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Haben Sie den Bogen raus oder doch überspannt?

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) den Bogen überspannen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) den Bogen (he)raushaben (seltener: spitzhaben)
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch3) einen (großen) Bogen um jemanden/etwas machen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch4) jemanden im hohen Bogen hinauswerfen/rauswerfen

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Bedeutung

1) zu weit gehen – es mit etwas übertreiben; zu viel erwarten/verlangen; bei etwas rücksichtslos vorgehen und dadurch andere verärgern; ein Ziel mit zu hohem Risiko verfolgen und deshalb scheitern
2) etwas vollkommen beherrschen – eine Sache sehr gut können – eine Sache erlernt haben – wissen, wie man etwas machen/handhaben muss
3) jemandem/etwas aus dem Wege gehen – ein Zusammentreffen oder eine Berührung vermeiden
4) jemanden energisch hinauswerfen – zum Gehen zwingen; jemanden fristlos entlassen – ein Arbeitsverhältnis beenden

Herkunft

Den Bogen überspannen lässt sich ohne große Zweifel auf die seit Jahrtausenden bekannte Waffe für Jagd und Krieg zurückführen. Schon im klassischen Latein der Antike sind einige Sprüche zum Spannen eines Bogens bekannt, ganz zu schweigen von unzähligen Sprichwörtern ähnlichen Inhaltes aus dem Mittelalter (z.B. „Wer den Bogen überspannt, sprengt ihn.“ oder „Spann den Bogen nicht zu strenge, soll er halten in die Länge.“[1])

Der Redensart bzw. den Sprichwörtern liegt die Erfahrung zugrunde, dass auch der hochwertigste, kräftigste und biegsamste Bogen bricht, wenn zu stark an der Sehne gezogen wird und so auf das Holz Kräfte einwirken, denen es nicht mehr standhalten kann.

Bogen raushabenZuerst muss man sowieso den Bogen heraushaben. Grundsätzlich will der Umgang mit jeder Waffe und jedem Werkzeug gelernt sein. Einfach einen Pfeil auf die Sehne setzen und mit dem ersten Schuss ins Schwarze treffen – das klappt gewiss nicht. Nur wer nach einiger Übung den Bogen raushat, wird annähernd das treffen, worauf er zielt. Dabei gilt es insbesondere, die Entfernung richtig einzuschätzen. Mit dem Abstand zum Ziel steigt auch der Winkel, in dem der Pfeil abgeschossen werden muss. Ein Pfeil, den Sie parallel zum Erdboden auf die Reise schicken, fliegt nicht sonderlich weit. Wegen der im Vergleich mit Handfeuerwaffen recht bescheidenen Fluggeschwindigkeit des Pfeils, der auch noch schwerer und größer als eine Kugel ist, wirken sich die auf unserer Erde herrschenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten stärker aus. Man denke bspw. an Erdanziehungkraft und Luftwiderstand. Sie kennen sicherlich die alten Schinken um Robin Hood, in denen Pfeile mehr oder weniger in den Himmel geschossen werden (in hohem Bogen also), um ein weit entferntes Ziel erreichen zu können. Beim modernen Bogensport mit entsprechenden Geräten sieht das natürlich ein wenig anders aus. Allerdings beträgt die Entfernung bei großen Wettkämpfen wie den Olympischen Spielen auch „nur“ 70 Meter, während z.B. der gefürchtete englische Langbogen eine Reichweite von mehreren hundert Metern aufwies – und die wurde auch genutzt.

[1] Vgl. Wander, K.F.W.: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, F.A. Brockhaus, Leipzig 1867, Bd. 1, Spalte 424

Beispiele

1) „Im zweiten Teil erklärt der Hedge-Fonds-Manager, warum viele seiner Kollegen den Bogen überspannen.“
„Ein Mannschaftsführer darf dem Schiri auch mal ein paar kritische Worte sagen, sollte aber nie den Bogen überspannen.“
2) „Sobald man den Bogen erst einmal raushat, dauert der Zeltaufbau keine fünf Minuten.“
„Bis wir den Bogen raushaben, können Jahre vergehen.“
3) „Wegen der Krawalle machen viele Touristen einen großen Bogen um Athen.“
„Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte um diese Ausstellung lieber einen großen Bogen machen.
4) „Der Sicherheitsdienst warf die betrunkenen Störenfriede im hohen Bogen hinaus.“
„Entgegen allen Gerüchten wurde er nicht in hohem Bogen hinausgeworfen, sondern sogar befördert.“

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