Redensarten, Redewendungen, Idiome, Sprichwörter - eine kleine Begriffskunde
Der Einfachheit halber ist auf diesen Seiten immer nur von Redensarten die Rede. In einigen Fällen
ist das nicht zur Gänze korrekt, aber www.redensarten-redewendungen-und-sprichwörter.de wäre wohl
etwas unpraktisch. Für alle, die es auch auf der theoretischen Ebene etwas genauer wissen möchten,
will ich nachfolgend die inhaltlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Begriffen grob umreißen.
Bei Redensarten handelt es sich um bildhafte Wendungen, deren Bestandteile zwar untrennbar
miteinander verbunden, aber - im Gegensatz zu Sprichwörtern - in ihrer Form nicht völlig erstarrt
sind und keinen vollständigen Satz ergeben. Sie können und müssen daher dem jeweiligen Satzzusammenhang
angepaßt werden.
Wer die Bedeutung einer Redensart nicht kennt, kann sie sich oft nur schwer bzw. überhaupt nicht
erschließen. Man könnte sagen, daß der Sinngehalt einer Redensart größer ist als die Summe ihrer
Bestandteile.
Redewendungen sind den Redensarten sehr ähnlich. In der Praxis ist eine eindeutige Zuordnung
oft unmöglich. Schon in der Theorie sind die Unterschiede recht gering, so daß hier auf eine
Darlegung verzichtet wird. Sie würde eher Verwirrung stiften, als etwas zu verdeutlichen - nicht
zuletzt beim Verfasser.
Sprichwörter, die Sie hier nur in Ausnahmefällen finden werden, sind vollständige Sätze in
unveränderlicher Form, die sich oft sogar reimen. "Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe
nicht auf morgen." können Sie nicht in Zeit- oder Personalform verändern, ohne es zu entstellen.
"Was ich vorgestern konnte besorgen, verschob ich nicht auf gestern." klingt in Ihren Ohren sicher
genauso falsch, wie es auch ist. Ein weiterer Unterschied zu den Redensarten / Redewendungen liegt
darin, daß sich der Inhalt von Sprichwörtern direkt erschließt. Man muß nicht zwischen den Zeilen
suchen, was gemeint ist. Bei "Eile mit Weile" gibt es kein Sinnbild, das Sie erst entschlüsseln müssen.
Es ist genau das gemeint, was das wörtliche Verständnis ergibt.
Sprichwörter beinhalten oft Erfahrungen, Lebensregeln, Warnungen und ähnliche Weisheiten.
Das hat u.a. zur Folge, daß sich zu vielen Sprichwörtern ein anderes finden läßt, das das
genaue Gegenteil ausdrückt. Im Fall "Eile mit Weile" denke man an "Wer rastet, der rostet."
Phraseologie oder auch Idiomatik nennt man das Teilgebiet der Sprachwissenschaft,
das sich mit den hier genannten und noch weiteren formelhaften Erscheinungen unserer Sprache beschäftigt.
Dementsprechend stellen die Bezeichnungen Phraseologismen (Singular: Phraseologismus), Idiome,
idiomatische Wendungen im wesentlichen Oberbegriffe dar, unter die neben Redensarten / Redewendungen
und Sprichwörtern auch noch andere Ausdrucksformen wie Floskeln, geflügelte Worte (aus einem Zitat
entstandene Sprichwörter) Aphorismen und sogar Klosprüche fallen.
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