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Nicht viel Federlesen machen

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischnicht viel Federlesen(s) machen – ohne langes Federlesen – kein großes Federlesen

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Bedeutung

Nicht viel Umstände machen – gleich zur Sache kommen – sich nicht mit Förmlichkeiten aufhalten – keine Rücksicht nehmen – beherzt vorgehen; ohne große Umstände/Umschweife

Herkunft

Im Mittelalter galt es als Schmeichelei und Kriecherei, höhergestellten Personen Federchen und was sonst noch so in der Luft herumschwirrte und auf den kostbaren Gewändern der hohen Herren landete, von den Kleidern zu lesen. Diese unsympathische Katzbuckelei erregte schon damals oft Anstoß (u.a. bei Luther) und wurde schnell sprichwörtlich. Später kam hinzu, dass übertriebene Reinlichkeit, also Federlesen an der eigenen Kleidung, als unnütz, närrisch und übertrieben angesehen wurde. Ohne Stadtreinigung, Staubsauger und dergleichen war es mit unverhältnismäßig großem Aufwand verbunden, stets wie aus dem Ei gepellt daherzukommen.

Allerdings kann man die Redewendung jemandem die Federn lesen (auch: klauben) als veraltet und längst ungebräuchlich oder gar unverständlich bezeichnen. Im Sprachschatz verblieben ist einzig die verneinte Form nicht viel Federlesen machen.

Eine Anmerkung zu den Feinheiten der deutschen Sprache, vor denen auch Redensarten nicht immer verschont bleiben: Es kann sowohl nicht viel Federlesens machen als auch nicht viel Federlesen heißen. Gegen den Genitiv nach viel gibt es nichts einzuwenden. Anders verhält es sich bei den Abwandlungen langes oder großes Federlesen. Unter grammatischen Gesichtspunkten ist dort die Verwendung des Genitivs schlicht und ergreifend falsch.

Falls Ihnen bei der Erklärung des Federlesens ein derbes, zeitgemäßeres Wort für einen solchen dienstbeflissenen Menschen in den Sinn gekommen ist: Sie sind nicht allein.

Wer sich Federn lesen lässt, hat vermutlich auch keine Bedenken, sich mit fremden Federn zu schmücken.

Beispiele

„In solchen Situationen darf die Polizei nicht viel Federlesens machen, will sie Herr der Lage werden und bleiben.“
„Der Weltmeister machte mit seinem Gegner nicht viel Federlesen, und schon in der dritten Runde war das – wenn man es überhaupt so nennen kann – Kräftemessen vorbei.“
„Ich selbst brachte es nie übers Herz, die Gänse zu schlachten; mein Bruder hingegen machte da nicht viel Federlesens.“
„Der Vertrag kam viel schneller als erwartet zustande und ohne großes Federlesen.“
„Da gab es kein langes Federlesen, kein Zögern und Zaudern.“

Wissenswertes

Faltenstreicher und Federleser

Dieser alte Holzstich aus dem 16. Jahrhundert stellt Sehvermögen und Vorstellungskraft gehörig auf die Probe. Zwei Schmeichler kümmern sich um einen reichen und vornehmen Bürger. Die Person rechts streicht dem Patrizier mit einem Halm Honig ums Maul. Deswegen schwirren auch die ganzen Fliegen, die weitere Schmarotzer versinnbildlichen, um den Kopf des Mannes. Uns interessiert mehr die Person links. Mit der einen Hand streicht er über den Rücken des vornehmen Herren, um Falten in dem kostbaren Gewand zu glätten, mit der anderen Hand liest er Federn vom Boden auf, damit die gar nicht erst auf die Kleidung gelangen können.

Nicht viel Federlesen machen
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