Redensart/Redewendung1) Unter einer Decke stecken
2) Sich nach der Decke strecken
3) An die Decke gehen Bedeutung 1) Mit jemandem gemeinsame Sache machen - mit jemandem
insgeheim zusammenarbeiten - mit jemandem in (geheimem) Einverständnis stehen
2) a) Eigentlich: seinen (bescheidenen) Verhältnissen entsprechend leben - mit wenig auskommen müssen - bescheiden/sparsam sein müssen - sich einschränken/haushalten müssen
b) Seltener und an sich falsch: sich anstrengen - sich Mühe geben - ein Ziel zu erreichen/verwirklichen suchen
3) Sehr wütend/zornig/erbost sein - sich aufregen/erregen - einen Wutanfall bekommen - aufbrausen
HerkunftUnter einer Decke stecken konnten zunächst einmal Braut und Bräutigam. Schon im Mittelalter war die Ehe mit all ihren rechtlichen Folgen erst vollzogen, wenn die frisch Vermählten unter Zeugen (i.d.R. nahe Verwandte)
unter die gemeinsame Decke des Ehebettes krochen. Neben der Redewendung
unter einer Decke stecken zeugen viele alte Rechtssprichwörter von der
Bedeutung dieses feierlichen Aktes, z.B. "Ist die Decke über den Kopf, sind die
Eheleute gleich reich" und "Ist das Bett beschritten, ist das Recht erstritten".[1]
Inwieweit die Zeugen auch alle dem Zudecken nachgelagerten Vorgänge bewundern durften, bleibt an dieser Stelle absichtlich ungeklärt.
Außer Ehepaaren konnten auch Waffenbrüder unter einer Decke stecken. Mittelalterliche Heldenepen beschworen Ideale wie unverbrüchliche Treue und Freundschaft. Die Edelleute überstanden Gefahren Seite an Seite oder Rücken an Rücken, teilten sich Beute und Ruhm. Wenn es sein mußte, bspw. bei Platzmangel in der Unterkunft, teilten sie sich auch das Nachtlager und schliefen unter einer Decke. Derart vertraut oder durch die Not zusammengschweißt, hält man auch in allen anderen Angelegenheiten zusammen. Eine solche Freundschaft hält ewig - oder bis eine Frau zum Zankapfel wird.
Beiden Erklärungen wohnt eine überwiegend positive Bedeutung inne, während in heutiger Zeit unter einer Decke stecken in erster Linie mit Küngelei, Vetternwirtschaft, kriminellen Machenschaften und dergleichen mehr in Verbindung gebracht wird.
Bei der Redewendung sich nach der Decke strecken werden
geschätzte 90% der Leser an eine Zimmerdecke denken, nach der es sich
zu strecken gilt. Zu diesem Zweck müßte man sich schon ziemlich lang machen.
Doch wie die Bedeutung dieser Redensart schon vermuten läßt, war und ist
genau das Gegenteil gemeint. Sich nach der Decke strecken meinte ursprünglich,
sich nur so lang machen, wie die Bettdecke reicht, damit die Füße nicht
herausschauen und frieren. Oder wie es Goethe ausgedrückt hat:
"Wer sich nicht nach der Decke streckt,
dem bleiben die Füße unbedeckt."
Womöglich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch endgültig gewandelt hat; zu nahe liegt der Gedanke an die Zimmerdecke, zu eindeutig scheint das Wort strecken. Sich nach der (Zimmer)Decke strecken im Sinne von "sich Mühe geben, sich anstrengen" paßt zu gut, als daß die Redewendung nicht so verstanden werden kann und auch wird. Es lassen sich bereits genügend Beispiele für diese inhaltlich logische, aber eigentlich falsche Verwendung finden. Es sei nur eines angeführt:
"Köln muss sich allerdings finanziell mächtig nach der Decke strecken, um das Comeback von Volksheld Prinz Poldi im Geißbock-Trikot zu bewerkstelligen."[2]
Hier wird die Redensart eindeutig im Sinne von Anstrengung, Mühe, Anspannung gebraucht.
An die Decke gehen meint zweifelsfrei die Zimmerdecke, die verhindert, daß man vor Wut noch weiter in die Luft geht. Daß es sich bei an die Decke gehen eine Ableitung von in die Luft gehen (gleiche Bedeutung) handelt, kann lediglich vermutet werden. An die Decke gehen, das bietet sich in geschlossenen Räumen an, während in die Luft gehen sich besser unter feiem Himmel macht, zumal man dabei an eine Explosion denken kann.
Erstaunlicherweise sind es des öfteren gerade vehältnismäßig junge Redewendungen, die sich einer eindeutigen Klärung ihrer Herkunft entziehen. Ein klassisches Beispiel ist die oft bemühte Arschkarte.
Bleibt zu hoffen, daß Ihnen beim Lesen des Artikels nicht vor Langeweile die Decke auf den Kopf gefallen ist. Sie müssen ja nicht gleich vor Freude an die Decke springen. Wichtig ist vor allem, daß Sie auch in Zukunft
gewissermaßen unter die Decke schauen und auskundschaften, was sich hinter und unter unseren Redewendungen verbirgt.
[1] Vgl. z.B. Graf, Eduard & Dietherr, Mathias: Deutsche Rechtssprichwörter, Verlag der C.H. Beck´schen Buchhandlung, Nördlingen 1864, S. 140
[2] Zitiert nach einem Artikel der Nachrichtenagentur Sport-Informations-Dienst (SID) vom 19.01.2009. Den ganzen Artikel kann man nachlesen auf de.fifa.com.
Beispiele1) "Was gestern erlaubt war, macht uns heute zu Kriminellen, und die stecken ja bekanntlich unter einer Decke."
"Die lokalen Regierungen, die eigentlich für Recht sorgen sollen, stecken
mit den Unternehmen oft unter einer Decke oder sind deren Besitzer."
Die Ermittler werden wohl auch weiterhin nichts finden, weil alle unter
einer Decke stecken und dichthalten."
2) "Aber das unablässig von Geldnöten geplagte Theater muß sich auch weiterhin nach der Decke strecken."
3) "Zu seinen Eigenheiten gehört, daß er verdammt schnell an die Decke gehen kann, wenn ihm etwas nicht in den Kram paßt."
"Langschläfer gehen an die Decke, wenn der Nachbar pünktlich
zum Frühstück den Rasenmäher anwirft."
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