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Darauf können Sie sich verlassen: Brief und Siegel

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischjemandem Brief und Siegel (auf etwas) geben

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Bedeutung

jemandem etwas fest zusichern – jemandem etwas versprechen – jemandem Gewähr für etwas bieten – sich für etwas verbürgen

Herkunft

Jeder weiß, was ein Brief ist. Aber versuchen Sie mal eine Umschreibung. Das liest sich dann in etwa so: Unter einem Brief verstehen wir umgangssprachlich und im weitesten Sinne eine zu Papier gebrachte (handschriftlich, mit Schreibmaschine, als Ausdruck…) Nachricht, die einem bestimmten Empfänger übermittelt wird. Das Überbringen erledigt immer noch weitgehend die Post.

Urkunde mit SiegelnSo oder so hatte das Wort Brief in den alten, gar nicht so guten Zeiten jedoch noch eine weitere, andere Bedeutung. Ein Brief konnte auch das sein, was wir heute als Urkunde bezeichnen. In Bezeichnungen wie Frachtbrief, Meisterbrief, Schuldbrief und einigen mehr schimmert diese Verwendung des Wortes noch durch.

Immerhin war der Brief auch in diesem Sinne ein Schriftstück, dessen Inhalt allein aber kaum mehr Wert hatte als das Papier, wenn und solange eine Beglaubigung fehlte. Eine eigenhändige Unterschrift war hierzu nicht immer erforderlich, was in Zeiten, in denen Analphabetismus selbst unter den Mächtigen weit verbreitet war, weder Anstoß noch Aufsehen erregte. Aber gerade deswegen war ein Siegel unverzichtbar. Eine Urkunde ohne Siegel hatte keinerlei Beweis- und Rechtskraft, ließ sich also im Streitfall vor Gericht nicht zum Durchsetzen von Rechten und Ansprüchen verwenden. Siegel, die erstmals vor rund 5.000 Jahren im Vorderen Orient zum Einsatz kamen, wurden im Mittelalter mit Hilfe eines Siegelstempels (auch Petschaft genannt) in Wachs geprägt. Kaiser und Päpste verwendeten zu besonderen Anlässen auch Siegel aus Gold oder Blei.

Zuerst taten die hohen weltlichen und geistlichen Herrschaften mittels Brief und Siegel ihre Gesetze und Anordnungen kund. Wenig später drückten Städte ihr wachsendes Selbstbewusstsein mit eigenen Siegeln aus, die sie unter offizielle Schriftstücke setzten bzw. an diese Urkunden mit Bändern anhängten, was gebräuchlicher war. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch selbstbewusste Bürger, Kaufleute zumeist, ihre Verträge mit Siegeln ausstatteten.

Von diesem alten Rechtsbrauch kommt auch, dass wir etwas besiegeln – im ungünstigsten Fall unser Schicksal.

Beispiele

„Die werden nie Deutscher Meister. Darauf gebe ich dir Brief und Siegel!“
„Auf eine lange Lebensdauer unserer Batterien können wir ihnen ruhigen Gewissens Brief und Siegel geben.“
„Auf die Absicht, in Zukunft besser zusammenarbeiten zu wollen, gaben sich die Streithähne Brief und Siegel.“
„Die Tinte unter den Verträgen ist trocken, so daß wir auf unsere Forderungen nun Brief und Siegel haben.“
„Darauf haben die Betreiber des Flughafens seit letzter Woche Brief und Siegel.“

Wissenswertes

Brief und Siegel

Darstellung von Brief und Siegel im Sachsenspiegel, der bedeutendsten deutschen Gesetzessammlung des Mittelalters. Die Rechtsbräuche sind nicht nur schriftlich festgehalten, sondern auch in anschaulichen Bildergeschichten, damit auch all jene, die des Lesens nicht fähig waren, Zugang hatten. Zu diesem Zweck sind die Bilder mit ganz bestimmten, sich stets wiederholenden Symbolen ausgestaltet. Jede Gewandfarbe, die Größe und Haltung der Figuren, ihre Gesten – alles hatte eine unverwechselbare Bedeutung.

Die Abbildung stammt aus einer Ausgabe des Sachsenspiegels, die sich im Besitz der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg befindet.

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