstalten in Sachen Hygiene, Gesundheit und Körperertüchtigung wieder in der Vordergrund.

Schon dieser mehr als lückenhafte Abriss zur Geschichte der Badekultur lässt hoffentlich klar werden, dass und wieso im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Redensarten/Redewendungen zum Baden gebildet wurden – hier werden lediglich einige der bekanntesten und noch gebräuchlichen genannt.

Baden gehen z.B. können Sie nicht nur in der Schwimmhalle, im Meer oder sonst wo, sondern auch – und weitaus unangenehmer – im übertragenen Sinne, wenn Sie mit etwas scheitern, vielleicht gar noch in aller Öffentlichkeit. So erging es dem berühmten Till Eulenspiegel, mit dem diese Redensart/Redewendung in Verbindung gebracht wird. Dieser ausgesprochene Lausbube hatte schon in jungen Jahren nur Unfug im Kopf. Statt wie von der Mutter gewünscht ein Handwerk zu erlernen, übte er sich lieber in allerlei Kunststückchen wie dem Seiltanz. Als er den einigermaßen beherrschte, spannte er ein Seil vom Haus seiner Mutter über die Saale zu einem Haus auf der anderen Seite des Flusses und begann, darauf zu balancieren. Das rief natürlich eine ganze Menge Schaulustige auf den Plan. Seine Mutter hingegen wollte nicht schauen, fand solcherlei Vorführung auch nicht lustig und schnitt kurzerhand das Seil durch. Eulenspiegel fiel gewissermaßen aus allen Wolken und „ging“ unter Hohn und Spott der Umstehenden in der Saale baden. Seine Rache ließ nicht lange auf sich warten. Aber das ist eine andere Geschichte…

Alternativ soll mit baden gehen ursprünglich gemeint gewesen sein, dass man bei einer Unternehmung im Freien von einem satten Regenguss überrascht wurde.

Auch etwas ausbaden müssen war schon immer weit davon entfernt, gutes zu bedeuten… In öffentlichen Badestuben war es früher üblich, dass mehrere Personen nacheinander dasselbe Wasser zum Baden verwendeten. Der letzte in der Reihe hatte nicht nur Wasser von fragwürdiger Qualität und Temperatur, sondern musste auch noch das schmutzige Wasser ausgießen und den Zuber bzw. die Wanne reinigen. Pech gehabt, gell? Neudeutsch könnte man durchaus sagen, der letzte Badegast hatte die Arschkarte gezogen.

Sie haben offensichtlich nicht zu heiß gebadet und sind auch als Kind nicht zu heiß gebadet worden. Sonst wären Sie dem Volksmund nach kaum in der Lage, diesen Ausführungen zu folgen. Wenn Sie schon einmal Ihren Lieblingspulli deutlich zu heiß gewaschen haben und der hinterher nur noch als Puppenwäsche taugte, wissen Sie, welche Anspielung sich hinter dem zu heißen Bade verbirgt: Dass das Gehirn eingelaufen ist und an Kapazität verloren hat.

Apropos Kind: Das Kind mit dem Bade ausschütten bedeutet, daß man in blindem Eifer (mindestens) genauso viel Schaden anrichtet wie man Nutzen bringt. Wer sich diese schon seit dem frühen 16. Jahrhundert bezeugte Redensart wörtlich bzw. bildlich vorstellt, liegt richtig. Wer nach dem Baden eines Kleinkindes nicht nur das Wasser aus dem Bottich gießt, sondern das Kind gleich mit, hat zwar ein sauberes, aber vermutlich auch verletztes Kind. Dann doch lieber dreckig und gesund.

Und ein Bad in der Menge nehmen besonders gern Politiker, die ihre angebliche Volkstümlichkeit unter Beweis stellen und so ihre Beliebtheit steigern wollen – die nächsten Wahlen kommen bestimmt. Dass ab und an vom Volk Eier und Farbbeutel als „Badezusatz“ spendiert werden, gehört vermutlich zum Berufsrisiko. Natürlich können auch andere Personen des öffentlichen Lebens in der Menge baden – Sportler, Künstler …

Beispiele

1) „Denn wir sind diejenigen, die die Folgen der Verschuldung ausbaden müssen.“
„Sie haben tagtäglich auszubaden, was sich wohlmeinende Amtsinhaber zum Wohle ihrer Wähler und souverän gegenüber Fakten ausdenken.“
2) „Da bleibt nur zu vermuten, dass du als Kind zu heiß gebadet worden bist!“
„Habt ihr alle zu heiß gebadet oder was?“
3) „Wollt ihr etwa das Kind mit dem Bade ausschütten?!“
„Damit aber nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird, brauchen wir dringend weitere Fakten und Ansichten.“
4) „Wer freundliche Hinweise und Mahnungen beharrlich in den Wind schlägt, braucht sich nicht wundern, wenn er am Ende baden geht.“
„Mit seiner offensiven Aufstellung ist der Trainer fürchterlich baden gegangen – und mit ihm die Mannschaft.“

Wissenswertes

Reste der Kaiserthermen in Trier

Bild: © Alexander Bartl / PIXELIO

Überreste von Badeanlagen römischen Ursprungs gibt es natürlich nicht nur in Rom und dem heutigen Italien, sondern auf dem ganzen Gebiet des ehemaligen Römischen Reiches. Auf deutschem Boden können Sie entsprechende Ruinen z.B. in Trier (siehe Bild), Aachen und – der Name ist Programm – Baden-Baden besichtigen.

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