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(Etwas) stehenden Fußes (tun)

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

sofort – augenlicklich – sogleich – unverzüglich – auf der Stelle – umgehend

Herkunft

Diese Redewendung fußt auf sehr alten Rechtsbräuchen. War jemand mit (s)einem Urteil nicht zufrieden, musste er es auf der Stelle – also wortwörtlich stehenden Fußes – anfechten. Das Urteil schelten oder auch appellieren, wie man im Mittelalter sagte. Tat er das nicht, sondern ging seines Weges, galt das Urteil als angenommen und rechtskräftig. Eine Bedenkzeit oder Frist wie im heutigen Rechtsleben gab es in den meisten Fällen nicht.[1]

Juristerei war auch schon vor Jahrhunderten eine sehr vielschichtige Angelegenheit. Rechtshistoriker würden ob meiner vereinfachten Darstellung womöglich die Hände über dem kopf zusammenschlagen. Aber für das Verständnis der Redewendung müssen wir uns zum Glück nicht in endlosen Einzelheiten verlieren.

Ursprünglich war mit stehenden Fußes also eher ein Ort gemeint: die Gerichtsversammlung. Wir verwenden die Redensart aber schon lange im zeitlichen Sinn. Das kann – je nach Zusammenhang – zu eigentlich kuriosen und widersinnigen Aussagen führen. Zumindest wer den Ursprung der Redensart kennt, dem wird auffallen, dass Anweisungen wie „Er soll stehenden Fußes herkommen!“ gar nicht ausgeführt werden können. Ähnlich verhält es sich auch mit der Wendung „auf der Stelle“.

Die damaligen Rechtsgelehrten drückten sich gern etwas gewählter aus, also in Latein. Und in Latein heißt stehenden Fußes stante pede. Auch das haben Sie vermutlich schon einmal gehört. Vielerorts reichte stante pede nicht, sondern es war stante pede et viva voce gefordert – stehenden Fußes und mit lauter Stimme, sodass auch jeder den Einspruch deutlich vernehmen konnte.

Noch im 19. Jahrhundert verwendete man stehenden Fußes nicht nur als Rechtsformel und/oder Redensart, sondern auch im wörtlichen Sinne. In alten (Fach)Büchern kann man recht häufig lesen, dass bestimmte Manöver beim Militär, verschiedene Übungen beim Turnen oder Fechten und so weiter stehenden Fußes ausgeführt werden sollten – also ohne die Füße vom Boden zu heben oder sich gar von der Stelle zu rühren.[2]

1) Beispiel aus Hamburg: „Wer vom gesprochenen Urtheil des Untergerichts an den Rath appelliren will, der soll solches nach alter Gewohnheit mit Darlegung Sechs Schlling Lübisch auf stehenden Fuss und alsobald thun.“ (Struven, Friedrich: Samlung und Rechtliche Erklärung Gottlieb unterschiedener teutscher Wörter und Redensarten, Hamburg 1748, S. 191)
2) Beispiel: „Der Kavalerist muß sich mit seinen Feuerwaffen gleichfalls auf die Scheibe zu Fuß und zu Pferd, stehenden Fußes und im Reiten gehörig einüben, …“ Fronmüller, Friedrich: Sammlung militairischer Materialien, Riegel und Wießner, Nürnberg 1825, S. 101

Beispiele

„Stehenden Fußes kündigt die Bahn nun auch kostenlose WLAN-Nutzung in Regionalzügen an.“
„Das sportliche Paar aus Jena hatte die Neuigkeit in der Zeitung gelesen und stehenden Fußes seine Urlaubspläne geändert.“
„Und natürlich mussten die 26 Weinheimer, die in der Gefahrenzone wohnen, stehenden Fußes ihre Häuser verlassen.“
„Zu meiner größten Überraschung bekam ich stante pede noch für diesen Nachmittag einen Termin.“

(Etwas) stehenden Fußes (tun)
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