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Perlen vor die Säue werfen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

jemandem etwas Schönes oder Wertvolles geben/darbieten, das dieser nicht zu würdigen weiß – Unwürdigen etwas Wertvolles anbieten – etwas verschwenden

Herkunft

„Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen.“ So heißt es im Neuen Testament, Matthäus, Kapitel 7, Vers 6 („Bergpredigt“).

Der Nicht-Theologe schaut ob dieses Zitates möglicherweise erst einmal „wie ein Schwein ins Uhrwerk“, da die verwendeten Begriffe ihren tieferen Sinn nicht unbedingt auf den ersten Blick offenbaren. Eigentlich auch auf den zweiten Blick nicht, denn was Jesus genau meinte, darüber haben sich im Laufe der Jahrhunderte schon viele kluge oder zumindest – aber das eine schließt das andere natürlich nicht aus – gläubige Köpfe selbigen zerbrochen. Stark vereinfacht ausgedrückt, sollten die Gläubigen die heiligen Evangelien nicht den Heiden verkünden, weil die in ihrer Unwissenheit und Sünde damit so viel anzufangen wüssten wie Schweine mit kostbaren Perlen. Eine solche Entehrung Gottes und der Lehre würde letztlich auch denen schaden, die es zwar gut gemeint, aber dadurch die Kostbarkeiten so leichtfertig dem Schmutz preisgegeben hatten.

Bild: SchweinenasePerlen vor die Säue werfen… Wieso nun gerade Säue, warum ausgerechnet Perlen?

Hunde und Schweine müssen als Sinnbild des Niederen und Unwürdigen herhalten, weil diese Tiere im jüdischen Glauben, im dem das Christentum verwurzelt ist, als unrein und als Symbol des Heidnischen gelten.

Zu den Perlen geht die Erklärung um, dass es in der byzantinischen Kirche Brauch war, das geheiligte Brot für die Messe in Krümel zu zerlegen und dass das griechische Wort für diese Krümel (margarites) zugleich Perlen bedeutet. Demnach hatte möglicherweise jemand die alten Texte schlicht und ergreifend falsch aus dem Griechischen übersetzt, denn das lateinische Wort für Perlen lautet zum verwechseln ähnlich – margaritae bzw. – in der für den Satz grammatisch richtigen Form – margaritas. Immerhin besteht eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit zwischen Perlen und Brotkügelchen. Aber vielleicht wurde die Perle auch in voller Absicht als Sinnbild für den Glauben auch auserwählt, weil sie von jeher für Reinheit, Schönheit und Reichtum steht. Der Gegensatz zu den angeblich unsauberen Schweinen war so auf jeden Fall größer, bildhafter, griffiger. Das würde erklären, wieso sich eine möglicherweise falsche Übersetzung durchgesetzt hat.

Bild: blühende Margerite mit MarienkäferNoch einen drauf setzten dann niederländische/flämische Künstler im 16. Jahrhundert. Diese haben entweder das in der lateinischen Vorlage vorgefundene Wort margaritas mit dem französischen marguerite(s) (eine Blume, die Margerite) verwechselt und die fehlerhafte Vorlage ihrerseits noch einmal falsch übersetzt oder – auch das ist möglich – sie haben ganz bewusst eine andere Übersetzung als die im deutschen Sprachraum vorherrschende gewählt. Auf jeden Fall lassen sie auf ihren Werken (Schnitzereien und Gemälde) keine Perlen, sondern Blumen vor die Säue werfen. Echten Schweinen wären diese falschen falschen Perlen zweifellos lieber gewesen
als die echten falschen.

Beispiele

„Schließlich kursiert in Fachkreisen noch der Vorwurf, bei solchen Volksvergnügungen würden musikalische Perlen vor unmusikalische Säue geworfen.“
„Perlen vor die Säue werfen – so nennt man das gern, wenn man sich ungenügend gewürdigt fühlt.“
„Perlen vor die Säue, möchte man meinen, wenn man diejenigen vor dem inneren Auge vorbeimarschieren lässt, die den Kakao auch noch trinken, durch den man sie zieht.“
„Jeder muss selbst zu der Erkenntnis gelangen, wann sich Engagement lohnt und wann er Perlen vor die Säue wirft.“

Wissenswertes

Gemäldeausschnitt Perlen vor die Säue werfen

Falsche Perlen (Blumen) vor die Säue werfen auf einem Ausschnitt des Gemäldes „Niederländische Sprichwörter“ von Pieter Brueghel dem Älteren (ca. 1530 – 1569). Das Original befindet sich im Besitz der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

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