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Jemandem einen Bärendienst erweisen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

jemandem trotz bester Absichten durch falsche und unnütze Hilfe schaden – Gutes tun wollen, aber genau das Gegenteil erreichen – mehr schaden als nutzen

Herkunft

Der Bär, der ungeschickte Kerl … Müssten Sie Meister Petz charakterisieren, würden Sie vermutlich auch auf Vokabeln wie „drollig“, „tapsig“, aber auch „gutmütig“ zurückgreifen.

Diese verniedlichende Sichtweise ist keineswegs neu. Schon in zahlreichen alten Volkserzählungen und Fabeln wird der Bär als tollpatschiger und geistig etwas behäbiger, aber freundlich gesinnter Geselle dargestellt. Die Redensart vom Bärendienst verdanken wir einer in vielen europäischen Ländern bekannten Geschichte. Der berühmte französische Fabeldichter Jean de la Fontaine (1621 bis 1695) veröffentlichte sie als „Der Bär und der Gartenfreund“. In dieser Fabel freunden sich ein einsamer Mann und ein Bär an und sorgen füreinander. Als der Einsiedler eines Tages ein Schläfchen hält, belästigt ihn eine Fliege. Sein pelziger Freund will helfen, kann aber die lästige Fliege nicht verscheuchen. Darüber etwas erzürnt, greift er übereifrig zu drastischeren Mitteln. Er nimmt sich einen großen Stein, zielt kurz und platsch! ist die Fliege nur noch Brei. Leider trifft selbiges auf den Kopf seines Freundes zu, auf dem die Fliege gerade verweilte.

Etwas poetischer formuliert:

„Gesagt, getan: es packte der treue Fliegenwedel
einen Pflasterstein und warf ihn – hui –
die Fliege tötend, dem Mann auf den Schädel;
ein guter Schütze, doch ein schlechter Denker,
ward er dem Schläfer jäh zum Henker.
Gefährlich ist ein dummer Freund;
weit besser ist ein weiser Feind.“

(Jean de la Fontaine, Die Fabeln, Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf-Köln, 1964)

De la Fontaines Fabeln waren sehr beliebt und wurden mehrfach übersetzt – nicht nur ins Deutsche. Und so blieb es nicht beim Bärendienst, sondern dieser Dichter machte auch die Milchmädchenrechnung auf und schmückte sich sogar mit mit fremden Federn.

Beispiele

„Auch deutschstämmigen Profifußballern wäre durch eine solche Bestimmung ein Bärendienst erwiesen.“
„Der Schule wird ein Bärendienst erwiesen, wenn sich Leistungskontrollen auf wenige Fächer reduzieren.“
„Sie haben statt dessen all den sauberen Sportlern, sofern es noch welche davon gibt, den gleichen Bärendienst erwiesen wie der französische Radrennfahrer Richard Virenque.“
„Der Preis der Arbeit bleibt eine wichtige Größe, und die meisten Gewerkschaften haben ja längst erkannt, dass sie maßhalten müssen, wollen sie ihrer eigenen Klientel auf Dauer keinen Bärendienst erweisen.“

Wissenswertes

Illustration des bekannten Malers und Graphikers Gustave Doré (1832 – 1883)

Der Bär erschlägt seinen Freund

Jemandem einen Bärendienst erweisen
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