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Jemandem den Laufpass geben

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

sich von jemandem trennen – sie/ihn abservieren/wegschicken/abweisen – eine Beziehung beenden – Schluss machen

Herkunft

Wenn Sie ihr Mitspieler beim Feierabend-Kick mit einem lang gespielten Ball auf die Reise schickt, spielt er Ihnen einen Laufpass. Wofür Sie sich herzlich „bedanken“, sollte Ihre Kondition zu wünschen übrig lassen. Der Ursprung der Redensart jemandem den Laufpass geben“ liegt aber nicht auf dem Grün, das für viele Männer die Welt bedeutet, sondern beim Militär (sicher auch nichts für Konditionsschwache).

Für einen Soldaten des 18. Jahrhunderts war der Laufpass (auch Laufzettel genannt) die amtliche Bescheinigung, dass er regulär aus dem Militärdienst entlassen worden und nicht etwa desertiert war. Im Leben nach dem Militär war der Laufpass gewissermaßen sein Ausweis.

Für den Soldaten war der Laufpass zwar etwas positives, die Redensart allerdings bekam alsbald den heute vorherrschenden negativen Beiklang. Wer im zivilen Leben seine Papiere bekommt, findet das verständlicherweise nicht so erfreulich – damals wie heute nicht.

Beispiele

„Wäre der Pfarrer von Neidlingen nicht gewesen, sie hätte dem ganzen Geschlecht den Laufpass gegeben.“
(aus „Der Schneider von Ulm“ nach Max Eyth)
„Ums Himmelwillen, Sire, schreibt ihr den Laufpass, So schnell Ihr könnt, und gebt ihr, wenn sie’s fordert, ein ganzes Königreich noch auf den Weg.“ (aus „Turandot, Prinzessin von China“ von Friedrich Schiller)
„Dann gab er seiner Geliebten Annie nach 17 Jahren den Laufpass.“
„Als sie ihm jetzt den Laufpass gibt, setzt er ihr eine Neue vor die Nase und schickt sie in die Wüste.“

Wissenswertes

Eine besondere Gruppe von Kandidaten für den Laufpass waren die im Volksmund Lange Kerls genannten Gardesoldaten des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. (der „Soldatenkönig“, gekrönt 1713). Dieser, obwohl in der Außenpolitik schon aus Geldnöten heraus nicht gerade kriegerisch, „sammelte“ für sein 1709 gegründetes „Rotes Bataillon Grenadiere“ (ab 1717 „Langes Potsdamer Königsregiment Nr. 6“) Soldaten mit Gardemaß und gutem Aussehen. Der Theorie nach mussten die Rekruten mindestens 1,88m groß sein.

Im Zusammenhang mit Friedrich Wilhelm I. steht auch die Redensart seinen Friedrich Wilhelm unter etwas setzen.

Bild: König Friedrich Wilhelm I. nimmt seine Langen Kerls in Augenschein.

Friedrich Wilhelm I. inspiziert seine Langen Kerls

Dieses Bild basiert auf dem Bild Lange Kerls aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Chris Furkert.

Jemandem den Laufpass geben
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