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Flower-Power: etwas durch die Blume sagen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

etwas nur andeuten – etwas umschreibend/verhüllend sagen – auf etwas anpielen – eine versteckte Kritik anbringen – eine unschöne/unangenehme Wahrheit vorsichtig ausdrücken

Herkunft

Wenn ein Liebender der Dame seines Herzens eine rote Rose überreicht, versteht das wohl jeder. Im allgemeinen erschöpfen sich damit jedoch die Kenntnisse über die Blumensprache. Dabei konnte und kann man viel mehr mit Blumen bzw. durch die Blume sagen. So könnte die Angebetete ebenso verschlüsselt antworten und bspw. ihre Ablehnung durch das Überreichen einer Kornblume zum Ausdruck bringen.

Insbesondere ab dem 18. Jahrhundert wurde die Blumensprache regelrecht zur Kunst erhoben. Da jede Blume ihre eigene Bedeutung hat(te), die auch noch von Farbe, Zustand (Knospe, erblüht, verwelkt) und Anzahl abhing, wurde aus einem Blumenstrauß gewissermaßen ein Brief, der noch die kleinste Gefühlsregung und Stimmung treffsicher übermittelte – vorausgesetzt, man war dieser Fremdsprache mächtig.

Zur Herkunft dieser „Geheimsprache“ heißt es in einem alten Lexikon[1]:

„Es ist bekannt, daß die Morgenländer, als Freunde der Allegorie, gern in Bildern reden und schreiben. Sie besitzen daher auch eine Kunst, ihren entfernten Freunden die geheimsten Gedanken ihrer Seele […] mitzutheilen. Diese geheime Sprache scheint von den eingekerkerten morgenländischen Frauenzimmern erfunden worden zu sein. […] Diese geheime Sprache der Orientalen besteht in der Kunst, ein Bouquet von natürlichen Blumen, die alle nach einer geheimen Bedeutung gewählt und geordnet sind, zu binden.“

Die Verbreitung des Blümelns, wie man das Sprechen mit Blumen auch nannte, in Europa wird ganz wesentlich auf die englische Schriftstellerin Mary Wortley Montagu (1689 – 1772) zurückgeführt. Diese Dame begleitete ihren Mann, einen britischen Diplomaten, auf dessen Reisen, u.a. nach Istanbul. Die dortigen Sitten und Gebräuche beschrieb sie in ihren Briefen, die als Buch herausgegeben wurden.

In unserer eigentlichen Sprache wurde unnützes schmückendes Beiwerk schon frühzeitig als Redeblumen, Blümlein oder Wortblumen bezeichnet. Dazu passt, dass schon die Römer kunstvoll gedrechselten sprachlichen Zierat als flosculus, was eigentlich mit Blümchen übersetzt wird, bezeichneten. Die Verbindung zur Floskel ist augenscheinlich.

Außer durch die Blume kann man auch etwas verblümt oder eben – und dieses Wort ist sicher geläufiger – unverblümt, also ganz offen und geradeheraus, ansprechen.

[1] Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände: Conversations-Lexikon, Bd. 1, S. 940 f., Verlag F.A. Brockhaus, Leipzig 1827

Beispiele

„Was sie von anderen halten, sagen sie oft durch die Blume.“
„Ob ich es ihr durch die Blume sage oder mit dem Holzhammer beibringen will – sie kapiert es einfach nicht.“
„Etwas so Persönliches kann ich nur durch die Blume sagen.“
„Wer Missverständnisse vermeiden will, sollte nichts durch die Blume sagen, sondern offen ansprechen, was er meint und will.“
„Viele Angestellte getrauen sich höchstens, ihre berechtigten Anliegen ganz beiläufig und durch die Blume vorzutragen.“
„Etwas durch die Blume sagen hat in Japan noch einen ganz anderen Stellenwert.“

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