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Sich am Riemen reißen und in die Riemen legen

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) sich am Riemen reißen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) sich in die Riemen legen

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Bedeutung

1) sich zusammenreißen – sich in der Gewalt haben; etwas erledigen, obwohl man dazu keine Lust hat – sich zu etwas zwingen
2) sich tüchtig anstrengen – sich viel Mühe geben

Herkunft

Bild: Uniform mit RiemenUnter einem Riemen versteht man im weitesten Sinne ein längliches Stück Leder. Daher lautet so auch eine etwas veraltete Bezeichnung für einen Gurt bzw. Gürtel, der zumindest früher immer aus Leder bestand. Und der Gürtel ist auch gemeint, wenn jemand von Ihnen verlangt, dass Sie sich am Riemen reißen. Diese Redewendung ist wohl zur Zeit des Ersten Weltkriegs aufgekommen.[1] Damals (freilich auch vorher und danach) galt es, stets in tadelloser Haltung und Uniform vor den Vorgesetzten zu erscheinen, sei es beim morgendlichen Appell, sei es im dicksten Schlachtgetümmel. Nachlässigkeiten hätte man als schädlich für die Moral der Truppe angesehen. Zu den Anforderungen gehörte zum Beispiel, dass die Gürtelschnalle genau in der Mitte saß; nicht drei Zentimeter links der Knopfleiste, nicht zwei Zentimeter rechts davon, sondern genau mittig. Andernfalls musste sich der Soldat wortwörtlich schleunigst am Riemen reißen, ihn also in die vorgeschriebene Lage ziehen.

Sich in die Riemen legen hingegen ist nichts für Landratten. Der Seemann versteht unter Riemen das, was wir als Ruder oder auch Ruderblatt bezeichnen. Aber der Seemann rudert auch nicht, er pullt. Beim Rudern/Pullen arbeitet man nicht nur mit den Armen, sondern lehnt sich mit dem Oberkörper zurück, um dank des Körpergewichtes und der Rückenmuskeln mehr Zugkraft entfalten zu können. Und wenn Sie sich regelrecht in die Riemen legen, sind Ihre Anstrengungen besonders groß.

Dass zwischen Riemen und Riemen ein so großer Bedeutungsunterschied besteht, liegt daran, dass die Wörter auch unterschiedlicher Herkunft sind. Der lederne Riemen stammt aus – um es viel zu einfach und somit fast schon falsch zu sagen – dem germanischen Sprachkreis, das Ruder hingegen geht auf das lateinische Wort remus zurück.[2]

Vergleichsweise selten kommt die Redensart „den Riemen enger schnallen (müssen)“ vor. Sie bedeutet, dass man sich einschränken, in seinen Bedürfnissen anpassen, sparen oder gar hungern muss. In diesem Sinn wird jedoch „den Gürtel enger schnallen“ ungleich häufiger verwendet.

[1] Vgl. Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 7. Auflage, Herder Verlag, Freiburg – Basel – Wien 1994, Bd. 2, S. 1244
[2] Nach: Duden-Reihe, Bd. 7, Herkunftswörterbuch, 3. Auflage, Dudenverlag, Mannheim – Leipzig – Wien – Zürich 2001, S. 675

Beispiele

1) „Die FDP muss sich ordentlich am Riemen reißen, sonst steht ihr Kürzel bald für Fast-Drei-Prozent.“
In der Mitte der Saison sah es so aus, als würde sich die Mannschaft endlich am Riemen reißen.“
Griechenland muss sich am Riemen reißen und endlich anfangen zu sparen.“
2) „Nach dem völlig verpatzten Start musste er sich mächtig in die Riemen legen, um überhaupt erst einmal Anschluss ans Mittelfeld zu finden.“
„Wenn man schon in einem Boot sitzt, kann man sich auch gemeinsam in die Riemen legen.“

Wissenswertes

Der Handwerker, der Riemen und Gürtel aus Leder herstellte, war der Riemer oder auch Riemenmacher. Als Ausbildungsberuf gibt es den schon lange nicht mehr. Der Riemer machte also Riemen. Und der Gürtler dann Gürtel? Holzweg! Ein Gürtler stellt Gebrauchs- und Schmuckgegenstände aus Metall her.

Sich am Riemen reißen und in die Riemen legen
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