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Was macht ein Pflaster so teuer oder heiß?

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) ein teures/heißes Pflaster sein
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) eine Straße, einen Weg oder einen Ort mit etwas pflastern (können)

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Bedeutung

1) a) ein Ort sein, an dem Wohnen/Leben teuer ist und hohe Kosten verursacht
b) heißes Pflaster: ein gefährlicher Ort sein
2) etwas in großer Zahl und im Überfluss haben/vorfinden

Herkunft

Schon im Römischen Reich gehörte es zu den Annehmlichkeiten städtischen Lebens, auf mit Steinen gepflasterten Straßen und Plätzen wandeln zu können, statt auf unbefestigten Wegen durch den Schlamm waten zu müssen. Allerdings durchzogen das gesamte Römische Reich gepflasterte Straßen. Ansonsten wäre ein ausreichender Transport von Menschen und Gütern angesichts der ungeheuren Größe des Reiches auch gar nicht möglich gewesen.

Im Mittelalter, das in vielerlei Hinsichten die kulturellen, organisatorischen und technischen Errungenschaften der Römerzeit nicht bewahren konnte, sah es mit den Fernverbindungen nicht mehr so gut aus. Gepflasterte Straßen wurden derart überwiegend ein Merkmal städtischer Kultur, dass Pflaster pars pro toto[1] zum Sinnbild für Stadt wurde. Das teure Pflaster meint also nicht die möglicherweise hohen Kosten für den Straßenbau, sondern eine Stadt, in der zu leben einiges kostet, z.B. wegen hoher Mieten und Grundstückspreise.

Ganz ähnlich verhält es sich es mit der deutlich älteren Wendung vom heißen Pflaster. Bei heiß dürfen Sie aber nicht an hochsommerliche 35 Grad Celsius im Schatten denken – die reichen nicht. Viel mehr soll heiß richtig heiß sein und somit Gefahr bzw. Schmerzen versinnbildlichen. Das heiße Pflaster ist also gewissermaßen ein Ort, an dem die Preise Schmerzen bereiten. Oder wie es kurz und bündig in einem alten Buch über Redensarten heißt: „Von einer Stadt, in welcher die Lebensmittel theuer sind, sagt man, sie habe ein heißes Pflaster.“[2]

Allerdings scheint das heiße Pflaster einem Bedeutungswandel ausgesetzt zu sein. Oft oder sogar in den meisten Fällen steht heiß nicht mehr wie ursprünglich für teuer, sondern für gefährlich. Womöglich liegt die Ursache in der Nähe zu anderen Wendungen, in denen heiß gefährlich bedeutet. So kann einem bspw. eine Sache oder auch der Boden unter den Füßen zu heiß werden. Hinzu kommt, dass die jüngere Wendung „teures Pflaster“ verwendet werden kann, um hohe Kosten auszudrücken.

Man kann nicht nur die Straße mit Dingen pflastern, von denen man zu viel oder wenigstens genug hat, man kann auch jemandem eine pflastern, sprich, jemandem eine Ohrfeige/Backpfeife geben, ihm eine schmieren oder ihn – ganz ohne lyrische Anwandlung und Vorstellungskraft – ins Gesicht schlagen. Das danach unter Umständen zu vergebende Trostpflaster, also eine kleine Entschädigung für eine erlittene Unannehmlichkeit, geht auf das Wundpflaster zurück.

[1] Pars pro toto meint hier eine Stilfigur, bei der ein verwendetes Wort nur ein typisches Merkmal bzw. einen wichtigen Teil einer Sache benennt, aber eigentlich die ganze Sache meint. Und nichts anderes heißt pars pro toto wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt: ein Teil für das Ganze oder auch ein Teil anstelle des Ganzen. Bei der Redewendung „ein Dach über dem Kopf haben“ steht bspw. Dach für Haus und Kopf für Mensch. Und wenn Sie Holland sagen, aber die Niederlande
meinen, ist das ein weiteres umgangssprachliches Beispiel, weil die frühere Provinz Holland lediglich der bedeutendste Teil der Niederlande war.
[2] Adelung, Johann Christoph: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, Wien 1808, Bd. 2, Spalte 1088

Beispiele

1) a) „Wiesbaden ist nicht nur als teures Pflaster und Kurstadt bekannt, sondern auch als Sitz wichtiger Bundesbehörden wie Bundeskriminalamt und Statistisches Bundesamt.“
„München ist nachwievor ein ziemlich teures Pflaster.“
b) „Paris war mir ein zu heißes Pflaster geworden, weil ständig Polizeistreifen in den Straßen herumliefen.“
„Der globalisierte Aktienmarkt ist wegen seiner Größe und Unübersichtlichkeit insbesondere für private Anleger ein heißes Pflaster.“
2) „Mit all den Flaschen, die wir an diesem Abend geleert haben, hätte man die gesamte Innenstadt pflastern können.“
„Der Kerl hat so viel Geld, dass er die Straße damit pflastern kann.“
„Mit den Dingern könnte ich die Straße pflastern.“

Wissenswertes

Kopfsteinpflaster

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