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Eine Eselsbrücke bauen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

eine Aufgabe mit Hilfestellungen erleichtern – eine Hilfestellung geben – eine Merkhilfe geben – eine Gedächtnisstütze bieten

Herkunft

Eine Eselsbrücke ist ein Merksatz in Spruch- oder Reimform, eine Gedächtnisstütze, eine Lernhilfe, in älterer und nicht so wohlwollender Ausdrucksweise ein „Behelf für die Unwissenden“[1], „Hilfsmittel für Träge und Unbegabte, die dem Schüler Mühe und Arbeit ersparen, statt ihn zur Arbeit zu erziehen“.[2] Und ein Esel soll demnach sein, wer solche Hilfsmittel benötigt oder verwendet.

EselDer Equus asinus asinus, so die lateinische Bezeichnung des Hausesels, kommt bei den Menschen von alters her schlecht weg, obwohl er als Arbeitstier weit verbreitet war. Faul und störrisch soll er sein, dazu noch dumm und feige. Kein Mensch wäre je auf die Idee gekommen, eine Merkhilfe Pferdebrücke zu nennen, obwohl auch Pferde sehr eigenwillig daherkommen können.

Die Unterschiede zwischen Pferd und Esel dienen auch einer ersten Herleitung. Wo ein Pferd mit Anmut und Kraft über einen Graben oder Bach springt, steht ein Esel vor einem Problem.[3] Dies lässt sich trefflich auf die Menschen übertragen. Der schlaue Mensch oder Schüler – das eine schließt das andere natürlich nicht aus – begreift und merkt sich etwas sofort und ohne Mühe, wo ein nur mäßig begabter vor einem kaum zu überwindenden Hindernis steht. Also besser eine Eselsbrücke bauen, als gar nicht weiterkommen.

Verwirrung stiftet die Eselsbrücke, die ja eigentlich eine Sache einfacher machen soll, durch einen Bedeutungswandel, den das Wort durchlaufen hat. Während wir eine Eselsbrücke bauen seit über 100 Jahren als Hilfestellung kennen, bezeichnete dieses „Bauwerk“ noch früher „in einer Wissenschaft der Punkt, über den wenig befähigte Köpfe nicht hinauskommen;“.[4] Die Eselsbrücke wurde damals also nicht als eine Hilfe verstanden, um ein Hindernis zu überwinden, sondern sie selbst war das Hindernis.

EselsbrückeDer zugrundeliegende Gedanke war hier, dass es ein Ding der Unmöglichkeit sein soll, einen wasserscheuen, störrischen, letztlich dummen Esel durch einen Bach oder gar Fluss zu führen. Das Langohr weigert sich, weil es wegen der spiegelnden Wasseroberfläche nicht erkennen kann, wie tief das Wasser ist, und die Instinkte ihm Gefahr signalisieren. Man muss sich also eine Brücke in der Umgebung suchen oder gar selbst auf die Schnelle eine zimmern, um doch noch ans Ziel zu gelangen. Damit nicht genug! Angeblich geht der Esel selbst über eine Brücke nicht, wenn durch den Boden das Wasser zu sehen ist. Solches verbreitet schon der römische Gelehrte Plinius der Ältere (~23 – 79 n. Chr.) in seiner „Naturgeschichte“.[5] Dort steht auch, dass eine Eselstute für ihren Nachwuchs durch Feuer gehen würde, aber keinesfalls durch Wasser. Die Werke des Plinius waren auch im Mittelalter bekannt und so hielten sich diese Behauptungen Jahrhundert um Jahrhundert. Bspw. heißt es in der Tiergeschichte des seinerzeit sehr angesehenen Berner Gelehrten Conrad Gesner:

„Wo er über ein brück gehen sol/die luck und durchsichtig/also/daß das wasser darunder hinfliessend/gesehen werde mag/da hat man müh/sol man ihn darüber bringen.“[6]

Als erste Eselsbrücken im heutigen Sinn wurden im 19. Jahrhundert kommentierte Ausgaben von oder eigene Wörterbücher zu lateinischen Klassikern angesehen, die den Schülern das Übersetzen und Verstehen der Texte erleichterten. Solche Hilfen wurden von vielen Seiten angefeindet, weil sie als schädlich für die Entwicklung des Schülers angesehen wurden.[7]

Lediglich erwähnt sei eine Deutung, die die lateinische Eselsbrücke (pons asini bzw. pons asinorum) mit einem Werk des wohl nur Fachleuten bekannten mittelalterlichen Philosophen Johannes Buridan (1300 – 1358) in Verbindung bringt, ohne dies mit Textstellen belegen zu können.

Aber wie sieht es nun mit den Eigenheiten eines Esels aus? Es wird sicher nie einen Esel geben, der Einsteins Theorien ins Wanken bringt, aber dumm sind Esel deswegen noch lange nicht. Sie sind ähnlich gelehrig wie Pferde. Ob ein Esel störrisch ist oder nicht, liegt in Abhängigkeit vom Charakter des einzelnen Tieres im Auge des Betrachters. Ein Esel weiß, was er will, und erst recht, was er nicht will. Durch einen Bach zu waten, fällt tatsächlich in die Kategorie „daran denke ich nicht im Traum“. Der Esel ist ein sehr vorsichtiges Tier und läßt sich in der Tat von der spiegelnden Wasseroberfläche verunsichern. Ohne Brücke ist am Ufer Endstelle.

Weil es die Eselsche Abneigung gegen Wasser wunderbar veranschaulicht und auch sonst eine gelungene Erklärung der Redensart bietet, sei auf ein Video auf youtube.com verwiesen. Es handelt sich dabei um einen Ausschnitt aus der ZDF-Sendung „Das will ich wissen“ aus dem Jahr 2009: Eselsbrücke

Eine andere, etwas „handgreiflichere“ Form der Merkhilfe ist der Denkzettel.

[1] Eintrag Eselsbrücke in der von der Uni Trier digitalisierten Oekonomischen Encyklopädie des Johann Georg Krünitz, erschienen zwischen 1773 und 1858 in sagenhaften 242 Bänden. (Ein direkter Verweis auf den Artikel ist aus technischen Gründen leider nicht möglich.)
[2] Meyers Großes Konservations-Lexikon, 6. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1906, Bd. 6, S. 105
[3] „Von den Nothbehelfen derer, die ein Erleichterungs- oder Hülfsmittel anzuwenden nicht verschmähen, das von Nutzen sein kann, eine Schwierigkeit zu überwinden; daher, weil der Esel sich nicht wie das Pferd über Gräben und Bäche zu helfen weiss.“ (Wander, K. F. W.: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, F. A. Brockhaus, Leipzig 1867, Bd. 1, Spalte 880)
[4] Herders Conversations-Lexikon, Herder´sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau 1854, Bd 2, S. 610
[5] Vgl. Naturalis Historia, 8, 68
[6] Forer, Conrad: Thierbuch, Das ist Außführliche beschreibung und lebendige… Heidelberg 1606, Doppelseite 40 ff. (Überarbeitung bzw. Übersetzung der zwischen 1551 und 1558
erschienenen, vierbändigen „Historia animalium“ des Conrad Gesner)
[7] „Eselsbrücken werden auf der anderen Seite immer mehr für Schüler erfunden, daß sie sich ihr Köpfchen nicht zerbrechen müssen,
wenn man z. B., wie es nach und nach geschieht, für jeden Classiker ein eigenes Wörterbuch herausgibt.“ (Medicus, Dr. Wilhelm: Die Naturgeschichte nach
Wort und Spruch des Volkes, C. H. Beck´sche Buchhandlung, Nördlingen 1867, S. 48)

Beispiele

„Ich habe mir einige Seiten im Internet angeschaut und wohl auch halbwegs verstanden, konnte mir aber leider keine Eselsbrücke bauen.“
„Bauen Sie sich Eselsbrücken, wo immer es geht.“
„Man kann sich das aber leicht merken, wenn man sich die passende Eselsbrücke baut.“
„Bis Du dir die ganzen Eselsbrücken gebaut hast, hast du die Vokabeln auch einfach auswendig gelernt.“
„Selbst für kleine Gedächtnislücken hat sich der menschliche Erfindungsgeist Eselsbrücken gebaut.“

Wissenswertes

Einige Beispiele für Eselsbrücken:

– Zeit = seit (zur Verwendung von seid oder seit)
– 7-5-3 – Rom schlüpft aus dem Ei. (zur sagenumwobenen Gründung Roms 753 v. Chr.)
Lass Caesar das machen! (zur Reihenfolge der römischen Zahlzeichen: L=50, C=100, D=500, M=1.000)
Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel. (zur Reihenfolge der Planeten: Merkur – Venus – Erde – Mars – Jupiter – Saturn – Uran – Neptun; womöglich kennen Sie das Ende „unsere neun Planeten“, aber der Pluto gilt mittlerweile nicht mehr als Planet)
– Im Frühjahr stellt man die Gartenmöbel vor die Tür, im Herbst stellt man sie zurück in den Schuppen. (zur Zeitumstellung und der leidigen Frage, ob man die Uhren eine Stunde vor oder zurück stellen muss)
– Ist das Mädchen brav, bleibt der Bauch konkav, wird der Bauch konvex, hatte es wohl Sex. (zur Wölbungsrichtung bei konkav und konvex)

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