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Das geht auf keine Kuhhaut! (aber in diesen Artikel)

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischauf keine Kuhhaut gehen – Das geht auf keine Kuhhaut!

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Bedeutung

unerhört/untragbar sein – jegliches Maß übersteigen – die Grenze des Zumutbaren überschreiten – zu weit gehen – nicht zu überbieten sein

Herkunft

Kuh„Das geht auf keine Kuhhaut“ lautet u.a. der Titel eines Buches über Redensarten von Kurt Krüger-Lorenzen. Schon aus diesem Grund ist diese Redewendung mit einem besonderen Prestige versehen und darf nicht länger auf redensarten.net fehlen, auch wenn sie gar nicht so häufig verwendet wird, nimmt man die Trefferzahl auf Suchmaschinen zum Maßstab. Was also hat es mit diesem ganz besonderen Platzmangel auf sich? Was soll warum ausgerechnet auf keine Kuhhaut gehen?!

Unserer Redensart liegt die mittelalterliche Vorstellung zugrunde, die Teufel würden die Missetaten und Verfehlungen der Menschen aufschreiben, um nach deren Tod über Beweismaterial beim Kampf um die Seele zu verfügen.

auf keine Kuhhaut
Bild: Fb78 @ wikipedia.de

Eines von mehreren Geschichtlein um diese Vorstellung zeigt eine Wandmalerei aus dem 14. Jahrhundert in der Sankt-Georg-Kirche in Oberzell (auf der Insel Reichenau, Bodensee). Vier Teufel zerren an einer Tierhaut, während ein fünfter weiteres sinnloses Geschwätz der beiden Damen im Hintergrund auf der schon vollgeschriebenen Haut unterzubringen sucht. Die Damen schwatzen in der Kirche über belangloses Zeug, anstatt demütig in sich zu gehen oder andächtig der Predigt zu lauschen. Das wird wohl ein böses Ende nehmen.

Worauf wurde im Mittelalter geschrieben? Richtig, auf Pergament. Das billiger und in größeren Mengen herstellbare Papier hielt nicht vor dem 12. Jahrhundert in Europa Einzug und brauchte dann noch einige Jahrhunderte, um sich zu verbreiten und dem Pergament als wichtigstem Beschreibstoff den Rang abzulaufen.

Pergament wurde seit dem Altertum aus Tierhäuten hergestellt, die dazu gewässert, mit Kalklösung behandelt, von den Haaren befreit und gereinigt, gespannt, getrocknet und zugeschnitten wurden. Im Normalfall mussten dafür Kälber, Schafe oder auch Ziegen herhalten. In unserer Redewendung ist allerdings von einer Kuhhaut die Rede, die eine viel größere Fläche bietet als bspw. die Haut eines Hammels. Es sind der Sünden so viele, dass sie noch nicht einmal auf eine Kuhhaut passen, wiewohl die schon so groß ist.

Beispiele

„Welchen Unsinn die Funktionäre während dieser Zeit veranstaltet haben, geht auf keine Kuhhaut.“
„Was sich dieser Mensch in den letzten Wochen erlaubt hat, geht wirklich auf keine Kuhhaut.“
„Die vergebenen Chancen passen auf keine Kuhhaut mehr.“
„Die Liste an Unverschämtheiten ist so lang, dass die sprichwörtliche Kuhhaut nicht mehr ausreichen würde.“
„Der liebe Vater Staat schröpft uns, dass es auf keine Kuhhaut mehr geht.“
„Was der arme Kerl sich anhören muss, geht auf keine Kuhhaut!“

Wissenswertes

Pergament

Pergamentherstellung im 16. Jahrhundert

Seinen Namen verdankt das Pergament der antiken Stadt Pergamon (heutige Türkei). Deren König Eumenes II. wollte im zweiten vorchristlichen Jahrhundert eine Bibliothek aufbauen, die es mit der weltberühmten Bibo in Alexandria aufnehmen konnte. Damit war der ägyptische König verständlicherweise nicht ganz einverstanden und verbot kurzerhand die Ausfuhr von Papyrus, das nur in Ägypten hergestellt werden konnte, nach Pergamon. Not macht bekanntlich erfinderisch. Die Pergamener erfanden zwar das Pergament nicht, verfeinerten aber seine Herstellung und betrieben die Herstellung als erste in großen Mengen.

Als kaum 100 Jahre später (48/47 v. Chr.) die Alexandrinische Bibliothek zum ersten und nicht letzten Mal durch Krieg und Feuer in Mitleidenschaft gezogen wurde, hatte sich die politische Wetterlage so sehr geändert, dass Pergamon – längst unter römischer Herrschaft stehend – angeblich seine eigene Schriftensammlung der ägyptischen Königin Kleopatra schenkte.

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