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Das sollten Sie sich nicht durch die Lappen gehen lassen!

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischdurch die Lappen gehen – sich etwas durch die Lappen gehen lassen

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Bedeutung

entwischen/entkommen; sich etwas vor der Nase wegschnappen lassen – etwas schon sicher Geglaubtes doch nicht bekommen

Herkunft

Seit dem Mittelalter war die Jagd viele Jahrhunderte lang nicht nur vornehmes Privileg des Adels, sondern auch die Belustigung der Fürsten und Fürstchen schlechthin. Für so manchen Edelmann war das Arrangieren von vornehmen Jagdgesellschaften nebst den zugehörigen luxuriösen Festen der scheinbar einzige Lebensinhalt, den er sich Unsummen kosten ließ und über den er das Regieren fast gänzlich vergaß.

Lappjagd
Altes Sammelbild aus den 1920er Jahren

Damit die Treibjagd auch mit einem fürstlichen Erfolgserlebnis endete und sich möglichst viele der vornehmen Herrschaften mit Trophäen schmücken konnten, ließ man sich mancherlei einfallen. So wurden bspw. ab dem 16. Jahrhundert die Fluchtwege der Tiere eingeengt, indem man zwischen den Bäumen Seile spannte und auf diese große bunte Stofflappen hängte. Das gehetzte Wild, das sich von diesen flatternden Fetzen instinktiv fernhielt, ließ sich so von den Treibern, die selbstverständlich nicht dem Adel angehörten, direkt vor die fürstlichen Büchsen leiten. Büchste ein Tier mit dem Mute der Verzweiflung trotzdem aus, ging es den Jägern wortwörtlich durch die Lappen.

Die Lappjagd wurde aber auch auf Wölfe angewendet, weil diese scheuen und intelligenten Tiere in besonderem Maße vor allem zurückschrecken, was ihnen fremd ist oder gar nach Mensch riecht.

Ein berühmter Liebhaber der Jagd, der allerdings ohne Lappen auskam, weil vornehmlich Anhänger der Vogeljagd, war der deutsche Kaiser Friedrich II. (1194 – 1250), wegen seiner Bildung (er beherrschte mehrere Sprachen), seiner damals modern anmutenden Regierungsmethoden und seiner Ausstrahlung als Herrscher auch „stupor mundi“ (Staunen der Welt) genannt. Das von ihm verfasste Buch „De arte venandi cum avibus“ (Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen) war jahrhundertelang ein Standardwerk.

Große Freunde der Jagd – und hierbei dürfte auch die Lappjagd zum Einsatz gekommen sein – waren traditionell die sächsischen Kurfürsten. Kein Wunder also, dass im Schloß Moritzburg bei Dresden eine sehr imposante Geweihsammlung zu bestaunen ist. Darunter finden sich Kuriositäten wie ein 66-Ender und andere deformierte Geweihe.

Beispiele

„Experten schätzen, dass dem deutschen Fiskus durch den Tanktourismus rund 1,8 Milliarden Euro pro Jahr durch die Lappen gehen.“
„Wo überwacht wird, da kann etwas der Überwachung – flockig gesprochen – durch die Lappen gehen, sie austricksen, ihr auf der Nase herumtanzen, also ihrer Mechanismen sich bewusst werden und sie dadurch unterlaufen.“
„Zwar ist es denkbar, dass Genforschern Versuchsratten durch die Lappen gehen, die beim Wiedereinfangen die beachtliche Größe einer Wildsau erreicht haben, aber schön und wahrscheinlich ist diese Vorstellung nicht.“
„Und wir müssen uns fragen, ob wir bereit sind zu riskieren, dass der eine oder andere Täter durch die Lappen geht.“

Sollten Sie der Meinung sein, mir wäre im Zusammenhang mit einer Redensart eine wichtige Information
durch die Lappen gegangen, würde ich mich über eine Benachrichtigung sehr freuen.

Wissenswertes

Eine Seite aus dem berühmten Falkenbuch Friedrich II. Oben links sehen
Sie den Kaiser, rechts von ihm einen seiner geliebten Falken.

Seite aus dem berühmten Falkenbuch Friedrich II.

Bild: Uni Tübingen

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