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Für Draufgänger: rangehen wie Blücher

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischrangehen wie Blücher (an der Katzbach)

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Bedeutung

entschlossen handeln – energisch und unerschrocken vorgehen – mutig auf etwas losgehen

Herkunft

Gebhard Leberecht von Blücher (1742 – 1819) war ein schon zu Lebzeiten sehr bekannter, ja, geradezu legendärer Feldherr der preußischen Armee. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere oblag ihm als Generalfeldmarschall der Befehl über das gesamte preußische Heer. Die Zeit (Kriege gegen Napoleon), sein Rang (Befehlshaber ständig größer werdender Einheiten) und seine Persönlichkeit (Draufgänger) brachten es mit sich, dass Blücher in nahezu jeder Schlacht, an der er teilnahm, auffällig wurde. Auf Grund seiner offensiven, nicht selten sogar ungestümen Vorgehensweise hatte er schnell den Spitznamen „Marschall Vorwärts“ weg und war bei Soldaten und Volk äußerst beliebt.

Dabei hatte es für Blücher nicht immer nach Ruhm und Karriere ausgesehen. Zwar hatte er schon in frühester Jugend eine militärische Laufbahn eingeschlagen, erst in schwedischen Diensten gegen Preußen, nach seiner Gefangennahme 1760 wechselte er die Seiten, aber sein Temperament behinderte lange Zeit seinen Aufstieg. 1772 bat er voreilig und beleidigt um seinen Rücktritt, weil er bei einer eigentlich anstehenden Beförderung übergangen worden war. Seinem Gesuch wurde vom preußischen König Friedrich II. (Friedrich der Große) stattgegeben. Angeblich mit den Worten: „Der Rittmeister von Blücher ist seiner Dienste entlassen und kann sich zum Teufel scheren!“[1] Trotz allen Bittens und Flehens wurde ihm die Wiederaufnahme in die Armee die nächsten 15 Jahre verwehrt. Erst nach dem Tod des Königs fand
er bei dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm II. Gehör.

Gebhard Leberecht von Blücher1806 musste Blücher – mittlerweile immerhin Generalleutnant – in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt die katastrophale Niederlage der preußischen Armeen gegen Napoleon miterleben. Trotzdem legte er hier den Grundstein zu seinem anhaltenden Ruhm. Wochenlang entzog er sich mit versprengten Truppenteilen der nachsetzenden französischen Übermacht, wies mehrere Kapitulationsaufforderungen zurück (dies freilich auf Kosten seiner Soldaten), bevor er sich in hoffnungsloser Lage doch noch ergab. Allerdings nicht, ohne den absolut im Vorteil befindlichen Franzosen eine „Parade“ zur Ehrerbietung für die preußischen Truppen aufzuzwingen.

Zu Beginn der Befreiungskriege gegen die Franzosen gelang ihm als Befehlshaber der aus preußischen und russischen Einheiten bestehenden Schlesischen Armee am 26. August 1813 ein spektakulärer Sieg trotz deutlicher Unterzahl. Blücher „erwischte“ den französischen General McDonald, als dieser auf Grund mangelnder Informationen über die Feindbewegungen mit circa 80.000 Mann den niederschlesischen Fluss Katzbach bei Liegnitz überschreiten wollte. Blücher mit seinem Draufgängertum ergriff trotz deutlicher Unterzahl diese Gelegenheit, die französischen Truppen aus vorteilhafter Stellung heraus anzugreifen und durch entschlossenes Nachsetzen trotz strömenden Regens fast völlig aufzureiben. Gefangene eingerechnet, hatten die Franzosen in etwa 30.000 Mann verloren, dazu über 100 Kanonen eingebüßt, während auf preußischer/russischer Seite angeblich keine 5000 Mann gefallen waren.

So manch anderer Befehlshaber hätte diese Gelegenheit wegen der ungünstigen Umstände (Unterzahl, schlechte Wetterlage, schwer einzuschätzende Feindbewegungen) verstreichen lassen, aber Blücher – tja, der ging halt ran wie Blücher an der Katzbach.

Um Ihre Geduld nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen, soll nur kurz und ohne Beispiele erwähnt werden, dass Blücher mit seinem ungeduldigen Hang zur Offensive trotz vieler glänzender Siege (er war es auch, der im März 1814 Paris erstürmte) das eine oder andere Mal den Bogen überspannte und so Niederlagen mitzuverantworten hatte. Aber das ändert nichts an seinem Ruf als Kriegs- und Volksheld.

1) Duller, Dr. Eduard (Hrsg.): Die Männer des Volks, Verlag Meidinger, Frankfurt a. M. 1847, Bd. 3, S. 151

Beispiele

„Die Stimmung ist gut, wir werden drauflosgehen wie Blücher!“
„Ja, meine Herren, denn man druff wie Blücher!“
„Die Bauleute gehen ran wie Blücher, selbst kleinste Bohrlöcher werden mit riesigen Boschhämmern in die Wände gestanzt.“
„Nachdem er das heruntergekommene Herrenhaus 1997 von der Treuhand gekauft hatte, ging er ran wie Blücher, konzipierte und baute hier ein Wellness-Hotel.“
„In einer solchen Situation gibt es nur eine Möglichkeit: rangehen wie Blücher an der Katzbach!“

Wissenswertes

Die Schlacht von Waterloo

Auch in der berühmten Schlacht von Waterloo – hier auf einem Gemälde aus dem Jahr 1820 – waren Blücher und seine Preußen mit von der Partie. Mehr noch, ohne deren Eingreifen hätte Wellington vermutlich nicht mehre lange standhalten können und Waterloo wäre kein Symbol für Napoleons endgültige Niederlage, sondern für eine vernichtende Schlappe der Alliierten.

Für Draufgänger: rangehen wie Blücher
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