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Jemanden im Stich lassen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

jemandem in einer Notsituation nicht helfen – jemanden in einer schwierigen Lage verlassen – jemanden in einer Gefahr zurücklassen – jemanden seinem Schicksal überlassen;
bei Gegenständen: gerade dann versagen, wenn es darauf ankommt – in einem entscheidenden Moment nicht funktionieren – kaputtgehen – (überhaupt) nicht (mehr) funktionieren

Herkunft

Von mehreren Erklärungen zum Ursprung dieser Redensart, die im 15. Jahrhundert erstmalig auftaucht, klingt die am glaubwürdigsten, die sich auf das Turnierwesen bezieht. Wer im Kampf seinen Gefährten von der Seite wich, ließ diese im Stich des Gegners. In diesem Fall musste der Panzer des/der Verbliebenen schon besonders hieb- und stichfest sein… Allerdings kommt jemanden im Stich lassen wohl weniger aus dem Umfeld der Ritterturniere, sondern eher von den städtischen Kampfspielen, mit denen man die ritterliche Turnierwelt nachzuahmen versuchte – ein Ausdruck wachsenden bürgerlichen Selbstbewusstseins. Ein Beispiel hierfür ist das Fischerstechen, bei dem es gilt, den gegnerischen „Stecher“ mit der Lanze vom Boot ins Wasser zu befördern. Ein Spektakel, das u.a. in Ulm, Bamberg und Cannstatt immer noch jede Menge Schaulustige anzieht.

Selbst später, als die Wettkämpfe mit stechen im Sinne von zustechen nichts mehr zu tun hatten, fand der Begriff weiter Verwendung. Waren bei einem Schützenturnier zwei Teilnehmer gleichauf, wurde der Sieger durch ein Stechen ermittelt. In einigen Sportarten, z.B. dem Springreiten, gehört das Stechen immer noch zum Wettkampfgeschehen. Wer Skat spielt, weiß, dass sich auch Kartenspieler der Begriffe Stich und stechen bedienen. Stichwahlen kennt sicherlich jedermann. Es ließen sich noch weitere Beispiele finden …

Eine weitere Bedeutung dieser Begriffsgruppe liefert schon Luther, der klagt: „Denn viele lassen sich mit Gelde stechen, und es bewegt wohl auch der Könige Herz.“ Gemeint ist natürlich die Bestechung – „Bakschisch“ ist wahrlich keine Erfindung der Moderne (Gebessert hat sich wohl aber auch nichts.).

Glauben Sie nicht, das sei schon alles! Denken Sie an Stich halten (eine Probe oder Prüfung bestehen), einen Stich haben (verrückt sein, bei Sachen wie Milch, Eintopf o.ä. schlecht sein), jemandem einen Stich versetzen/geben (ihn verletzen),

Ich hoffe, meine Darlegungen waren stichhaltig genug.

Beispiele

„Wir wollen zeigen, dass wir die Leute hier nicht im Stich lassen, und wollen da sein, um im Notfall sofort reagieren zu können.“
„Sie können sich darauf verlassen, dass Sie hier nicht im Stich gelassen werden.“
„Jetzt pries man die Bettler glücklich, welche Vaterland und Güter in Stich gelassen, um nichts als Athem und Freiheit zu retten. (aus „Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande“ von Friedrich Schiller)
„Den freien Künstler darf man loben, man kann an seinen Vorzügen Gefallen finden, wenngleich seine Arbeit bei näherer Untersuchung nicht Stich hält.“ (aus „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ von Goethe)
„Du musst doch einen Stich haben?!“
„Und jedesmal gibt es dem rührigen Manne einen Stich und erinnert ihn an die schlimmste Enttäuschung seines Lebens.“
„Aber nicht überall stechen diese Argumente.“

Wissenswertes

Besonders traditionsreich ist das Ulmer Fischerstechen, dessen Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden können. In historischen Kostümen und Zillen (so heißen die Boote) stehen sich auch schon mal die Bürgermeister von Ulm und Neu-Ulm gegenüber. Aber es gab und gibt – zumindest den Verkleidungen nach – wesentlich prominentere Teilnehmer, weil seit Jahrzehnten Persönlichkeiten eingebunden werden, die im Zusammenhang mit der Geschichte der Stadt Ulm stehen. So gaben sich bspw. schon der berühmte Feldherr Albrecht von Wallenstein und der legendäre Schneider von Ulm („Flugpionier“) die Ehre.

Badengehen beim Ulmer Fischerstechen

Vielen Dank an Herrn Wolfgang Schlaifer für das gelungene Foto.

Jemanden im Stich lassen
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