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Maulaffen feilhalten

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischMaulaffen feilhalten (feilbieten/feilhaben)

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Bedeutung

staunen und dabei dümmlich aussehen – mit vor Staunen offenem Mund herumstehen – etwas mit offenem Munde bewundern; dumm herumstehen, ohne etwas zu tun – untätig in der Gegend umherschauen

Herkunft

Schon seit dem Mittelalter kennt man Maulaffen als Halterungen für brennende Kienspäne, der oft einzigen Lichtquelle. Und fast genauso lange bezeichnet Maulaffe auch einen dummen Menschen, der alles mit offenem Munde bewundert.

Früher hat man Maulaffen feilhalten aus dem Plattdeutschen ableiten wollen, und zwar aus der Wendung dat mul apen hollen (das Maul offen halten). Die ähnliche Bedeutung beider Redensarten legt eine Verwandtschaft auch recht nahe. Noch dazu werden Affen auf Platt Apen genannt.

Der Haken an der Sache ist, dass es Maulaffen feilhalten in dieser Mundart selbst gibt – Mulapen verköpen (Maulaffen verkaufen). Daher lehnen neuere Werke zum Thema Redensarten diese Herleitung ab. Statt des Plattdeutschen wird die mittelalterliche Beleuchtungstechnik bemüht. Genauer gesagt der brennende Kienspan, der als Beleuchtung ausreichen musste, wenn das Geld für damals teure Kerzen nicht ausreichte. Diese Kienspäne konnte man auch zwischen den Zähnen halten, wenn man die Hände gerade für etwas Anderes brauchte. Doch für gewöhnlich legte man den Kienspan auf einer Halterung aus Ton ab. Es war naheliegend, diese Halterungen als menschliche Köpfe mit aufgerissenem Mund zu gestalten und ihnen die Kienspäne in selbigen zu schieben. Solch ein Kopf wurde je nach Gegend und Mundart u.a. als Maulauf, Maulaffe oder Gähnaffe bezeichnet.[1]

Bleibt noch das feilhalten zu klären. Man kann die Maulaffen ebenso feilbieten oder feilhaben. Alle drei Begriffe meinen so viel wie etwas zum Verkauf anbieten, verkaufen wollen. Und genau das ist es, was man mit den Gefäßen auf Märkten getan haben wird: sie zum Verkauf anbieten.

Falls Sie sich nichts unter einem Kienspan vorstellen können: Das ist ein schmales, länglichen Stück Holz, am besten mit einem hohen Harzanteil. Über Jahrtausende waren diese Kienspäne für die unteren Bevölkerungsschichten die einzige erschwingliche Lichtquelle – neben dem Tageslicht natürlich.

[1] Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 7. Auflage, Herder Verlag, Freiburg – Basel – Wien 1994, Bd. 2, S. 1011 f.

Beispiele

„Die Alte konnte nichts Anderes als Maulaffen feilhalten und sich das Maul zerreißen.“
„Wo immer sie auftaucht, stehen Männer reihenweise herum und bieten Maulaffen feil.“
„Steh nicht da und halt Maulaffen feil, sondern fass lieber mit an!“
„Bei jedem Unfall taucht der Typ Maulaffe auf, der gaffend dabei steht und nutzlose Kommentare von sich gibt.“

Wissenswertes

Bild: Kienspäne

Das Bild aus dem 16. Jahrhundert zeigt Mann und Frau, die Kienspäne mit dem Mund halten, weil sie die Hände zum Tragen bzw. Arbeiten brauchen. Aus der Sammlung des Lars Henriksson.

Maulaffen feilhalten
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